"Zur Schranke" wieder geöffnet

Nach Brand: Nürnberger Traditionslokal erstrahlt wie Phönix aus der Asche

Irini Paul

Lokalredaktion

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15.7.2021, 14:16 Uhr
Gerhard Rippel ist einer der drei Pächter und freut sich, das Traditionslokal unweit des Dürer-Hauses endlich wieder für Gäste eröffnen zu können.

Gerhard Rippel ist einer der drei Pächter und freut sich, das Traditionslokal unweit des Dürer-Hauses endlich wieder für Gäste eröffnen zu können. © Roland Fengler

Es klingt schon fast wie Musik in den Ohren. Nach knapp eineinhalb Jahren werden im "Augustiner zur Schranke" endlich wieder Schnitzel in der kleinen Küche im Erdgeschoss geklopft und Würste gebraten. Nachdem im März 2020 ein Dachstuhlbrand das denkmalgeschützte Haus massiv beschädigt hatte, war hier bis vergangene Woche dicht.

Jetzt hat Gerhard Rippel, einer der drei Pächter, das Traditionslokal am Tiergärtnertorplatz wieder geöffnet. Das verblüffende: Egal, ob man draußen sitzt oder in der kleinen gemütlichen Gaststube - es ist so, als wäre nichts gewesen. Alles sieht so aus, wie vorher.

"Das war auch so gewollt", so Rippel, der unter anderem auch den "Burgwächter" und das "Bratwursthäusle" betreibt. Der Weg dorthin war aufwendig und kostspielig. "Im Grunde handelt es sich um einen Neubau", so Rippel. Denn es musste wirklich alles raus. Von den Böden bis zu den Balken.


Brand erschütterte Sebalder Altstadt


Was nach dem Brand noch zu retten war, wurde in die hauseigene Schreinerei der Augustiner-Bräu in München gebracht und dort aufbereitet. Manches musste ersetzt werden, wie etwa die Leisten in der Gaststube, auch Teile des historischen Fliesenbodens wurden ausgetauscht.

Über sechs Monate lang liefen die Trocknungsgräte im Erdgeschoss und im Keller. Denn während das Feuer den Dachstuhl zerstörte, war danach bis in den ersten Stock dann die Nässe durch das Löschwasser vor allem das Problem gewesen.

Nach annähernd eineinhalb Jahren wird in der kleinen Küche wieder gut fränkisch gekocht. 

Nach annähernd eineinhalb Jahren wird in der kleinen Küche wieder gut fränkisch gekocht.  © Roland Fengler, NNZ

Ein technischer Defekt im angrenzenden Gebäude war Schuld an dem Feuer, bei dem mehr als 2 Millionen Euro Schaden entstanden war. Bei dem Brand waren die Flammen aus der Brandwohnung in den Dachbodenbereich des aus dem Jahr 1545 stammenden Fachwerks übergesprungen und breiteten sich in der mehrschichtigen Zwischendecke aus. Diese trennt den Dachbodenbereich von den Wohnungen im zweiten Obergeschoss. Besonders bitter: Das Anwesen war erst 2016/2017 komplett saniert worden.

Beliebtes "Schlenkerla"

Als Wirtshaus wurde es erstmals 1632 erwähnt. Ab 1641 ist der Name "Zur Schranke" verbürgt - auch wenn viele Nürnberger bis heute liebevoll vom "Schlenkerla" reden. Das mag auch daran liegen, dass hier lange Jahre das gleichnamige Rauchbier ausgeschenkt wurde. Rippels Vorpächter, Inge und Franz Gerber, hatten das Haus immerhin annähernd vier Jahrzehnte geführt.

Die Neueröffnung dürfte also nicht nur die Touristen freuen, auch bei den Nürnbergern genießt das Traditionslokal nahe des Dürer-Hauses einen guten Ruf. Das liegt zum einen an der guten fränkischen Küche und an der traumhaften Lage an einem der schönsten Plätze der in Altstadt.

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