Gesundheitliche Schäden

Protein-Überdosis: Das passiert, wenn Sie zu viel Eiweiß zu sich nehmen

1.10.2021, 10:50 Uhr
Proteinshakes sind bei Kraftsportlern beliebt.

Proteinshakes sind bei Kraftsportlern beliebt. © IMAGO / Panthermedia

Wer einen sportlichen Körper haben möchte, sollte zusätzlich zu Stunden im Fitnessstudio unbedingt eine gesunde, proteinreiche Diät einhalten. Denn Eiweiß hilft dabei, Muskeln zu entwickeln und zu stärken. Der Verzehr von zu viel Protein kann für den Körper jedoch schädlich sein.

Welche Funktion hat Eiweiß im Körper?

Proteine ​​stellen eine große Gruppe organischer Verbindungen dar, die aus elementaren Einheiten, den sogenannten Aminosäuren, bestehen. Die Reihenfolge, in der Aminosäuren aneinander gebunden sind, bestimmt die Form des Proteins. Davon hängt auch die Funktion ab, die es im Körper erfüllen kann.

Proteine haben eine plastische Funktion, sie sind in der Lage, Zellen und Gewebe aufzubauen und zu regenerieren. Zudem erfüllen sie wichtige physiologische Funktionen, sowohl als Hormone (Insulin) als auch als Enzyme. Drüber hinaus spielen sie als Antikörper eine grundlegende Rolle bei der Regulation des Immunsystems. Überdies transportieren Proteine Sauerstoff (wie Hämoglobin) und Nährstoffe im Blut.

Bei den Aminosäuren, aus denen Proteine ​​bestehen, gibt es zwanzig verschiedenen Arten. Neun von denen, die sogenannten Essentiellen Aminosäuren, kann unser Körper nicht selbst herstellen und muss sie daher durch die Nahrung aufnehmen.

Proteine sind in fast allen Lebensmitteln in unterschiedlichen Mengen enthalten. Generell sprechen wir von Proteinen tierischen und pflanzlichen Ursprungs. Erstere stammen aus Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten. Letztere wiederum werden aus Hülsenfrüchten, Samen, Vollkorngetreide, Nüssen und Sojabohnen gewonnen.

Wie viele Proteine braucht unser Körper?

Die meisten Ernährungsgesellschaften empfehlen für einen durchschnittlichen Erwachsenen mit sitzender Lebensweise - also beispielsweise einem Bürojob - eine Proteinzufuhr von 0,8 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Dies entspräche bei einer Person, die 70 Kilo wiegt, zwischen 56 und 84 Gramm Eiweiß pro Tag. Bei Schwangeren und Stillenden sowie Sportlern, bei denen Proteine für die Regeneration und das Wachstum der Muskulatur eine wichtige Rolle spielen, wird jedoch eine erhöhte Eiweißzufuhr empfohlen.

Proteine bewirken ein starkes und anhaltendes Sättigungsgefühl, weshalb der Nährstoff beim Abnehmen helfen kann. Die Reduzierung der Fettmasse bei einer proteinreichen Ernährung erfolgt dank des Mechanismus der Ketogenese. In diesem Stoffwechselzustand wandelt der Körper, wenn er für einen längeren Zeitraum keine Kohlenhydrate zur Energiegewinnung zur Verfügung hat, Fette und Proteine zu Energielieferanten um.

Extreme Proteinmengen von mehr als 2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht werden jedoch aus verschiedenen Gründen nicht empfohlen. Folgende Dinge könnten passieren, wenn Sie zu viel Protein zu sich nehmen.

Problem 1: Nierenfunktion beeinträchtigt

Eines der am meisten diskutierten Themen rund um Proteine sind die Risiken, die ein übermäßiger Verzehr für die Nierenfunktion mit sich bringt. Die Ergebnisse der Studien von Kevin Esmeijer von Leiden University Medical Center und Jong Hyun Jhee von der Yonsei University in Seoul legen nahe, dass eine erhöhte Proteinaufnahme schädliche Auswirkungen auf die Nierengesundheit haben kann, insbesondere bei Risikopatienten.

Tatsächlich scheint es, dass die glomeruläre Hyperfiltration in Verbindung mit einer proteinreichen Ernährung die Nierenfunktion schnell verschlechtern und folglich eine chronische Nierenerkrankung verursachen oder das Fortschreiten einer bestehenden Erkrankung beschleunigen kann.

Problem 2: Gewichtszunahme

Eiweiß kann beim Abnehmen helfen. Eine proteinreiche Ernährung kann jedoch zum Gegenteil führen: nämlich zum Übergewicht. Wenn man mehr Kalorien zu sich nimmt, als der Körper braucht, wird der Überschuss im Körper als Energiereserve gespeichert. Auch ein Zuviel an Proteinen kann also für mehr Körperfett sorgen, während man den Überschuss an Aminosäuren ausscheidet.

Problem 3: Mögliche Blähungen

Großen Portionen Eiweiß können den Darm überfordern und zu Blähungen führen. Eiweißmoleküle können teilweise nicht vollständig gespalten werden und gelangen somit in Dickdarmabschnitte, wo sie von Bakterien unter Gasbildung verstoffwechselt werden.

Während die Eiweißverstoffwechslung bei Eiweißquellen wie Fisch oder Fleisch bereits im Magen beginnt, gelangt das Molkeneiweiß (Whey), welches oft Hauptbestandteil von Proteinshakes ist, unvollständig gespalten in den Darm. Zudem werden Blähungen von der Kombination aus Protein und Lactose begünstigt.

Auch ein Mangel an Ballaststoffen, die für eine schnelle Darmpassage sorgen, kann zu Beschwerden in Form von Verstopfungen, Blähungen oder auch Durchfall führen.

Problem 4: Leber geschwächt

Der Verzehr von zu viel Protein kann auch schwere Leberschäden verursachen, insbesondere bei Patienten mit Lebererkrankungen wie Leberzirrhose und Leberversagen. Dies hängt mit der Bildung von Ammoniak im Körper zusammen. "Das Zellgift ist schädlich und wird vermehrt gebildet, wenn der Körper eine Überdosis Protein nicht verarbeiten kann", erklärt Ernährungswissenschaftlerin Kristin Koskinen gegenüber FitforFun.

Eine eiweißarme Ernährung kann der erkrankten Leber den Abbau dieser Stoffe erleichtern.

Problem 5: Ballaststoffe-Mangel

Viele Menschen verwenden Proteinshakes als Mahlzeitenersatz. Während kalorienarme, sättigende Proteingetränke bei der Kalorienreduzierung nützlich sein können, ermöglichen sie nicht die Aufnahme wichtiger Nährstoffe, die aus herkömmlichen Lebensmitteln gewonnen werden können. Die Rede ist von Vitaminen und Mineralstoffen - aber auch von Ballaststoffen, die bei Produkten auf Basis von Proteinpulvern oft fehlen.

Auf Dauer kann diese Diät zu einem Ungleichgewicht der Mikroflora und -fauna im Darm führen und das Immunsystem beeinträchtigen.

Ballaststoffe aus Früchten, Gemüse, Vollkornprodukten und Nüssen sind nämlich für eine gute Verdauung und Darmtätigkeit essentiell. Mindestens 30 Gramm täglich sollten Sie davon aufnehmen, um Ihre Verdauung zu unterstützen.

Diesen Artikel vom 28. September haben wir am 1. Oktober aktualisiert.

Keine Kommentare