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Fiasko von 1969: Als der Club als Meister abstieg

Heute vor 50 Jahren: 1. FC Nürnberg muss überraschend nach unten - 07.06.2019 13:13 Uhr

Max Merkel scheiterte beim Club im Jahr nach dem Titelgewinn. Auch sein Assistent Robert Körner konnte den 1. FC Nürnberg nicht mehr retten. © dpa


s war eine verrückte Bundesligasaison. Bis zuletzt musste fast ein Dutzend Klubs um den Klassenerhalt zittern. Vizemeister Alemannia Aachen hatte am Ende gerade mal neun Punkte mehr auf dem Konto als der Vorletzte, der zusammen mit Schlusslicht Kickers Offenbach den bitteren Weg in die Zweitklassigkeit antreten musste: der 1. FC Nürnberg, seines Zeichens amtierender deutscher Meister, dessen Fans nie und nimmer mit dieser schier unfassbaren Katastrophe gerechnet hatten.

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Mit seiner süffisanten Spitzzüngigkeit schuf Kult-Trainer Max Merkel Sprüche für die Ewigkeit. Am Freitag, den 7. Dezember 2018, vor genau hundert Jahren also, wurde der österreichische Fußballprofi geboren und prägte den Sport seiner Zeit durch zahlreiche Erfolge - auch mit Nürnberg holte der begnadete Fußballer die Meisterschaft. Die besten Sprüche des vor zwölf Jahren verstorbenen Wieners gibt es hier.


Der erste von mittlerweile neun Bundesligaabstiegen war "hausgemacht", wie der damalige Protagonist Horst Leupold mit Nachdruck betont. Schonungslos rechnet der heute 77-Jährige mit dem damaligen Trainer Max Merkel ab, dem der vorangegangene Titelgewinn offenbar zu Kopf gestiegen war. Absolut nicht nachvollziehbar ist bis heute die
Personalpolitik des charismatischen Österreichers.

Massen-Abgang beim Club

Gleich elf Akteure wurden mehr oder weniger in die Wüste geschickt, darunter absolute Leistungsträger aus der Meistersaison 1967/68 wie Karl-Heinz "Charly" Ferschl, August "Gustl" Starek oder Franz Brungs, der auf dem Weg zum Titel mit seinen fünf Toren beim 7:3 gegen Bayern München eines der glanzvollsten Kapitel der Club-Geschichte geprägt hatte. Das "Goldköpfchen" wechselte für auch damals schon bescheidene 200.000 Mark zu Hertha BSC. Gleich 13 Neuzugänge sollten den freiwilligen Aderlass kaschieren – die Rechnung ging hinten und vorne nicht auf.

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Max Morlock steht nicht grundlos als Denkmal in der Nordkurve des Frankenstadions. Der gebürtige Nürnberger, der mehr als 22 Jahre für seinen FCN das Trikot überstreifte und Tore am Fließband erzielte, ist als Aushängeschild des Vereins auch nach seinem Tod im kollektiven Bewusstsein der Stadt präsent. Am 11. Mai 2019 wäre Nürnbergs Größter 94 Jahre alt geworden - klicken Sie sich durch "Maxls" strahlendes Fußballer-Leben!


Von den ersten acht Partien gewann der Titelverteidiger gerade mal zwei und rutschte schnell in den Tabellenkeller. Keine Spur mehr vom spielerischen Glanz der Vorsaison, stattdessen Tristesse pur. Auch auf den Rängen: Am 15. Spieltag verirrten sich gerade noch 10 000 Zuschauer ins Städtische Stadion. Während der Rückrunde zierte der entzauberte Club dann an zwölf von 17 Spieltagen das Tabellenende.

Wurde Club-Spiel manipuliert?

Ein ganz bitterer Moment für den Club und seine Fans: Nach einer 0:3-Niederlage am 7. Juni 1969 in Köln war der erste Bundesliga-Abstieg besiegelt. Luggi Müller (l.) und Horst Leupold konnten es nicht fassen. © Fengler/Archiv Schmidtpeter


Ende März erfolgte die längst fällige Trennung vom großen Zampano Max Merkel. Unter seinem Assistenten Robert Körner setzte sich der freie Fall zunächst fort. Erst unter Kuno Klötzer, der am 19. April 1969 das Kommando übernahm, schien es wieder aufwärts zu gehen. Auf der Zielgeraden einer total verkorksten Saison vergab der 1. FCN zwei Matchbälle gegen Borussia Dortmund (2:2) und beim 1. FC Köln (0:3). Hätte er nur eines dieser Spiele gewonnen, wäre der jeweilige Gegner abgestiegen.

Dass die Partie gegen den BVB von einem (allerdings nie bestätigten) Manipulationsgerücht überschattet wurde – Club-Torwart Jürgen Rynio hatte angeblich bereits bei der Borussia unterschrieben –, passte ins traurige Bild, das der 1. FCN im Frühjahr 1969 abgegeben hat. Es dauerte neun Jahre, ehe er wieder die Bühne Bundesliga betrat.

H. B.

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