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Sonntag, 21.07.2019

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Franz-Köhl-Turm war Zeuge vieler Kriege

Das Relikt nahe Kalchreuth im Sebalder Reichswald ist heute Heimat für Urwildpferde - 10.04.2013

Früher war er Schauplatz von Schießübungen und Gefechten. Heute hat der Franz-Köhl-Turm nahe Kalchreuth seine Bedeutung verloren. © Ernst Bayerlein


Dieser nunmehr von Bäumen überragte Beobachtungsturm wurde für die Schießübungen am Dornberggelände in den Jahren 1935/36 erbaut. Dazu muss man wissen, dass Erlangen im Jahre 1868 auf Betreiben des damaligen Stadtrates Garnisonstadt eines Jägerbataillons wurde, um 1900 wurde mit dem Bau eines „Artillerie-Casernements“ im Stadtosten begonnen.

Um Schießplatz erweitert

Nach den Bayerischen Regimentern folgte nach dem Ersten Weltkrieg die Deutsche Reichswehr und der Exerzierplatz wurde im Waldgebiet Tennenloher Forst um einen großen Schießplatz Forst erweitert. Für die Schießübungen der Soldaten wurde ein etwa sieben Meter hoher runder Beobachtungsturm aus Sandstein erbaut.

Oben hat er eine ausladende Brüstung, Zinnen und ein Geländer. Er hat damit Ähnlichkeit mit einem kleinen Bergfried. Mit einer äußeren Eisenleiter konnte der Turm bestiegen werden, offensichtlich aus Sicherheitsgründen wurden jetzt die ersten zwei Meter der Leiter abgetrennt.
Von diesem Turm aus konnten die Beobachter genau die Einschläge auf dem Schießplatz beobachten. Durch Funk oder durch einen Feldfernsprecher wurden die entsprechenden Werte an die Artillerie-Leitstelle weitergegeben.

Seine frühere Bedeutung hat der Turm allerdings schon längst verloren. Einmal weil die Bäume ringsherum höher sind als der Turm, zum anderen weil der Schießplatz von den nach 1945 folgenden Amerikanern anders genutzt wurde, nämlich als Infanterie-Schießanlage und später für Übungen mit Bordmaschinenkanonen der Bradley-Schützenpanzer. Im Jahr 1994 zogen dann die Amerikaner ab.

Seit 2003 grasen nun friedlich die Przewalski-Urwildpferde in einem 90 Hektar großen Areal und sorgen dafür, dass die Sandmagerrasen und Heiden offen und die Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen erhalten bleiben.
Köhl wurde 1886 in Neu-Ulm geboren und hat im Ersten Weltkrieg unter General Paul von Lettow-Vorbeck bis 1918 als Hauptmann die damalige Deutsche Kolonie Südwestafrika bis nach Kriegsende verteidigt. Danach war er in der Reichswehr in Nürnberg und Fürth sowie Kriegsteilnehmer am Feldzug nach Russland. Dort geriet er in Gefangenschaft und kehrte erst 1955 zurück. Köhl starb 1976 in Erlangen.
Sein jüngerer Bruder Hermann Köhl war Flieger; zusammen mit zwei anderen Piloten flog er 1928 als Erster mit einem Motorflugzeug von Europa nach Amerika. 

ERNST BAYERLEIN

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