Dienstag, 24.11.2020

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Abschied vom Verbrenner

In vielen Ländern gibt es bereits ein Datum für das Aus - 21.11.2020 16:00 Uhr

Verbrenner: Geht es nach dem Willen vieler Länder, soll es in Zukunft anders im Motorraum von Neuwagen aussehen.

20.11.2020 © BMW


Groß ist die Aufregung in der vergangenen Woche gewesen, als Details über die künftige Abgasnorm Euro 7 bekannt wurden. Deutlich früher als erwartet – schon 2025 statt erst 2035 oder 2040 – soll der Schadstoffausstoß von Pkw-Neuwagen drastisch reduziert werden: Stickoxide beispielsweise müssten auf 30, womöglich sogar auf 10 mg/km herabgefahren werden. Bisher sind Benzinern 60 und Dieseln 80 mg/km gestattet.

Von unerfüllbaren Grenzwerten sprach und spricht man in der Branche; nicht nur die Automobilindustrie und deren Zulieferer äußerten scharfe Kritik, sondern auch Politiker aus den Reihen von CDU, FDP und AfD. Nichts weniger als das Szenario einer Abschaffung des Verbrennungsmotors wurde skizziert.

"Totgerittener Gaul"

Auch wenn EU-Kommissar Thierry Breton inzwischen darauf hingewiesen hat, dass noch keine Entscheidung getroffen sei: Das Ende für Benziner und Diesel zeichnet sich auch abseits der Euro-7-Diskussion am Horizont ab. Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research (CAR), hat gegenüber der Nachrichtenagentur dpa bereits wissen lassen, dass er im Verbrenner einen "totgerittenen Gaul" sieht.

Sieht man einmal vom im November 2016 beschlossenen Klimaschutzplan 2050 ab, der eine weitestgehende Unabhängigkeit des Verkehrssektors von fossilen Kraftstoffen vorsieht, hat Deutschland bislang noch keinen konkreten Zeitplan für den "Verbrexit" festgelegt. Doch andere Länder, Regionen oder Metropolen sind da schon weiter.

Aus selbst für Plug-in-Hybride

Eben erst hat Großbritanniens Premierminister Boris Johnson angekündigt, das Verkaufsverbot für Autos mit "Internal Combustion Engines" (ICE) von 2035 auf 2030 vorzuziehen, selbst Plug-in-Hybride – und auch da nur bestimmte – dürfen lediglich bis 2035 bleiben. Und ein jüngst vom Parlament der spanischen Inselgruppe der Balearen verabschiedetes Gesetz sieht vor, dass ab 2025 keine Diesel-Pkw und Motorräder mit Verbrennungsmotor mehr neu zugelassen werden dürfen. 2035 trifft der Bannstrahl auch die Benziner. Und schon 2020 müssen Autovermieter auf Fahrzeuge mit Elektroantrieb umstellen.

Viele wollen raus

2030 planen auch Irland, Island, Dänemark, die Niederlande, Schweden, Slowenien und Indien den Abschied vom Verbrenner, ebenso wie Indien, die südchinesische Provinz Hainan oder Metropolen wie Kapstadt (Südafrika), Vancouver (Kanada), Auckland (Neuseeland) und Quito (Ecuador). In Belgien sollen ab 2026 keine Firmenwagen mit Benzin- und Dieselmotor neu zugelassen werden dürfen. In Schottland zeichnet sich als Deadline das Jahr 2032 ab, in Finnland 2035, dann will auch Kalifornien nur noch emissionsfreie Neuwagen erlauben, ebenso wie – ganz aktuell bekannt wurde – die kanadische Provinz Qébec.

Qébec hat damit größere Eile als British Columbia bekundet, wo der Ausstieg 2040 erfolgen soll. In Lettland, Israel, Spanien, Taiwan, Singapur, Sri Lanka und Ägypten will man ebenfalls ab 2040 keine Verbrenner mehr beim Neuwagenhändler sehen, dies gilt auch für Frankreich. Für 2050 annonciert Costa Rico das Aus, in Japan sollen dann nur noch Fahrzeuge mit mindestens einem Elektromotor erlaubt sein.

Teilweise sind Städte schneller als das ganze Land, wenn es um ein Enddatum für den Verbrenner geht. Paris beispielsweise will schon 2024 neue Diesel und 2030 auch Benziner verbieten; Metropolen wie Manchester, London, Kopenhagen, Rom oder Amsterdam sehen sich ab 2035 als verbrennerfreie Zonen.

Hoffen auf Joe Biden

Wie Deutschland haben auch die großen Autonationen USA und China noch keine Timeline vorgegeben. Allerdings hat sich in den USA die Lobbyorganisation ZETA (Zero Emission Transportation Association) formiert, in der sich Unternehmen wie Tesla, Uber, Siemens oder verschiedene Ladeinfrastruktur-Anbieter dafür stark machen, dass ab 2030 nur noch reine Elektrofahrzeuge verkauft werden dürfen – und dabei darauf hoffen, dass der designierte US-Präsident Joe Biden ein offeneres Ohr besitzt als der in Umweltbelangen finster unzugängliche Donald Trump.

Freilich stehen hinter den ZETA-Bestrebungen handfeste wirtschaftliche Eigeninteressen. Und auch Boris Johnson startet seine "grüne industrielle Revolution" wohl weniger aus hehren Öko-Motiven, sondern der "economy" wegen. Die Regierung hofft auf 250.000 neue und "grüne" Arbeitsplätze, in der Energiebranche beispielsweise und in der Batteriefertigung, was dann auch die unsichere Job-Situation in der britischen Automobilindustrie verbessern könnte.  

Gibt es doch eine Rettung?

In Deutschland hat zumindest der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ein Zulassungsverbot für Autos mit Verbrennungsmotor ab 2035 gefordert. Kleines, aber nicht unwichtiges Detail: Treffen soll der Bann nur Pkw, die mit fossilen Kraftstoffen fahren. Wer weiß: Synthetisches Benzin oder Diesel könnten den Verbrenner womöglich doch noch in die Zukunft retten.

Ulla Ellmer

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