Mittwoch, 23.10.2019

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Alkohol und Drogen: Abstinenz-Check vor der MPU

Lang und steinig: Der Weg zurück zum Führerschein - 26.09.2019 13:17 Uhr

Das geht gar nicht: Fahren unter Einfluss von zu viel Alkohol (Foto) oder Drogen. © ampnet/ADAC


"Schein weg" hämt der Volksmund, wenn ein Auto- oder Motorradfahrer wegen Alkohol- oder Drogenkonsums sein Fahrzeug für gewisse Zeit stehen lassen muss. Auch E-Roller-Benutzer oder Radfahrer kann es treffen.

Was die gefürchtete Sanktion betrifft, so gibt es allerdings einen wichtigen Unterschied. Noch einigermaßen glimpflich kommen jene Verkehrssünder davon, die nur mit einem Fahrverbot bedacht werden. Sie müssen ihren Führerschein für einen Zeitraum von ein bis drei Monaten abgeben. Anschließend können sie ihn wieder abholen und dürfen wie zuvor mit einem Kfz am Straßenverkehr teilnehmen.

Führerschein vernichtet

Wesentlich ernster stellt sich die Sache dar, wenn der Entzug der Fahrerlaubnis angeordnet wird. In diesem Fall wird der Führerschein eingezogen und (kostenpflichtig) vernichtet. Zu einer solch harten Strafe kommt es bei besonders schwerwiegenden oder "beharrlichen", also wiederholten Verstößen. Zu den sanktionierten Delikten gehört nicht nur das Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, sondern auch das Erreichen der Maximalzahl von acht Flensburg-Punkten oder beispielsweise Unfallflucht.

Nach Ablauf einer Sperrfrist bekommt der Delinquent die Fahrerlaubnis nicht einfach zurück, sondern er muss sie neu beantragen. Erst wenn die geforderten Auflagen erfüllt sind, wird ein neuer Führerschein ausgestellt.

Zu diesen Auflagen gehört in den meisten Fällen eine erfolgreich bestandene Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU). Wenn bei Alkoholsündern der Verdacht auf Alkoholabhängigkeit besteht, ist es wahrscheinlich, dass – um überhaupt zur MPU zugelassen zu werden – ein Nachweis der Abstinenz erbracht werden muss. Bei Drogenkonsum ist dies so gut wie immer der Fall.

Nachweis der Alkohol-Abstinenz

Um die Enthaltsamkeit in Sachen Alkohol zu überprüfen, gelangen zwei Methoden zum Einsatz. Die erste ist der Urintest, bei dem der Ethylglucuronid-Wert (EtG) bestimmt wird. Bei EtG handelt es sich um ein Abbauprodukt von Alkohol. Wird bei mehreren aufeinander folgenden Kontrollen kein EtG im Urin nachgewiesen, so ist dies ein Indiz dafür, dass in den Tagen vor der Kontrolle kein Alkohol konsumiert wurde. Die Abstinenzdokumentation für Führerscheinfragen erstreckt sich zumeist über ein halbes Jahr (vier Kontrollen) oder ein ganzes Jahr, dann mit sechs Kontrollen.

Ärztlicher Rat: Wer Medikamente einnimmt, sollte vor den Tests seinen Arzt konsultieren. © TÜV Süd


Alternativ kann auch eine Haaranalyse durchgeführt werden, allerdings nur drei Monate "rückwirkend" zur Alkoholabstinenz. Die Haare müssen mindestens drei Zentimeter lang sein und sich „im natürlichen Zustand“ befinden, keine Farbe also oder Dauerwelle. In Frage, so heißt es beim TÜV Süd, kommt die Haaranalyse für Personen, die bereits vor der Vereinbarung eines Abstinenz-Checks im Urin für einen längeren Zeitraum keinen Alkohol angerührt haben.

Betroffene, die regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten im Vorfeld der Tests das Gespräch mit ihrem Arzt suchen. "Oft enthalten Medikamente Alkohol, was sich im Test dann natürlich negativ auswirkt, obwohl der Betroffene keine alkoholhaltigen Getränke zu sich genommen hat", erklärt Andrea Häußler, Mitglied der Geschäftsleitung der TÜV Süd Life Service GmbH, die als "Begutachtungsstelle für Fahreignung" agiert.

Antreten zum Drogenscreening

Auch um einen drogenfreien Lebenswandel nachweisen zu können, sind Haaranalyse oder Urinprobe die gängigen Verfahren. Bei der Haaranalyse werden zwei etwa bleistiftdicke Haarstränge direkt am Haaransatz abgeschnitten. Um rückwirkend auf sechs Monate Abstinenz überprüft werden zu können, müssen diese Haarstränge sechs Zentimeter lang sein. Geht es um einen Zwölf-Monats-Check, entnehmen zugelassene Labore oder MPU-Stellen wie der TÜV im Abstand von sechs Monaten jeweils zwei sechs Zentimeter lange Haarproben.

Wird sanktioniert: Autofahren unter Einfluss von Cannabis. © DVR


Urinproben wiederum erfolgen in unregelmäßigen Zeitabständen, sie finden unvorhersehbar und kurzfristig statt. Die zu überprüfende Person wird erst einen Tag vor dem Test einbestellt, die Urinabgabe selbst erfolgt unter den Augen einer Aufsichtsperson. "Drogenscreenings, die für die MPU benötigt werden, brauchen Zeit", sagt Andrea Häußler. "Sie sind auf vier Kontrollen in sechs Monaten oder sechs Kontrollen in zwölf Monaten angelegt". Dieser Zeitraum sei nötig, um eine längere Abstinenz auch sicher beurteilen zu können.

Hohe Kosten

Der Abstinenz-Check ist mit happigen Kosten verbunden, die der Betroffene selbst tragen muss. Die Preise können je nach Anlaufstelle stark variieren, als grobe Richtwerte sind aber rund 55 Euro pro EtG-Urinscreening und 75 Euro pro Drogenscreening einzukalkulieren. Hinzu addieren sich noch mehrere hundert Euro für die MPU selbst sowie die Kosten für diverse Vorbereitungskurse, Beratungsgespräche und eventuell "empfohlene" Nachschulungen. Alles in allem kommen da schnell 2000 Euro zusammen. Nach schwerwiegenden Alkohol- und Drogenauffälligkeiten ist der Weg zurück zum Führerschein nicht nur lang und steinig, sondern auch teuer.

Ulla Ellmer

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