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Das Smartphone löst die Schlüsselfrage

Autoschlüssel: Blick zurück und in die Zukunft - 18.05.2019 13:47 Uhr

Der gute alte Autoschlüssel, wie man ihn jahrzehntelang kannte, wird wohl vom Smartphone abgelöst. © Bosch


Auto und Autoschlüssel - was heute so untrennbar zusammengehört, musste im Lauf der Geschichte erst zueinanderfinden. Bei den allerersten Automobilen galt das Starten des Motors noch als echte Herausforderung. So drehte der Auto-Pionier das Schwungrad des Antriebsaggregats direkt und mittels beherztem Eingriff in die Speichen an. Auch die Nachfolgetechnik der Anlasskurbel war keineswegs komfortabel und obendrein mit Verletzungsgefahr behaftet, denn das Teil konnte sehr ungnädig und schmerzhaft zurückschlagen.

Zehn Schritte, um zu starten

Heute kaum noch vorstellbar: Das aufwendige Prozedere, das um 1900 nötig war, um ein Auto in Arbeitsbereitschaft zu versetzen, umfasste nicht weniger als zehn Schritte. Kein Wunder, dass der Herrenfahrer diese in aller Regel einem kundigen Chauffeur überließ. Das Aktivieren der Zündung per Drehschalter war nur ein Punkt des komplizierten Vorgangs. Autoschlüssel? Davon konnte noch keine Rede sein. Die ersten Schlüssel fürs Schnauferl kamen erst 1910 auf. Sie bewahrten das Auto fortan vor Diebstahl, denn ohne Schlüssel war es nicht mehr so einfach möglich, den Stromkreis für die Zündung zu schließen. Die leidige Kurbelei blieb dem Fahrer aber nach wie vor nicht erspart.

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Vom Schlüssel zum Smartphone

Die allerersten Automobile hatten keinen Schlüssel, und auch in Zukunft werden die Fahrzeuge wohl ohne auskommen. Stattdessen gelangt das Smartphone zum Einsatz.


Erst um 1920 machte der Zünd-Anlass-Schalter das Leben des Automobilisten leichter, indem diese Technik nicht nur den Stromkreis schloss, sondern auch den Anlasser startete. Eine wahre High-Tech-Lösung, zumal sich das Lenkrad - Diebstahlschutz 2.0 - einrasten ließ, sobald der Schlüssel abgezogen wurde. Um das Auto von außen abzuschließen, war allerdings ein separater Schlüssel nötig.

Dieser Schlüssel ist aus Gold und wurde für den Mercedes SL von Königin Soraya angefertigt. © Bosch


Statussymbol und Schmuckstück

Der Autoschlüssel machte Karriere. Zum Statussymbol wurde er, oft auch zum wertvollen Schmuckstück. Königin Soraya von Persien klimperte in den 1950er Jahren mit dem goldenen Zündschlüssel ihres Mercedes-Benz 300 SL, das edle Teil wurde eigens für die Monarchin angefertigt. Bis heute leisten sich betuchte Autobesitzer sündhaft teure Luxusschlüssel und werden dabei beispielsweise von der Berliner Manufaktur Noblekey bedient.

Mit einem einzigen Schlüssel fürs Auto war es lange Jahre nicht getan. Am Schlüsselbund drängte sich ein Schlüssel für die Zündung, ein weiterer fürs Türschloss und ein dritter für den Tankdeckel. Zeitweise addierten sich da noch spezielle Schlüssel für den Kofferraum oder die Beifahrertür hinzu. In den 1960er Jahren etablierte sich zumindest die Möglichkeit, das Auto mit einem Schlüssel aufzusperren und zu starten. Und die Autohersteller nahmen die Gelegenheit wahr, den Autoschlüssel als "Visitenkarte" zu verwenden, indem sie ihn mit ihrem Markenemblem schmückten.

Einladung an Diebe

Speziell die Älteren unter uns werden sich noch an diverse Schließ- und Schloss-Dramen rund ums Auto erinnern. Ein gängiges Malheur war es beispielsweise, den Schlüssel mittels Druck aufs Türknöpfchen im Auto ein- und sich selbst auszusperren. Ein weiteres Unheil ergab sich durch das Versehen, die Beifahrertür unverschlossen zu lassen - ein Umstand, den sich Diebe dankbar zunutze machten. Entsprechend euphorisch wurde Mitte 1990er Jahre die Zentralverriegelung begrüßt - fortan genügte ein Dreh am Türschloss, um das Auto rundum zu ent- bzw. versperren.

Hilft bei der Suche nach dem Fahrzeug: Autoschlüssel mit Funkfernbedienung. © Bosch/Sirichai/Adobe Stock


Das war aber noch nicht alles. Einen weiteren Komfortgewinn markierten die ersten Funkfernbedienungen, die das Auto per elektronischem Signal entriegelten. Angenehmer Nebeneffekt: Auch dem wird geholfen, der sein Gefährt auf einem großen Parkplatz nicht gleich wiederfindet - denn den Druck auf die Fernbedienung quittiert der Wagen bekanntermaßen mit freundlichem Blinken.

Schlüsselloser Zugang

Schließlich kam "Keyless Go", der schlüssellose Zugang, mit dem in aller Regel auch der einfache Motorstart per Knopfdruck verbunden war. Ein erster Abschied von Zündschlüssel und Zündschloss zeichnete sich ab. Überhaupt begann sich das, was früher ein Autoschlüssel war, in einen puren Signalgeber zu verwandeln, der Scheckkartengestalt einnehmen konnte (Renault) oder aber (Display-Key von BMW) wie ein Mini-Tablet aussah.

Bald stellte es sich aber heraus, dass die praktischen Keyless-Schließsysteme auch handfeste Nachteile haben. Das sah dann so aus, dass sich Diebe hinterlistig auf die Lauer legten, um in einem sekundenschnellen Hackerangriff die digitalen Codes abzufangen. Ein umprogrammierter Zweitschlüssel öffnete das Auto dann nicht nur, sondern ermöglichte gleichzeitig den Motorstart.

Auch diese Anfälligkeit für kriminelle Attacken ist ein Grund, warum die jahrzehntelange Ehe zwischen Auto und Autoschlüssel wohl bald geschieden wird - und zwar vom Smartphone. Der Zulieferer Bosch beispielsweise hat ein System ("Perfectly Keyless") entwickelt, das via App funktioniert und gleichsam als virtueller Autoschlüssel dient.

Persönlicher Fingerabdruck

Fest im Auto verbaute Sensoren identifizieren das Smartphone des Besitzers, laut Bosch funktioniert das so zielsicher, als wär's ein persönlicher Fingerabdruck. Im Unterschied zu konventionellen Keyless-Systemen wird Bluetooth als Übertragungstechnologie genutzt, die Signale können somit nicht abgefangen werden. Weiterer Vorteil: Wenn das Smartphone verlorengeht, lässt sich der digitale Schlüssel unkompliziert online sperren. Zudem kann das Auto (zeitlich begrenzt) auch für andere Nutzer freigeschaltet werden, ein Umstand, den sich heute schon Carsharinganbieter zunutze machen.

Und nicht zuletzt ist künftig wohl die leidige Suche nach dem Autoschlüssel passé - was untrennbar zusammengehört, muss oft auch heute noch mühsam zusammenfinden.

Ulla Ellmer 

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