22°

Donnerstag, 09.04.2020

|

zum Thema

Ein Klassiker feiert: Alles Gute zum Geburtstag, Golf!

Rückblick auf 45 Jahre VW Golf – Elektrischer Cousin kommt - 31.03.2019 17:37 Uhr

Generation I: 1974 begann mit dem ersten Golf eine neue Epoche in Wolfsburg. © Hersteller


Kaum ein anderes Datum ist in der Volkswagen-Geschichte wohl mit so viel Spannung erwartet worden wie der 29. März 1974. Es ging um viel: Der brandneue Golf sollte den Käfer beerben, eine Legende auf Rädern, die das Wirtschaftswunder motorisiert und sich mit seinem Charme weltweit in die Herzen der Autokäufer gefahren hatte.

Das Käfer-Konzept aber hatte sich überholt. Komplett veraltet war die Kombination aus Heckmotor und Luftkühlung, zu risikobehaftet die nicht vorhandene Knautschzone, zu gefährlich die Positionierung des Tanks vorne - und viel zu hoch der Spritverbrauch. Jeder, der noch einen Käfer gefahren hat, erinnert sich mit Grausen an jene 13 bis 14 Liter, die der Boxermotor pro 100 Kilometer zum Leben brauchte. Als 1973 die erste Ölkrise das Land heimsuchte, wurden solche Spritverbräuche indiskutabel.

Bilderstrecke zum Thema

Happy Birthday: Der VW Golf wird 45

Der Golf ist der Volkswagen schlechthin. Er hat eine eigene Klasse (Golf-Klasse) begründet, eine Generation (Generation Golf) trägt seinen Namen. Vor 45 Jahren hat der Wolfsburger Kompakte seine beispiellose Karriere begonnen, 1974 hatte er das Erbe des legendären Käfers anzutreten. Sieben Generationen Golf in der Bilderstrecke:


Doch würde es der Golf mit seinem komplett anderen Konzept – quer eingebauter, wassergekühlter Frontmotor, Frontantrieb, Heckklappe - schaffen, den Erfolg des Käfers auch nur annähernd zu erreichen? Heute wissen wir: Ja, er hat es geschafft – und den Vorgänger im Juni 2002 sogar übertrumpft. Schon der Start verlief überraschend fulminant: Gleich 1974 übernahm der Golf die Spitzenposition in der deutschen Zulassungsstatistik. Bis heute hat er sie nicht mehr hergegeben; nur im Jahr 1980 konnte der Mercedes W 123 – Vorläufer der heutigen E-Klasse – die Vormachtstellung vorübergehend an sich reißen.

Rückblickend sind in den letzten 45 Jahren stolze 35 Millionen "Gölfe" gekauft worden. Das heißt, dass rein rechnerisch tagtäglich alle 41 Sekunden irgendwo auf der Welt ein neuer Golf bestellt wird und durchschnittlich pro Jahr 780.000 Exemplare vom Band laufen. So wie einst der Käfer gilt inzwischen der Golf als der Volks-Wagen schlechthin. "Der Golf ist das Herz unserer Marke", sagt Ralf Brandstätter, Chief Operating Officer bei Vokswagen.

Bilderstrecke zum Thema

Ente, Käfer und Co.: Diese Autos wurden zu Legenden

Sie bewegten Millionen wie der Opel Kadett und der VW Käfer. Oder sie kosten Millionen wie heute der Mercedes-Benz 300 SL "Flügeltürer". Während die meisten Automodelle irgendwann sang- und klanglos aus dem Straßenbild verschwinden, avancieren andere zu absoluten Kultmobilen. Wir haben die 30 legendärsten Kultautos der letzten Jahrzehnte zusammengestellt.


Inzwischen ist bereits die siebte Generation Golf auf den Straßen unterwegs. Dabei haben die Designer von Giorgio Giugiaro (Golf I) bis Klaus Bischoff (Golf VII) das Kunststück hinbekommen, den Golf von Modellwechsel zu Modellwechsel nur unmerklich zu modifizieren – und ihn doch über die Jahrzehnte hinweg ganz nachhaltig zu verändern.

Golf I: Kürzer als der heutige Polo

Gerade einmal 3,70 Meter maß der erste Golf in der Länge. Zum Vergleich: Heute wird dies sogar von einem Polo (4,05 Meter) übertroffen. Schon 1974 hatten Kunden – wieder ein Vorteil gegenüber dem Käfer – die Wahl zwischen einem Golf Zwei- und Viertürer. Der Kofferraum fasste damals 300 Liter (Golf VII: 380 Liter).

Zwei Vierzylinder-Benziner wurden angeboten: Ein 1,1-l-Motor mit 37 kw/50 PS und eine 1,5-l-Maschine mit 51 kW/70 PS. Immerhin konnten sich Käufer schon damals eine Dreigang-Automatik als Alternative zum manuellen Viergang-Schaltgetriebe aussuchen.

Sieben Generationen Golf: In 45 Jahren ist der Bestseller über 35 Millionen Mal gekauft worden. © Hersteller


In der Spitze schaffte der 50-PS-Golf 140 km/h, die 70-PS-Variante brachte es gar auf 160 km/h. Bei den Ausstattungsvarianten blieb die Auswahl begrenzt: Den "kleinen" Golf gab es als Basismodell und als Golf L, das stärkere Modell war als Golf S und Golf LS zu haben.

Wurde zum Überraschungserfolg: Der erste Golf GTI debütierte 1976. © Hersteller


Vom GTI bis zum Country Golf

Im Laufe seiner Geschichte hat der Golf allerlei Derivate bekommen. Den stilprägenden Sportler GTI (1976) und dessen Turbodiesel-Pendant GTD (1982) beispielsweise. Außerdem die Stufenheckvariante Jetta (1979), den Pick-up Caddy (1979) und den Kastenwagen gleichen Namens (1995), ferner den allradgetriebenen Golf Country (1990) als Urvater aller Kompakt-SUVs, den Kombi "Variant" (1993) oder das Hochdach-Modell Golf Plus (2005).

Cousins: Golf VIII und I.D. Neo

Zu Ende geschrieben ist die Golf-Geschichte noch lange nicht. Sie geht noch in diesem Jahr weiter, wenn der Golf VIII auf der Frankfurter IAA Premiere feiert und Ende des Jahres auf den Markt kommt. Das ist besonders spannend, weil ebenfalls noch 2019 der elektrische Cousin I.D. Neo präsentiert werden soll. Dessen Markteinführung dürfte man in Wolfsburg mit ebenso viel Spannung entgegensehen wie einst der des ersten Golf.

Ulla Ellmer

1

1 Kommentar

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Auto