Dienstag, 10.12.2019

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Fahrbericht Mercedes V 300d: Raumschiff mit Stern

Üppiges Platzangebot – Kraftvoller Diesel – Luxuriöses Ambiente - 13.11.2019 18:28 Uhr

Mercedes V 300d: Luxuriöser Raumgleiter mit Platz für sechs bis acht Mitreisende. © Hersteller


Wie er aussieht: Die elegante V-Klasse trägt den klassischen Großraumlimousinen-Look: Aerodynamisch angeschrägte Front, Schiebetüren (ausstattungsabhängig elektrisch) und, der Raumökonomie wegen, ein steiles Heck, zugänglich über eine große Klappe. Der von silbernen Lamellen umgebene Stern im Kühlergrill dokumentiert die Zugehörigkeit zur Mercedes-Familie. Das Raumschiff wird in drei Längen angeboten: Kompakt (4,90 Meter lang), Lang (5,14 Meter) und Extralang (5,37 Meter). Wir haben uns die gern gekaufte mittlere Version näher angesehen.

Wie er eingerichtet ist: Auf Business-Class-Level, feiner kann man in dieser Größenordnung kaum reisen. Im "Avantgarde"-Modell gibt es serienmäßig bequeme Ledersitze, bei denen weitere Feinheiten allerdings extra bezahlt werden müssen - Sitzklimatisierung (1364 Euro) etwa, Drehfunktion (820 Euro), Lordosenstütze (131 Euro) oder die elektrische Verstellmöglichkeit samt Memory-Funktion (2639 Euro).

Elegant, aber in digitaler Hinsicht nicht auf dem neuesten Stand: Das MBUX-Multimediasystem fehlt. © Hersteller


Die Standard-Sitzkonfiguration sieht sechs Einzelsitze in drei Sitzreihen vor, alternativ ist die V-Klasse auch als Achtsitzer zu ordern, und wer auf Reisen schon mal die Nachtruhe im Van verbringt, kann ein Häkchen beim Liegepaket (1052 Euro) setzen, dann wird die Dreiersitzbank zur Komfortliege. Auch ein Tisch ist als Extra zu installieren.

So luxuriös das Interieur mit weichem Leder, edlen Hölzern, feiner Auslegeware und Burmester-Surround-Soundsystem auch anmutet – der Blick auf den Armaturenträger mit den charakteristischen "Turbinenöffnungen" der Luftauslässe enttäuscht. Klar: Die Instrumentierung ist übersichtlich, an der Bedienbarkeit und der obligatorischen Mercedes-Qualität gibt es nichts auszusetzen. Das topmoderne MBUX-Infotainment, das inzwischen sogar der Nutzfahrzeug-Kollege Sprinter bekommen hat, bleibt der V-Klasse aber verwehrt. Kein "Hey Mercedes" also, keine Cinemascope-Landschaft eines superbreiten Doppelbildschirms, und auch kein Head-up-Display. Damit gerät die V-Klasse gegenüber dem ewigen Dauerrivalen von VW ins Hintertreffen, denn der hat nach seinem Update zum T6.1 inzwischen ein digitales Cockpit zu bieten.

Wie viel Platz er hat: Überreichlich. Der Kofferraum variiert je nach Bestuhlung zwischen 610 und 1410 Litern. Die vier Fondsitze besitzen umklappbare Lehnen, sie sind bequem auf Schienen längs zu verschieben und – nicht ganz so bequem – auszubauen. Wie bei anderen Raum-Riesen auch lassen sich die Sessel nicht im Wagenboden versenken, es erfordert schon eine gewisse Muskelkraft, die soliden Teile herauszunehmen und extern zu lagern. So zwischendrin und nebenbei macht man das nicht. Leergeräumt bietet die V-Klasse aber die räumlichen Möglichkeiten eines veritablen Kleintransporters. Unter der (elektrisch) geöffneten Heckklappe müssen großgewachsene Mitmenschen allerdings einen Tick den Kopf einziehen.

Praktisch: Der Zustieg erfolgt über Schiebetüren, von denen die linke beim Basismodell allerdings nicht Serie ist. © Hersteller


Was ihn antreibt: Der 176 kW/239 PS starke Zweiliter-Biturbo-Diesel ist der Topmotor im Programm. Kein Sechszylinder, nur vier Töpfe, was aber kein Mangel ist. Das unter dem internen Begriff „OM 654“ laufende Triebwerk ist eine kultivierte Antriebsquelle, deren Selbstzünder-Identität man trotz guter Dämmung zwar etwas heraushört, die aber akustisch nie nervig in den Ohren liegt und – sieht man einmal von einem kleinen Durchhänger im unteren Drehzahlbereich ab – kraftvoll und anstrengungsfrei bis auf das Spitzentempo von 220 km/h beschleunigt. Zusätzlich zu den satten 500 Newtonmetern Drehmoment greifen beim Sprinten kurzfristig weitere 30 Newtonmeter (Overtorque) unter die Arme. Serienmäßig ist der Biturbo mit einer perfekt abgestimmten Neungangautomatik verbunden.

Wie er sich fährt: Ganz und gar nicht so sperrig, wie die üppigen Abmessungen und das hohe Gewicht von fast 2,2 Tonnen argwöhnen lassen. Für ein so großes Gefährt lässt sich die V-Klasse bemerkenswert easy handeln, auch die präzise Lenkung unterstützt das agile Fahrgefühl. Die Fahrwerksabstimmung schafft souverän den Spagat zwischen komfortabel einerseits und straff andererseits, der V-Mercedes hat sich stets bestens im Griff. Selbst in der Stadt fühlt man sich nicht fehl am Platz, wenn die schiere Länge bei der Parkplatzsuche auch Grenzen setzt. Rückfahr- und 360-Grad-Kamera erleichtern das Rangieren, wie überhaupt elektronische Helfer im Format des Park-Assistenten, des Seitenwind-Assistenten, des Fernlicht-Assistenten Plus (schaltet die Fernlicht-Module der LED-Scheinwerfer partiell aus) oder des Abstandsregeltempomaten Distronic Plus das Leben mit dem Raum-Riesen erleichtern.

Was er verbraucht: Eine zügige, wenn auch nicht tempobolzende Autobahnfahrt stellte der V 300d mit 8,3 l/100 km in Rechnung, Mäßigung am Gaspedal wurde mit 6,4 l belohnt. Schnitt: 7,7 l/100 km.

Nur als Diesel: Von den drei angebotenen Selbstzündern ist die 239-PS-Maschine im V 300d der Topmotor. © Hersteller


 

Was er mitbringt: Serienmäßig unter anderem 9-G-Automatik, Tempomat, Klimaanlage, beheizte Außenspiegel, Regensensor, Audioanlage mit Bluetooth-Schnittstelle, Sieben-Zoll-Farbdisplay, Seitenwind-Assistent und Aufmerksamkeits-Assistent. Beim von uns gefahrenen "Avantgarde Edition"-Modell kommen beispielsweise eine separat zu öffnende Heckscheibe, beidseitige und elektrisch zu betätigende Schiebetüren, Leichtmetallräder, das intelligente Lichtsystem mit LED-Scheinwerfern, Klimaautomatik, Burmester-Surround-Soundsystem und Comand-Online mit Navi und Verkehrszeichen-Assistent hinzu. Allzu vieles wird aber noch extra berechnet, dass selbst der Posten "DAB Radio" mit 526 Euro zu Buche schlägt, sollte in dieser Preisklasse eigentlich nicht sein.

Was er kostet: Ab 55.454 Euro, als „Avantgarde Edition“ ab 66.164 Euro. Unser umfangreich ausgestatteter Testwagen kam auf 75.254 Euro.

Was wir meinen: Der V 300d ist für Kunden mit hohem Platzbedarf ein überzeugendes Angebot. Generös das Raumangebot, bestens die Variabilität mit ausbaubaren Sitzen. Der Top-Diesel ist eine ebenso kultivierte wie kraftvolle Antriebsquelle, die auch an der Tankstelle nicht arm macht. In digitaler Hinsicht und bei der Cockpitgestaltung befindet sich der große Mercedes aber nicht auf dem neuesten Stand. Und angesichts des hohen Preises müssen Käufer gut bei Kasse sein.

Ulla Ellmer

Die Daten des Mercedes V 300d lang:

Hubraum 1950 ccm, Zylinder 4, Leistung 176 kW/239 PS bei 4200/min, max. Drehmoment 500 (+30) Nm bei 1600 - 2400/min, Spitze 220 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h in 7,9 sec, Normverbrauch innerorts 6,7 - 6,4, außerorts 5,7 – 5,6, kombiniert 6,1 – 5,9 l D pro 100 km, Testverbrauch 7,7 l x/100 km, CO2-Emission 161 - 155 g/km, Schadstoffklasse Euro 6d-Temp, Energie-Effizienzklasse A, Länge 5,14 m, Breite 1,93 m, Höhe 1,88 m, Kofferraum 610 - 1410 l, Kraftstoff-Tank 57 l, AdBlue-Tank 24 l, Leergewicht 2152 kg, zulässiges Gesamtgewicht 3200 kg, Zuladung 1038 kg, Anhängelast 2500 kg (gebremst), 750 kg (ungebremst). 9-G-Automatik, Heckantrieb. Versicherungs-Typklassen 23 (KH), 26 (VK), 24 (TK). Preis ab 55.454 Euro.

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