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Donnerstag, 21.01.2021

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Fahrbericht: Nissan Juke 1.0 DIG-T DCT

City-Crossover – Eigenwilliges Design – Dreizylinder mit 117 PS - Mit Doppelkuppler ab 23.790 Euro - 13.01.2021 20:06 Uhr

Nissan Juke: Er teilt sich die Plattform mit dem Konzernbruder Renault Captur.

13.01.2021 © Hersteller


Wie er aussieht: Als Nissan seinen kleinen Crossover im Jahr 2010 auf den Markt brachte, polarisierte er heftig. Der Juke sei ja wohl ein Joke, belustigte man sich über die skurrile Rundlichkeit, mancher Betrachter sah sich beim Blick in die glubschigen Scheinwerferaugen gar an einen Frosch auf Rädern erinnert. Dennoch wurde der Juke für Nissan zum Überraschungserfolg, insgesamt hat er sich rund 1,5 Millionen Mal verkauft.

Vielleicht ist der kleine Crossover einfach seiner Zeit voraus gewesen. Hinzu kommt, dass sich die seit Herbst 2019 verkaufte zweite Generation mit ihrer coupéhaften Silhouette, der hohen Schulterlinie und den in die breite C-Säule integrierten Fond-Türgriffen zwar nach wie vor eigenwillig, aber deutlich weniger extrovertiert zeigt. Und so wurden wir auf unseren Wegen mit dem 4,21 Meter langen Juke kaum von befremdeten Blicken verfolgt.

Wie er eingerichtet ist: Konservativer als es das nach wie vor mutige Karosseriedesign vermuten lässt. Zwischen zwei klassischen Rundinstrumenten positioniert Nissan ein kleines, verschiedenfach belegbares Digitaldisplay; mittig auf dem Armaturenträger thront ein Acht-Zoll-Touchscreen, unter dem sich diverse Direkttaster sowie ein Trio voluminöser Lüftungsdüsen im Mercedes-Stil einfinden.

Ab dem zweiten Ausstattungslevel "Acenta" gelangt das Smartphone via Apple CarPlay und Android Auto an Bord. Das macht es verschmerzbar, dass das günstige TomTom-Navi (490 Euro) erst für die nächsthöhere Variante "N-Connecta" erhältlich ist, die – dann serienmäßig - auch Online-Dienste wie Google Assistant oder einen WLAN-Hotspot bietet. Und die Nissan Connect-App, über die sich der Juke finden, ferngesteuert ver- und entriegeln sowie mit Routenplänen versorgen lässt.

Unkompliziert zu bedienen: In multimedialer Hinsicht gibt sich der Juke gut zugänglich.

13.01.2021 © Hersteller


Als unerlässliches Instrument erweist sich die ab "Acenta" mitgelieferte Rückfahrkamera, denn die Sicht nach hinten fällt - bedingt durch die schmale Heckscheibe – miserabel aus. Noch hilfreicher ist die im Topmodell "Tekna" obligatorische 360-Grad-Rundumsicht.

Lob verdienen Materialauswahl, Softtouch-Oberflächen, Verarbeitungsqualität sowie die bequemen Sportsitze. Und die verlässliche Verkehrszeichenerkennung, mit der Nissan schon den Basis-Juke "Visia" ausstattet.

Gerne gelauscht haben wir dem Bose-Soundsystem, die Investition von 600 Euro dürfte Musikliebhaber nicht reuen.

Wie viel Platz er hat: Ordentlich. Dass im Fond trotz objektiv guter platztechnischer Voraussetzungen kein wirklich üppiges Raumgefühl aufkommt, hat mit der weit nach oben gezogenen Gürtellinie des Juke zu tun. Das 422 bis 1305 Liter große Gepäckabteil ist der Urlaubsreise und dem Wochenendeinkauf gewachsen, drei über die –nicht allzu hohe Ladekante – gewuppte Getränkekisten konnten wir komfortabel nebeneinander stellen. Nach Umklappen der Rücksitzlehnen ergibt sich eine völlig ebene Ladefläche, ein weiterer Pluspunkt in Sachen Praktikabilität.

Keine Qual der Wahl: Für den Juke gibt es nur eine einzige Motorisierung - die aber optional mit Doppelkupplungsgetriebe.

13.01.2021 © Hersteller


Was ihn antreibt: Ein 86 kW/117 PS starker Einliter-Dreizylinder-Benziner mit schmalen 180 Newtonmetern Drehmoment. Er markiert die einzige Antriebsquelle, die für den Juke zur Verfügung steht. Das ist insofern schade, als der kleine Turbo ganz und gar nicht das "quirlige Ansprechverhalten" zeigt, das Nissan in seiner Produktbeschreibung anpreist. De facto ist der Dreiender ein recht träger Partner. Vor allem die Kooperation mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DCT, 1700 Euro) funktioniert suboptional. Beim Anfahren braucht der Juke, bis er aus den Puschen kommt, wir glaubten zunächst an eine nicht gelöste Parkbremse. Die verzögerte Gasannahme kann vor allem Rangiermanöver, bei denen Feingefühl gefragt ist, zum Problem machen. Einmal in Fahrt, wird der Juke über die automatischen Schaltvorgänge nicht adäquat mit lebensbejahenden Drehzahlen versorgt. Abhilfe schaffen höchstens die Schaltwippen am Lenkrad (Serie ab "Acenta").

Wie er sich fährt: Eine Karriere als Sportwagen ist dem Juke nicht vorherbestimmt worden. Im Zusammenspiel mit der direkten Lenkung und dem Fahrwerk, das eine leichte, aber nicht unangenehme Tendenz zur Härte zeigt, bereitet er dennoch auch in Kurven Freude, agil und handlich flitzt er um die Ecke.

Im Hintergrund wachen je nach Ausstattung beziehungsweise Investitionsbereitschaft des Kunden allerlei Assistenzsysteme – der Notbremsassistent mit Fußgänger- und Radfahrererkennung beispielsweise, der Spurhalte-, Querverkehrs und Totwinkelassistent oder der Fernlichtassistent. Kein üblicher Beifahrer in diesem Segment ist der ans Doppelkupplungsgetriebe gebundene ProPilot, der unter anderem die Dienste eines Stauassistenten samt Stop-and-Go-Funktion mit denen eines Lenkassistenten für automatisches Spur- und Abstandhalten vereint.

Allradantrieb gibt es nicht.

Was er verbraucht: 6,1 bis 6,4 l/100 km verspricht das Datenblatt. In der Praxis hat sich der Juke da deutlich durstiger gezeigt. Als Schnitt haben wir 7,8 l/100 km notiert. Das ist nicht eben wenig.

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Nissan Juke: Weniger Mainstream wagen

Als der erste Nissan Juke im Jahr 2010 an den Start fuhr, hatte er das Segment der City-Crossover weitgehend für sich. Inzwischen gibt es mehr von seiner Sorte. Unter seinen Artgenossen fällt der Japaner aber auch in zweiter Generation noch mit einem Design auf, das sich abseits des Mainstreams bewegt. Nicht minder eigenwillig zeigt sich der Juke beim Antrieb, denn er steht ausschließlich in einer einzigen Motorvariante zur Verfügung.


Was er bietet: Nissan zeigt sich spendabel und stattet das Basismodell "Visia" unter anderem mit Audiosystem, Bluetooth-Schnittstelle, Tempomat, Verkehrszeichenerkennung, Klimaanlage, Voll-LED-Scheinwerfern und den erwähnten Assistenten für Notbremsen und Spurhalten aus. Im "Acenta" kommen die Rückfahrkamera und Infotainment hinzu. Aluräder, Fahrerinformationssystem, Connect-Service, Regen- und Einparksensoren sowie Klimaautomatik halten ab "N-Connecta" Einzug, während das Topmodell "Tekna" mit allen Fahrassistenten inklusive ProPilot, Around-View-Monitor und Sitzheizung praktisch komplett ausgestattet ist. Eine ellenlange Ausstattungsliste hält auch das derzeit erhältliche Sondermodell "Enigma" vor.

Eigenwilliger Charakter: Der Juke gehört zu den auffälligsten Vertretern seines Segments.

13.01.2021 © Hersteller


Was er kostet: Als Basismodell "Visia" mit manuellem Sechsganggetriebe ab 19.990 Euro. Das DCT-Doppelkupplungsgetriebe gibt es erst ab "Acenta", macht dann mindestens 23.790 Euro. Das Sondermodell "Enigma" kommt auf 26.430 bzw. 28.130 Euro (DCT).

Was wir meinen: Wer kein City-SUV von der Stange möchte, ist mit dem charakterstarken Nissan Juke gut bedient. Punkten kann er bei Platzangebot, Qualitätsanmutung, Fahrverhalten sowie bei den Sicherheitsfeatures. Wünschenswert wäre aber eine Alternative zu dem lustlosen Antrieb.

Ulla Ellmer

Die Daten des Nissan Juke 1.0 DIG-T DCT

Hubraum 999 ccm, Zylinder 3, Leistung 86 kW/117 PS bei 5250/min, max. Drehmoment 180 Nm bei 1750 - 4000/min, Spitze 180 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h in 11,1 sec, Normverbrauch 6,1 – 6,4 l S/100 km, Testverbrauch 7,8 l S/100 km, CO2-Emission 138 - 145 g/km, Schadstoffklasse Euro 6d-Temp, Energie-Effizienzklasse B, Länge 4,21 m, Breite 1,80 m ohne, 1,98 m mit Außenspiegeln, Höhe 1,60 m, Kofferraum 422 - 1305 l, Kraftstoff-Tank 46 l, Leergewicht 1182 kg, zulässiges Gesamtgewicht 1725 kg, Anhängelast 1250 kg (gebremst), 648 kg (ungebremst). 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Frontantrieb. Versicherungs-Typklassen 18 (KH), 18 (VK), 18 (TK). Preis ab 23.790 Euro.

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