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Samstag, 19.10.2019

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Ganz schön schön: Peugeot 508

Im Fahrbericht: Peugeot 508 BlueHDI 180 - 11.04.2019 16:25 Uhr

König der Löwen: Die elegante Coupé-Limousine 508 ist das Flaggschiff der "Löwenmarke" Peugeot. © Hersteller


Wie er aussieht: Gäbe es in der automobilen Mittelklasse einen Schönheitspreis zu vergeben, so wäre der Peugeot 508 ein heißer Anwärter. Das neue Flaggschiff der Franzosen ist eine elegante Coupé-Limousine von 4,75 Metern Länge geworden, nach der sich allerorten die Köpfe drehen. Rahmenlos die Türen, kurz die Überhänge, sportlich abgeschrägt die Dachlinie, die in ein edel gezeichnetes Heck mündet, das zweifellos die Schokoladenseite des 508 markiert.

Wie er eingerichtet ist: Auch bei der Interieurgestaltung hat Peugeot viel Wert auf Schick gelegt. Geschmackvoll die Materialauswahl - in den höheren Ausstattungsvarianten Leder, Klavierlack und feine Hölzer -, tipptopp die Verarbeitungsqualität, bestens die Sitze, die auf Wunsch mit AGR-Gütesiegel (Aktion Gesunder Rücken) und Massagefunktion angeboten werden. Und das personalisierbare, in sechs verschiedenen Einstellungen zu konfigurierende Kombiinstrument mit seinen modernen Grafiken ist ein tolles Teil.

Wie er mit sich umgehen lässt: Das, was Peugeot i-Cockpit nennt, muss man mögen. Es polarisiert, die einen finden es ultracool, die anderen haben ihre Probleme damit. Hier hilft nur eines: Ausprobieren!

Geschmackssache: Das i-Cockpit mit weit dem weit herabgesetzten und ultrakleinen Lenkrad. © Hersteller


Alsdann: Das ultrakleine, unten abgeflachte Lenkrad ist verhältnismäßig weit unten positioniert. Intention: Die Instrumentierung soll über, nicht hinter dem Lenkrad liegen, direkt im Blickfeld des Fahrers also. Das mag in der Theorie gut gemeint sein. Wir fanden aber, dass - je nach Sitzposition - die Anzeigen teilweise verdeckt werden. Nicht gut. Deshalb hätten wir uns durchaus ein Head-up-Display gewünscht, das für den 508 aber nicht angeboten wird.

Unter dem zentralen, in den höheren Ausstattungsversionen zehn Zoll großen Touchscreen sitzt eine Batterie aus sieben Kippschaltern, die direkten Zugang zu Funktionen wie Radio, Klimaanlage oder Navi ermöglichen. Fein, so muss nicht alles "ertoucht" werden.

Wie viel Platz er hat: Dass Fahrer und Beifahrer von einer schicken, aber wuchtigen Mittelkonsole getrennt werden, tut dem Raumgefühl nicht unbedingt gut. Als Familienlimousine und für den Sonntagsausflug zu viert taugt der 508 aber ohnehin nur bedingt. Die schöne Schräge schränkt die Kopffreiheit im Fond ein, und auch der Nutzwert des 487 bis 1537 Liter großen Kofferraums wird beeinträchtigt.

Auf den ersten Blick wirkt das Gepäckabteil zwar eindrucksvoll groß. Wer aber versucht, Sperrgut wie einen größeren Karton unterzubringen, stößt schnell an seine Grenzen. Praktischerweise gibt es aber eine Durchlademöglichkeit, und auch die Rückbank lässt sich (im Verhältnis 60:40) umklappen.

Was ihn antreibt: Zur Mission des 508 gehört es, sich als Langstrecken-Limousine seine Meriten zu verdienen und somit auch Flottenkunden anzusprechen. Dazu passt der große Zweiliter-Vierzylinder-Diesel, der die Kraft seiner 130 kW/177 PS an die Vorderachse schickt. Gleich vorweg: Ja, der Selbstzünder erfüllt Euro 6d-Temp und ist somit zukunftssicher. Akustisch verbirgt er seine Identität geschickt, er macht hinsichtlich der 1,6 Tonnen, die es zu bewegen gilt, einen guten Job, beschleunigt die Limousine in 8,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h.

Schokoladenseite: Dem Hintermann zeigt sich der 508 die schönste Perspektive. © Hersteller


Wie er sich fährt: Zu den großen Stärken des 508 zählt der feine Fahrkomfort, selbst auf geflickten Landsträßchen und auf Kopfsteinpflaster bewahrt sich der Franzose seinen eleganten Sanftmut. Erst wenn per Fahrmodusschalter auf "Sport" geswitcht wird, ändert sich das, diese Einstellung steht dem 508 nicht wirklich gut, eher ungnädig ruppig geht er dann zur Sache. Stets sanft, schnell und effektiv sortiert indes eine Achtgangautomatik die Gänge, serienmäßig im Übrigen.

Unter den vielerlei Assistenzsystemen sind der automatische Geschwindigkeitsregler mit Stop&Go-Funktion und das neue Nachtsichtsystem "Night Vision" hervorzuheben, das Passanten und Radfahrer mittels Infrarotkamera im Kombiinstrument abbildet, für unseren Geschmack allerdings etwas spät.

Wie viel er verbraucht: Das hängt von der Fahrweise ab. Der Normwert (4,7 l/100 km) blieb für uns unerreichbar, im Schnitt kamen wir auf 6,6 l, kein überragender, aber doch ordentlicher Wert.

Was er bietet: Dem Top-Diesel ordnet Peugeot ausschließlich das Top-Level "GT" zu, was schon fast Vollausstattung bedeutet - von der Zweizonen-Klimaautomatik über das 3D-Navi, die AGR-Sitze, die Rückfahrkamera und die Automatik bis hin zum Focal-Soundsystem sowie dem Full-LED-Paket.

Was er kostet: Ab 46.850 Euro.

Was wir meinen: Der Peugeot 508 ist eine ungewöhnlich schöne, sehr gut verarbeitete Coupé-Limousine mit ausgeprägtem Talent für die komfortable Langstrecke. Wer über kleinere Schwächen hinwegsieht und sich mit dem extravaganten i-Cockpit anfreunden kann, bekommt zum fairen Preis ein bestens ausgestattetes Auto, das nicht jeder fährt.

Ulla Ellmer

Die Daten des Peugeot 508 GT Blue HDi 180 EAT8

Hubraum 1997 ccm, Zylinder 4, Leistung 130 kW/177 PS bei 3750/min, max. Drehmoment 400 Nm bei 2000/min, Spitze 235 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h in 8,3 sec, Normverbrauch innerorts 5,9, außerorts 3,9, kombiniert 4,7 l D pro 100 km, Testverbrauch 6,6 l D/100 km, CO2-Emission 124 g/km, Schadstoffklasse Euro 6d-Temp, Energie-Effizienzklasse A, Länge 4,75 m, Breite 1,91 m ohne, 2,08 m mit Außenspiegeln, Höhe 1,40 m, Kofferraum 487 bis 1267 l, Tank 46 l, Leergewicht 1301 kg, zulässiges Gesamtgewicht 1537 kg, Zuladung 517 kg, Anhängelast 1800 kg (gebremst), 750 kg (ungebremst). 8-G-Automatik, Frontantrieb. Versicherungs-Typklassen 20 (KH), 24 (TK), 24 (VK). Preis ab 46.850 Euro.

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