Dienstag, 15.10.2019

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Heimliche Hauptdarsteller

Vom Citroën Traction Avant bis zum Bluesmobile - 08.07.2019 18:55 Uhr

Protagonisten der Unterwelt: Hier spielt der Deutsch-Schweizer Ludwig Leyerseder die Rolle des Gangsterbosses. Der standesgemäße Wagen - ein Bentley MK VI von 1955 - ist mehr als nur Beiwerk. © Marc Reidy/Schweiz


Borsalino, filterlose Fluppe im Mundwinkel, dunkler Anzug, schwarzer Citroën Traction Avant – das war die Kombination schlechthin, die in Gangsterfilmen früherer Machart zum Repertoire gehörte. Nicht einfach nur Requisite war dabei die dunkle Limousine mit dem markanten Grill, sondern oft Hauptdarsteller. Ein Kultgefährt, gelobt als Gralshüter der Gangsterautos. Am besten in hohem Tempo auf einer ländlichen Allee bewegt, verfolgt von einem hoffnungslos unterlegenen Renault Dauphine Polizeiwagen, dahinhuschend zwischen den dunklen Schatten, den Bäume aufs schimmernde Kopfsteinpflaster warfen. Das Ganze, klar, in Schwarz-Weiß. Film noir. Car noir.

Gangster-Auto: Der niedrige Schwerpunkt, die breite Spur und der lange Radstand machte den Citroën Traction Avant zum idealen Fluchtfahrzeug. © Citroen


Kaum ein Gangster-Auto hat es zu solcher Berühmtheit gebracht wie der aktuell wieder entdeckte Traction Avant. Wieder entdeckt, weil er neben der "Göttin" DS und dem 2CV zu den wichtigsten Protagonisten der jetzt gefeierten, 100-jährigen Geschichte der französischen Marke gehört.

Aber nicht nur Citroën hat Gangster-, Krimi- und Kult-Autos hervorgebracht. Es gibt eine ganze Reihe rollender Stars. Charaktervolle Automobile mithin, die oft den Hauptdarsteller in die Nebenrolle drängten. Unvergessen Steve McQueens hasarde Jagd über die Straßen von San Francisco – in einem dunkelgrünen Ford Mustang GT 390 Fastback. Jerry Cotton wiederum, Hauptfigur der 850 Millionen Mal verkauften Romanheft-Reihe und diverser Filme, ist unzertrennlich mit seinem roten Jaguar verbunden.

Und, ja, das tragische, rollende Überbleibsel des Gangsterpärchens Bonnie und Clyde, steht heute, durchsiebt von Kugeln, in einem Museum – aber immer noch gut erkennbar als Ford V8 730 Deluxe Sedan.

Wenn Harry den 5er BMW holte

Eine ganze Reihe unterschiedlicher Modelle, darunter auch der Marke BMW, hat James Bond gefahren und teilweise geschrottet. Und, um auch die deutsche Auto-Krimi-Geschichte nicht ganz außen vor zu lassen: Der legendäre Tatort-Hauptkommissar Schimanski pilotierte wiederum einen Citroën, Modell CX Turbo 2. Und wenn (wobei der legendäre Satz angeblich nie gefallen ist) Harry den Wagen für Oberinspektor Derrick holte, dann war auch ein 5er BMW im Spiel. 

Eher unamerikanisch: Inspector Columbo präferierte ein Peugeot 403 Cabriolet. © Peugeot


Überhaupt BMW: Der Einsatzwagen Funkstreife Isar 12 darf nicht vergessen werden, ein wunderschöner, blaulichtgekrönter „Barockengel“ (Typ 501). Aber es ging auch kleiner: Im „Italian Job“ verhalf ein Mini den alternden Gaunern zur Flucht aus Turin. Der bekannteste Miami-Vice-Cop wiederum durfte in einen Ferrari Testarossa an den Schauplatz des Verbrechens eilen. Auf andere Art exotisch war da Ermittler Columbo unterwegs, der in einem alten, klapprigen Peugeot 403 Cabriolet zum Tatort eilte. Ein Auto, das bestens zum abgewetzten Trenchcoat des Inspektors passte.

Ein Fahrzeug aber muss in der langen Reihe der rollenden Hauptdarsteller besonders erwähnt werden: Ein von der California Highway Patrol ausrangierter 74er Dodge Monaco mit 7,2-l-V8-Motor. Damit waren die "Blues Brothers" im Namen des Herrn unterwegs und sorgten für die wohl größte und schönste Auto-Zerstörungsorgie aller Zeiten. Per Verfolgungsjagd wurde ein komplettes Einkaufszentrum zerlegt und zum Finale hin ein wahres Streifenwagen-Massaker angerichtet. Insgesamt blieben 103 zerstörte Autos auf der Strecke. John Belushi und Dan Aykroyd aber kamen, dank des Dodge Monaco mit  "Bullenmotor" und "Bullenfahrwerk" (technisch-korrekt: Heavy-Duty-Paket) mit dem Bluesmobile letztlich an ihr Ziel.

Erlangte Berühmtheit als "Bluesmobile" der "Bues Brothers": 74er Dodge Monaco. © moviecars.it


Auch heute und in der Realität gibt es noch beliebte Fahrzeuge bei schnell reisenden Tätern. So ist bekannt, dass eine Truppe von Geldautomaten-Sprengern, hauptsächlich im Grenzgebiet zu den Niederlanden tätig, gerne auf Audi setzt. Vornehmlich Audi A6 Avant, wenn möglich mit RS-Paket, 560 PS stark.

Straff, sicher, schnell – Polizeiautos, obwohl oft ordentlich motorisiert, waren in diesen Fällen meist nur zweiter Sieger. Womit wir wieder beim Citroën Traction Avant und der abgehängt hinterherhechelnden Renault Dauphine wären. Alles ganz wie früher.

Gerhard Windpassinger

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