Montag, 09.12.2019

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"Ja, wir machen das!"

Dr. Ralf Speth, Chef von Jaguar Land Rover und aus Roth stammender Mittelfranke, im Gespräch - 21.01.2018 20:58 Uhr

Volumenbringer: Dr. Ralf Speth, CEO von Jaguar Land Rover (JLR) mit dem neuen Kompakt-SUV E-Pace. © JLR


Mit dem E-Pace hat Jaguar gerade ein neues Kompakt-SUV vorgestellt. Auch hier hält man am Diesel fest. Warum?

Der Diesel wird tatsächlich sehr diskreditiert. Das führt zu einer Kaufzurückhaltung, aber auch dazu, dass die CO2-Werte nicht mehr reduziert werden, sondern im Gegenteil steigen. Wir haben so viel CO2 in der Stratosphäre, dass wir CO2-minimierte Antriebe schaffen müssen. Insofern sollte man schon deutlich machen, dass ein verbrauchsarmer Diesel mit moderner katalysatorischer Abgasnachbehandlung, so wie wir sie mit allen unseren Modellen anbieten, ein sehr, sehr gutes Aggregat ist. Wir wären gut beraten, wenn wir ein Nebeneinander von verschiedenen Antriebsarten praktizieren.

Jaguar bringt noch in diesem Sommer den Elektro-Crossover I-Pace auf den Markt. Wie lange werden Elektroautos denn noch Nischenprodukte bleiben?

Ich glaube, dass ein reines Elektrofahrzeug noch sehr lange ein Nischenprodukt sein wird. Nichtsdestoweniger wird die Elektrifizierung deutlich schneller kommen, als viele erwarten. Ich glaube, dass gerade die Jugend hier viel rascher einsteigt. Etliche haben kein Interesse mehr an der Technik eines reinen Verbrennungsmotors. Sie wollen einfach von A nach B kommen, und das kann man mit einem Elektrofahrzeug sehr, sehr gut. Wenn Sie überlegen, dass beispielsweise der normale Engländer in der Regel 37 bis 50 Kilometer pro Tag fährt, dann ist das eigentlich überhaupt kein Problem für ein Batteriefahrzeug. Wir müssen sogar darüber nachdenken, ob die 400, 500 Kilometer Reichweite unseres I-Pace überhaupt gebraucht werden. Psychologisch ja, aber praktisch nein. Und wenn Sie dann wirklich in den Urlaub fahren, können Sie immer noch auf andere Fahrzeuge zurückgreifen. Wir gehen davon aus, dass bis 2025 zwischen 30 und 40 Prozent der Fahrzeuge elektrifiziert sein werden, auch Plug-in-Hybride zählen hier dazu. Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings, dass noch immer 60 bis 70 Prozent der Modelle einen ganz normalen Verbrennungsmotor haben werden. Wir müssen daher auch Benziner und Diesel weiterentwickeln und verfeinern, während wir die Elektrifizierung bereits vorfinanzieren. Eine lange Phase der parallelen Strategie also.

Mit Hinblick auf die alternativen Antriebstechnologien: Warum gerade ein batterieelektrisches Fahrzeug?

Als verhältnismäßig kleiner Hersteller können wir es uns nicht leisten, zig Alternativen zu entwickeln und zu testen, ob es nun die Brennstoffzelle oder Gasantrieb ist. All diese Themen haben wir durchgerechnet und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass nach heutigem Stand der Technik ein rein batterieelektrisches Fahrzeug das Beste für die Umwelt ist. Wir wissen, dass wir noch nicht fertig sind, wir wissen, dass an der Infrastruktur noch gearbeitet werden muss, wir wissen, dass die Batterieproduktion nicht ideal ist. Auf der anderen Seite müssen wir aber irgendwann in die Technologie einsteigen und zusehen, dass wir sie weiterentwickeln. Wenn Sie sich ansehen, dass sich Tausende von Ingenieuren um die Thematik kümmern, dann dürfen Sie mir glauben: Hier wird ein Durchbruch kommen, wir werden die Reichweitenproblematik relativ schnell in den Griff bekommen. Eines dürfen wir dabei aber nicht vergessen: Heute haben wir eine hohe Abhängigkeit von Saudi Arabien oder den Staaten der MENA-Region (Nahost und Nordafrika, die Red.), was Erdöl betrifft. Zukünftig müssen wir davon ausgehen, dass gerade die speziellen Materialien und Chemikalien, die wir für die Batterieproduktion brauchen, in hoher Abhängigkeit von China abgebaut werden.

Elektromobilität, Connectivity, autonomes Fahren: Ist es für Sie eher ein Privileg oder eine Belastung, in diesen Zeiten des Umbruchs Verantwortung zu tragen?

Ist es nicht toll, dass wir in diesen Zeiten leben? Ist es nicht toll, dass wir als Jaguar Land Rover schon vier, fünf Jahre vorausschauen und uns zum Beispiel für den I-Pace entschieden haben? Ja, das sind große Risiken und mutige Schritte. Aber es ist faszinierend, gerade in dieser Welt leben zu können und den Umbruch nicht als Belastung zu sehen. Nicht die Schultern hängen zu lassen, sondern zu sagen: Ja, wir machen das!

Stichwort CO2-Reduktion und urbane Mobilität: Was wäre denn von einem Premium-Kleinwagen Marke Jaguar zu halten?

Ich glaube, es ist nicht die Größe, sondern "Premium", worauf wir Wert legen sollten. Ich denke, dass man eine Marke wie Jaguar nicht in zu viele Bereiche erweitern kann. Wir müssen einen Schritt nach dem anderen tun, nicht zu viele parallel. Ich denke, wir haben unsere Produktpalette sehr, sehr gut aufgestellt. Eines nach dem anderen, lassen Sie sich überraschen.

Mit dem E-Pace stellt Jaguar sein zweites SUV vor. Ist irgendwann ein Ende dieses SUV-Booms abzusehen?

Ich glaube, dass ein Ende dieses Booms in der Tat irgendwann kommen wird. Schon heute ist in Amerika ein ganz leichter Rückgang bei den SUVs zu beobachten. Ich bin deshalb absolut überzeugt davon, dass wir auch weiterhin Limousinen- und Kombi-Konzepte im Programm haben sollten.

Mercedes hat gerade die 40 Jahre alte G-Klasse in eine neue Generation überführt. Warum hat das Land Rover mit dem Defender nicht geschafft?

Es war für mich einer der traurigsten Momente, den Defender einstellen zu müssen. Er ist eine der wenigen automobilen Ikonen, die es gibt. Man kann aber nicht sagen, dass wir es mit ihm nicht geschafft haben. Es war eine ganz bewusste Entscheidung, Platz und Raum für ein neues Modell zu schaffen. Ich denke mal, dass Sie auch in Zukunft einige Überraschungen erleben werden.

Und wann kommt der neue Defender?

Wie gesagt - lassen Sie sich überraschen!

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