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Sonntag, 12.07.2020

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Mit Hund und Katz im Auto

Sicherungspflicht – Gefährliches Geschoss - Bußgelder und Punkte drohen - 02.06.2020 13:21 Uhr

Hund am Steuer: Das hätte der Vierbeiner vielleicht gerne - tatsächlich muss er aber gut gesichert abseits vom Lenkrad mitfahren. © Public Domains Pictures/Pixabay


Hunde reisen auch in Richtung Wochenendausflug oder Urlaub mit, Katzen eher nur dann, wenn sie zum Tierarzt müssen. In jedem Fall muss der Transport der Vierbeiner aber sicher vonstatten gehen. "Es reicht nicht, einfach die Autotür aufzuhalten und den Vierbeiner hineinspringen zu lassen", warnen Experten des Auto Clubs Europa (ACE).

Tatsächlich gelten Haustiere rechtlich gesehen als Ladung. Dass diese ordnungsgemäß zu sichern ist, regelt Paragraf 22 der Straßenverkehrsordnung (StVO). Verstöße kosten 35 Euro Bußgeld – mindestens. Denn kommt es zu einer Gefährdung oder einer Sachbeschädigung, ist der Autofahrer mit 60 Euro dabei und kassiert obendrein einen Flensburg-Punkt.

Haustier sichern – warum eigentlich?

Zunächst einmal besteht die Gefahr, dass ein frei im Fahrzeug herumturnendes Haustier den Fahrer ablenkt. Weitaus gefährlicher aber: Schon im Falle eines Frontalaufpralls mit 50 km/h kann sich ein ungesichertes Tier in ein Geschoss verwandeln, dessen Durchschlagskraft dem Dreißigfachen seines Körpergewichts entspricht. Wie problematisch das werden kann, verdeutlicht ein Rechenbeispiel aus der Physik: Ein 20 Kilogramm schwerer Hund würde mit der Wucht von 600 Kilogramm nach vorne knallen. Bestenfalls fangen die Kopfstützen den Aufprall noch einigermaßen ab. Schlimmstenfalls aber durchschlägt das Tier die Windschutzscheibe und/oder verletzt die menschlichen Passagiere schwer. Beides ist weder dem Vierbeiner noch seinen zweibeinigen Chauffeuren zu wünschen.

Anschnallen – wie soll das gehen?

"Eine direkte Anschnallpflicht gibt es nicht", heißt es beim ACE. Der Sicherungspflicht kann aber dennoch mithilfe spezieller Sicherheitsgurte oder Haltegeschirre Genüge getan werden. Der Handel hält für kleine Tiere beispielsweise Tiersicherheitssitze bereit, die mit dem Sicherheitsgurt oder an den Isofix-Verankerungen auf dem Rücksitz justiert werden. Für mittelgroße Hunde gibt es Geschirre mit Sicherheitsgurten.

Wer seinen Hund mit einem Sicherheitsgurt transportiert, sollte auf einen festen Verschluss achten und außerdem auf breite und gepolsterte Gurte. So hält sich im Falle des Falles die Belastung auf den Brustkorb in Grenzen.

Außerdem kommt es auf die richtige Länge des Gurtes an: Zu lange Gurte geben dem Tier zu viel Bewegungsfreiheit und bergen die Gefahr, dass es bei einem Unfall aus dem Auto geschleudert wird. Ein zu kurzer Gurt engt den Vierbeiner andererseits zu sehr ein. Wichtig: Der Sicherheitsgurt darf nicht am Halsband befestigt werden, damit kein Strangulationseffekt einsetzt.

Gut untergebracht: Hund in Transportbox. © mid/PSA


Geht es noch sicherer?

Ja. Am sichersten reisen Vierbeiner in einer Transportbox, die mit Haltevorrichtungen oder Sicherheitsgurten festgeschnallt wird. Am besten wird die Box quer zur Fahrtrichtung aufgestellt. Transportboxen für große Hunde finden den optimalen Platz im Laderaum oder zumindest auf der Rücksitzbank. Eine ideale Lösung sind Boxen, die sich fest im Gepäckabteil montieren lassen.

Warum ein Trenngitter?

Trenngitter oder stabile Trennnetze bieten einen zusätzlichen Schutz davor, dass das Tier oder die Transportbox im Falle einer starken Bremsung oder eines Aufpralls den "Abflug" vom Laderaum in Richtung Passagierraum macht. Die Lehnen der Rücksitze allein stellen oft keine ausreichende Barriere dar. Optimalerweise reicht das Gitter vom Boden bis zum Dach und sollte fest verankert sein.

Was ist beim Mietwagen oder Carsharing-Fahrzeug?

Tierhalter sollten sich hier beim Verleiher oder Carsharing-Anbieter nach den jeweiligen Regularien erkundigen. Zudem gilt es, das Fahrzeug vor der Rückgabe von "tierischen" Spuren wie Verschmutzungen oder Haare zu befreien, um Reinigungskosten zu vermeiden.

Und was ist sonst noch zu beachten?

Sinnvoll ist es, gerade verunsicherte Vierbeiner zunächst auf kurzen Strecken an den Transport im Auto zu gewöhnen. Praktisch alle Autos haben heute eine Klimaanlage, gut so, denn Hitze ist ein problematischer Stressfaktor. Deshalb sollte (und darf) das Tier nicht im aufgeheizten Auto zurückgelassen werden, selbst der kurze Gang in den Supermarkt kann gefährlich werden. Zugluft ist während der Autofahrt zu vermeiden. Immer wieder sollten Pausen eingelegt werden, um dem Hund etwas Bewegung zu gönnen. Und: Stets für ausreichend Trinkwasser sorgen.

ule

 

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