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Neuer 5G-Mobilfunkstandard: Unfallgefahr im Funkloch?

Sicher in Nürnberg, gefährdet in der Fränkischen Schweiz? - 25.11.2018 12:16 Uhr

5G-Standard: Erste Antennen wie diese von der Telekom stehen bereits, zudem führen die Mobilfunkbetreiber (hier Vodafone) Tests mit automatisierten Fahrzeugen durch.

24.11.2018 © Telekom, Vodafone/Aldenhoven


Es bedarf reichlich Technik, um teil- oder komplett selbstfahrende Automobile ins Rollen zu bringen. Sensoren, Radar, Laser, Kameras, digitales Kartenmaterial, jede Menge Rechnerleistung an Bord - und Mobilfunk. Denn ohne die digitale Kommunikation bleibt das Vorhaben nur Stückwerk.

Doch möglicherweise wird das Fahren der Zukunft in Deutschland vorerst nicht so recht in Gang kommen. Grund: der eben erwähnte Mobilfunk. Um viele Daten in kürzester Zeit von und zu Automobilen zu transportieren, ist vorrangig der 5G-Standard nötig. Es ist die vorerst letzte Ausbaustufe des Funksystems. Angefangen hat die mobile Datenübertragung mit 2G. Mit dem implementierten Edge-System konnten 256 kbit/s übertragen wer-den. Das Nachfolgesystem 3G, auch UMTS genannt, brachte (und bringt es heute noch) auf bis zu 42 Mbit/s - ein ungeheuerlicher Fortschritt. 4G schließlich (LTE) ist heute das Maß der Dinge. 500 Mbit/s sind durchaus möglich. Das, was locker reicht, um am Smartphone Filme zu laden und Fußballspiele live zu schauen funktioniert aber beim automatisierten Fahren mehr schlecht als recht.

Megaschnelle Mobilfunkgeneration

Also setzen die Autohersteller auf die nächste Mobilfunkgeneration, nämlich 5G. Bis zu 100-Mal kann es schneller sein, 10.000 Megabit und mehr pro Sekunde schaffen. Alles gut und recht, doch es gibt ein Problem: Das neue Netz wird extrem teuer. Der Grund hierfür liegt unter anderem in den verwendeten Frequenzen. Während die heutigen Mobilfunksender im Spektrum von etwa 800 bis 2600 MHz arbeiten, rückt 5G in den Bereich von etwa 3400 bis 3800 MHz vor. Nun ist es aber so, dass mit steigender Frequenz die Reich-weite sinkt. Ergo: Es müssen massenhaft neue Funkstationen gebaut werden. Horrorszenarien sehen vor, dass es pro Quadratkilometer bis zu zwei neue BTS (Base Transceiver Station) braucht. Diese können dann zwar in Microfunk-Technologie mit relativ wenig Leistung arbeiten, gebaut werden müssen sie dennoch.

Unfallgefahr in der Provinz

Derzeit tobt ein Kampf zwischen Politik und Mobilfunkbetreibern. Erstere wollen eine möglichst flächendeckende Versorgung, Letztere mögen nur Städte, Autobahnen und wichtige Bundesstraßen versorgen. Setzen sich die Mobilfunker durch, würden teil- oder ganz automatisierte fahrende Fahrzeuge beispielsweise auf der A9 zwischen München und Nürnberg problemlos mit Daten versorgt werden, wohl aber nicht, wenn die Fahrt weiter auf die Hersbrucker Alb oder in die Fränkische Schweiz führt. Hier droht dann womöglich Crashgefahr. Zwar ließen sich einige wichtige, der Sicherheit dienende Fahrdaten auch über LTE (4G) übermitteln, doch auch da hapert es in entlegeneren Gegenden an der nötigen Versorgung - Stichwort "Funklöcher".

Car-to-Car-Kommunikation: Hinter der Kurve droht Gefahr. Das stehende oder verunfallte Auto meldet via Mobilfunk die Alarm-Daten weiter, der sich nähernde Wagen erhält diese. Der Fahrer ist gewarnt bzw. beim teil- und vollautomatischen Fahren wird selbständig gebremst.

24.11.2018 © Mercedes-Benz


Die Mobilfunkanbieter beklagen unisono, dass sie vom Bund die nötigen Frequenzen erst für Milliardenbeträge ersteigern und dann für weitere Milliarden auch noch die Netze ausbauen sollen. In einigen anderen Ländern hin-gegen müssen keine derart horrenden Frequenzgebühren entrichtet werden. Gemunkelt wird, dass sich neben Telekom, Vodafone und Telefonica an der Frequenz-Versteigerung auch Automobilhersteller beteiligen könnten. Denn die haben ein vitales Interesse daran, "ihre" Daten in und aus dem Auto zu bekommen.

Deutschland fällt zurück

Mobilfunkgegner und Datenschützer gehen mittlerweile auf die Barrikaden. Wozu braucht es das alles? Die Antwort: Deutschland würde im weltweiten Vergleich arg zurückfallen, wenn das nicht ohnehin schon der Fall ist. Denn Japan, Südkorea, Estland und Skandinavien kristallisieren sich als Vorreiter heraus. Und in USA werden noch in diesem Jahr Teilnetze in 5G freigeschaltet. Bei uns könnte es mindestens noch zwei, wenn nicht sogar drei Jahre dauern, bis eine größere Anzahl von 5G-Sendern on air ist.

Gerhard Windpassinger

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