Opel Zafira-e Life: Groß stromern

18.9.2020, 15:00 Uhr
Opel Zafira-e Life: Groß stromern

© Hersteller

Einst, als Familien noch auf Vans statt auf variable SUVs abfuhren, setzte der Opel Zafira neue Maßstäbe: Kompakt und mit einer wegklappbaren dritten Sitzreihe ausgestattet war er für viele Väter und Mütter das Fahrzeug der Wahl, um Kinder, deren Freunde und vielleicht noch die Oma zu transportieren.

Im Vergleich zu seinem Urahn ist der heutige Zafira nicht wiederzuerkennen. Aus dem Kompaktvan ist ein veritabler Kleinbus geworden, der größentechnisch in der Liga des VW "Bulli" T6 antritt. Die Plattform teilt er sich nicht nur mit den PSA-Geschwistern Peugeot Traveller und Citroën Spacetourer, sondern auch mit dem Toyota ProAce Verso.

Anders als die ersten Generationen fährt der Zafira jetzt auch elektrisch, in verschiedenen Strom-Stärken und in verschiedenen Längen. Gemeinsam ist allen Versionen der 100 kW/136 PS starke Elektromotor mit einem Drehmoment von 260 Newtonmetern.

Passt ins Parkhaus

Der Einstieg erfolgt mit dem 4,60-m-Modell "S", das ausschließlich in Kombination mit der kleinen 50-kWh-Batterie erhältlich ist. Den größeren 75-kWh-Akku gibt es erst für die Variante "M" (4,95 Meter) und für den "L" mit seinen 5,30 Längenmetern. Fast alle Versionen passen mit maximal 1,90 Metern Höhe in Parkhäuser und Tiefgaragen, die Akkus sind im Fahrzeugboden platzsparend und günstig für den Schwerpunkt und das Fahrverhalten zwischen den Achsen untergebracht.

Als praxistauglich für viele Anwendungsbereiche gilt die Reichweite: 230 Kilometer (WLTP) werden beim 50-kWh-Akku angegeben, 330 Kilometer sind es in Verbindung mit 75 kWh. Beim Bremsen und ein wenig auch in Schubphasen wird wie üblich Energie rekuperiert.

Opel Zafira-e Life: Groß stromern

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Elektrisch fahren mit einem Kleinbus – wie fühlt sich das an? Gut! Schon die Einstiegsvariante das Zafira-e überzeugt mit kräftigem Antritt. Vor allem aber die 75-kWh-Stromer beschleunigen kraftvoll, ziehen gut durch. Nach wenigen Minuten stellt sich fast das Fahrgefühl ein, in einem Diesel zu sitzen. Die vom Hersteller auf akzeptable 130 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit reicht für viele Einsätze aus.

Beim (unbeladenen) Zafira fielen uns deutliche Aufbaubewegungen schon auf weniger stark ausgeprägten Fahrbahnwellen auf. Mit der Bedienung kommt jeder schnell zurecht, dabei helfen die gut ablesbaren Instrumente und nicht zuletzt die Übersichtlichkeit dank höherer Sitzposition. 

Zügig gestaltet sich das Laden an einer 100-kW-Schnellladestation, an der die 50-kWh-Batterie in 30 Minuten bis zu 80 Prozent geladen wird, beim 75-kWh-dauert dies 45 Minuten.

Platz für neun Personen

Die Zafira-Modelle sind variabel konfigurierbar und bieten Platz für bis zu neun Personen. Wer eher großes Gepäck transportiert: Beim "L" beträgt das maximale  Ladevolumen bis zu 4500 Liter. Zum Komfort tragen sensorgesteuerte Schiebetüren bei, die per Fußbewegung öffnen und schließen. Ein besonderer Gag auch in diesem Segment ist – frei nach dem Motto "nur der Himmel über uns" - das große Panorama-Glasdach. In der "Lounge"-Ausstattungsstufe sind elektrisch beheizbare Vordersitze inklusive Massagefunktion und vier variable lederbezogene Sitze im Fond an Bord.

Opel Zafira-e Life: Groß stromern

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Auf Wunsch oder je nach Ausstattungsstufe lassen sich viele Fahrerassistenzsysteme ordern. Darunter das Head-up-Display, der Spur- und Müdigkeitswarner, die erweiterte Verkehrszeichenerkennung, der Frontkollisionswarner, zudem Sensoren an Front und Heck sowie die 180-Grad-Rückfahrkamera.

Free2Move soll per Services-App fast 200.000 Ladepunkte europaweit sicherstellen. Außerdem kann der Kunde über die "MyOpel"-App beispielsweise den Ladezustand der Batterie prüfen oder Ladezeiten und Innenraumtemperatur programmieren. Für den Zugang zu Infotainment-Systemen ist ebenfalls gesorgt.

Der Zafira-e Life "S" kostet ab 52.444 Euro (inklusive 16 Prozent Mehrwertsteuer), für den "S" mit der stärkeren 75-kWh-Batterie verlangt Opel knapp 6500 Euro mehr. Für Fahrzeuge, die – wie in diesem Fall - mehr als 40.000 Euro netto kosten, wurde die Umweltprämie auf 7500 Euro Umweltprämie begrenzt.  

Elektro-Variante vom Vivaro

Mit dem Zafira-e sind Opels Aktivitäten in Sachen großformatiger Stromer aber noch nicht ausgereizt. Bereits in diesem Jahr rollt der Vivaro-e zum Kunden. Er zielt stärker auf den gewerblichen Sektor (als Kastenwagen Cargo-Van, Doppelkabine, FlexSpace-Doppelkabine oder als Crew-Van) ab. Er ist ebenfalls in drei Längen ("S", "M" und "L" analog zum Zafira-e Life) verfügbar; zusätzlich dient er als Basis für Sonderaufbauten.

Opel Zafira-e Life: Groß stromern

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Auch der elektrische Antrieb ist identisch mit dem des Zafira-e Life. Für ihn gilt ebenfalls die Verbrauchs- und Schadstoffangabe Null g/km CO2. Allerdings muss beim deutschen Strom-Mix, wie Fachleute meinen, eher von umgerechnet bis zu 100 g/km CO2 ausgegangen werden. Die Elektroautos sind also noch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Beim Vivaro-e Cargo, der ohne Mehrwertsteuer ab 35.650 Euro auch mit der kleineren Batterie erhältlich ist, sind wegen des niedrigeren Netto-Listenpreises von unter 40.000 Euro die vollen 9000 Euro Innovationsprämie abzugsfähig.  

Ingo Reuss

 

Opel Zafira-e Life in Kürze:

Wann er kommt: Ist bereits konfigurier- und bestellbar

Wen er ins Visier nimmt: Mercedes EQV,  VW Elektro-Bulli (von Abt), Citroën ë-SpaceTourer, Peugeot e-Traveller

Was ihn antreibt: Elektromotor mit 100 kW/136 PS. Zwei Batteriegrößen (50 und 75 kWh)

Was er kostet: Ab 52.444 Euro