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Skoda Kamiq: Der Kleinste wird der Größte

Kompakt-SUV – Start im September – Benziner, Diesel, Erdgas - 21.08.2019 16:44 Uhr

Dritter im Bunde: Der kompakte Kamiq rundet die SUV-Palette von Skoda nach unten ab. © Hersteller


Skoda hat es mit den Inuit. Kodiaq, Karoq, Kamiq – die Namen aller drei SUVs sind der Sprache aus dem arktischen Eis entnommen. Den Fachmann verwirren die vielen K’s und Qs, dem Kunden wird’s egal sein, er kapriziert sich mit seiner Entscheidung schließlich auf einen einzigen Vertreter des Trios.

Im Falle des Kamiq geht es auch um jene Klientel, die vormals Skodas SUV-Klassiker gefahren hat. "Wir wollen die Yeti-Kunden einfangen", sagt Stefan N. Quary, Vertriebsleiter bei Skoda Deutschland. Etlichen Yeti-Fans – noch so ein Name aus dem Schnee – ist der eigentlich als Nachfolger vorgesehene Karoq nämlich zu groß. Der Kamiq hingegen, dessen Name in etwa "zweite Haut" bedeutet, soll wie angegossen passen. Mit 4,24 Metern Länge markiert er das kleinste Skoda-SUV, es gibt ihn nur mit Frontantrieb, als Basis dient die MQB-A0-Plattform des Volkswagen-Konzerns, auf der unter anderem der VW Polo, aber auch die Kamiq-Brüder Seat Arona und VW T-Cross sowie Skodas Golf-Konkurrent Scala aufbauen.

Dezent robustes Outfit

Der Kamiq hüllt sich in ein sachlich-technoides Outfit von nur dezent abenteuerlichem Anschein, in die Welt blickt er aus zweigeteilten LED-Frontscheinwerfern mit obenliegendem Tagfahrlicht, quer über die Heckklappe zieht sich der Skoda-Schriftzug.

Macht was her: Quer übers Heck zieht sich der Markenschriftzug. © Hersteller


Im Vergleich zum Scala bietet der Kamiq vier Zentimeter mehr Bodenfreiheit auf, entsprechend positioniert er seine Passagiere auch etwas höher, ein echter Hochsitzer ist er aber nicht. Zu konstatieren ist jedoch ein erstaunlich großzügiges Platzangebot, im Fond reisen selbst stattliche Mitfahrer in entspannter Körperhaltung, und auch am Kofferraumvolumen – 400 bis knapp 1400 Liter – gibt es nichts auszusetzen. Leider lässt sich die Rückbank nicht längs verschieben, immerhin aber – in dieser Klasse nicht selbstverständlich – gibt es für verhältnismäßig bescheidene 350 Euro eine elektrische Heckklappenbedienung. Wer 80 Euro investiert, bekommt praktischerweise eine umklappbare Beifahrersitzlehne und kann dann auch über 2,40 Meter langes Sperrgut zuladen. Und für 790 Euro erweitert der Crossover seine Transportmöglichkeiten mittels einer elektrisch ausschwenkbaren Anhängerkupplung.

Virtuelles Cockpit gegen Aufpreis

Überhaupt lässt sich der Kamiq umfangreich aufrüsten, das gilt auch fürs Infotainment. Optional ist ein virtuelles Cockpit zu buchen (470 Euro), in Verbindung mit dem Top-Infotainment ist es ebenso serienmäßig wie das Navi, die kabellose Verbindung des Smartphones mit Apple CarPlay und Android Auto sowie der freistehende 9,2-Zoll-Touchscreen. Die USB-Anschlüsse – zwei serienmäßig, zwei gegen Aufpreis (50 Euro) – erfüllen bereits den neuen USB-C-Standard.

Die Grafik des 10,25 Zoll großen digitalen Kombiinstruments hinterm Lenkrad erschien uns teils allerdings etwas schlicht, und die Materialauswahl des prinzipiell tadellos verarbeiteten Interieurs zeugt von einer gewissen Affinität zum Werkstoff Hartplastik.

Kamiq-Innenleben: Der große 9,2-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole gehört zum Top-Infotainmentsystem "Amundsen". © Hersteller


Benziner, Diesel, Erdgasantrieb

Das Antriebsportfolio erweist sich von klassischem Zuschnitt. Heißt: Neben dem Benziner darf auch der Diesel bleiben, Elektrifizierung findet aber keinen Zugang, auch nicht in Gestalt von Hybridtechnologie.

Die motorseitige Grundversorgung leistet ein Einliter-Dreizylinder-Benziner mit 70 kW (95 PS), den es auch in der Ausbaustufe 85 kW (115 PS) gibt. Die Rolle des Volumenantriebs ist dem 1,5-l-Vierzylinder mit 110 kW (150 PS) zugedacht, der geringfügig später nachgeschoben wird. Diesel-Fans bedient der Kamiq mit dem 85 kW (115 PS) starken 1,6-l-Vierzylinder-TDI.

Während sich der Basismotor auf fünf manuelle Schaltstufen beschränkt, kooperieren die anderen Triebwerke wahlweise mit einer Sechsgang-Handschaltung oder einem 7-Gang-DSG.

Als Öko-Alternative soll der Erdgas-Antrieb im Kamiq 1.0 G-TEC (66 kW/90 PS) dienen, auf den die Kundschaft allerdings erst Anfang 2020 zugreifen kann.

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Skoda-SUVs: Der Kamiq komplettiert das Trio

Nach Kodiaq und Karoq kommt jetzt der Kamiq: Das Kompakt-SUV ist der Dritte im Bunde der Skoda-Softroader. Allradantrieb ist für den Kamiq, der auf der Kleinwagenplattform MQB-A0 aufbaut, nicht vorgesehen. Motorseitig wird es ihn als Benziner, Diesel und mit Erdgasantrieb geben.


Auf ersten Probefahrten erwies sich der Basis-Benziner als braver und solider Gefährte, der sich der typisch grummeligen Dreizylinder-Tonart befleißigt, dabei aber nie mit unangenehmem Stakkato in den Ohren liegt. Zu agiler Leichtfüßigkeit kann der kleine Turbo den Kamiq aber nicht bewegen, vor allem stärkere Steigungen bringen ihn an seine Grenzen, dann hilft nur beherztes Zurückschalten.  Mehr Souveränität im Umgang mit den 1,4 Tonnen Lebendgewicht beweist der Diesel, der sich – 4,8 bis 5,5 l/100 km, entsprechend 126 bis 144 g/km CO2 - obendrein die Krone des Spritsparmeisters im Programm aufsetzt.

Sportfahrwerk mit Fahrprofilauswahl

Fahrtechnisch verdient der Kamiq volles Lob, handlich wirkt der kompakte Crossover, er ist komfortabel abgestimmt und bequem gefedert, ohne dabei schwammig zu wirken. Wem das zu soft erscheint, der kann sich zu 430 Euro das um einen Zentimeter tiefergelegte Sportfahrwerk mit Fahrprofilauswahl gönnen.

Beim Kurven: Der Einliter-Dreizylinder-Benziner wirkt mitunter überfordert, fahrtechnisch macht der Kamiq aber eine gute Figur. © Hersteller


Die Preisliste weist für den Kamiq 1.0 TSI einen Basispreis von 17.950 Euro aus. Klingt gut, hat aber nur kosmetischen Charakter und wird keinen Kunden ernsthaft zum Kauf animieren. Serienmäßig sind beim "Active"-Level zwar Spurhalte- und Frontradarassistent mit City-Notbremsfunktion an Bord, ebenso wie ein Speedlimiter und die obligatorische Zentralverriegelung. Schon für die Klimaanlage (1110 Euro) und für Digitalen Radioempfang (150 Euro) muss aber extra in die Tasche gegriffen werden, erstaunlicherweise ist beides billiger, wenn es im Ausstattungspaket „Cool & Sound“ (840 Euro) zusammengefasst wird. Und vieles – Rückfahrkamera, Spurwechsel- und Ausparkassistent, Panoramaglasdach, Anhängerkupplung sowie die besseren Infotainmentsysteme – ist für den Basis-Kamiq gar nicht erst zu haben. Sinnvoll erscheint daher der Einstieg beim mittleren Niveau "Ambition", was dann aber schon auf mindestens 20.750 Euro kommt. Die Top-Ausstattung heißt "Style" und wird ab 22.750 Euro in Rechnung gestellt.

Türkantenschutz bewahrt vor Schaden

Wie alle Skodas ist auch der Kamiq mit allerlei "Simply-Clever-Details" ausgestattet, von denen aber wiederum nicht alle dem Basismodell zuteil werden. Der sattsam bekannte Türkratzer im Tankdeckel schon, nicht aber die herausnehmbare LED-Akkutaschenlampe im Kofferraum oder die kleinen Abfallbehälter und der Türkantenschutz, der beim Öffnen der Tür automatisch ausklappt und vor Rempler-Schäden bewahrt. Abfallbehälter (100 Euro, im Paket) und Türkantenschutz (150 Euro) kosten jeweils Aufpreis.

Skoda setzt große Erwartungen in den Kamiq. "Nach dem Octavia wird er unser meistverkauftes Modell", prognostiziert Vertriebschef Quary. Sofern die tschechische VW-Tochter nicht noch ein SUV-Coupé nach Vorbild des ausschießlich in China angebotenen Kodiaq GT bringt, dürfte der Kamiq das Crossover-Portfolio von Skoda komplettiert haben. Noch mehr Wörter mit "K" und "Q" hält die Sprache der Inuit vermutlich auch gar nicht vor.

Ulla Ellmer

Skoda Kamiq in Kürze

Wann er kommt: Markteinführung am 21. September

Wen er ins Visier nimmt: VW T-Cross, Seat Arona, Opel Crossland X, Fiat 500 X, Renault Captur, Mazda CX-3

Was ihn antreibt: Dreizylinder-Benziner mit 70 kW (95 PS) und 85 kW (115 PS), Vierzylinder-Benziner mit 110 kW (150 PS), Vierzylinder-Diesel mit 85 kW (115 PS)

Was noch folgt: Anfang 2020 die "Erdgas-Variante 1.0 G-Tec 

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