Donnerstag, 21.11.2019

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Toyota Mirai: Weiter mit Wasserstoff

Weltpremiere auf der Tokyo Motor Show – Markteinführung 2020 - 22.10.2019 17:27 Uhr

Toyota Mirai Concept: Die zweite Generation der Brennstoffzellen-Limousine sieht eleganter aus als der Vorgänger. © Hersteller


Der diesjährigen Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt ist Toyota noch ferngeblieben. Auf der Tokyo Motor Show hat man aber ein Heimspiel und, als größter japanischer Automobilhersteller, eine Verpflichtung obendrein. Entsprechend umfangreich ist der Aufschlag, den die Marke im Messegelände "Big Sight" macht. Zu den vielfältigen Neuheiten gehört auch die zweite Generation des Brennstoffzellen-Stromers Mirai. Die Limousine wird vorerst als Concept gezeigt, 2020 kommt sie in den Handel.

Seit 2014 wird der Mirai gebaut, bislang in einer eher mikroskopisch zu nennenden Auflage. Nur gut 10.000 Einheiten sind bislang gefertigt und weltweit verkauft worden, knapp drei Prozent davon in Deutschland und zuletzt zu Preisen ab 78.600 Euro. Offensichtlich gibt es genug technik-affine Kunden, die sich das leisten wollen, denn auf den noch aktuellen, 114 kW/155 PS starken Mirai bestehen Lieferfristen von drei bis vier Monaten, wie Toyota-Deutschland-Chef Alain Uyttenhofen sagt.

Günstigere Preise?

Dank einer neuen Fertigungsstätte soll der Produktionsausstoß künftig auf 30.000 Einheiten pro Jahr verdreifacht werden. Senken die Skaleneffekte dann auch den Preis? "Wir arbeiten daran", verspricht Uyttenhofen.

Sportlicher: Durch den niedrigeren Schwerpunkt soll der heckgetriebene Mirai an Agilität gewinnen. © Hersteller


Die zweite Mirai-Generation liefert freilich noch mehr Argumente, sich der Wasserstofftechnologie zuzuwenden. Das neue Modell mildert den bisher leicht verstörend futuristischen Auftritt zu einem eleganteren ab, was auch damit zu tun hat, dass sich der Mirai im Vorgängervergleich um achteinhalb Zentimeter auf nunmehr knapp fünf Meter Länge streckt und sich sechseinhalb Zentimeter tiefer auf den Asphalt duckt. Statt vier können nunmehr fünf Personen mitfahren. Möglich wurden die fließendere Silhouette und die verbesserte Raumökonomie nicht nur durch die neue, sogenannte TNGA-Plattform, sondern auch durch den Kniff, den einzigen, großen Wasserstoff-Tank durch drei kleinere im Wagenboden zu ersetzen. Weil sich daraus ein umfangreicherer H2-Vorrat ergibt und gleichzeitig das Brennstoffzellensystem optimiert wurde, steigt die Reichweite des Mirai um bis zu 30 Prozent. In Zahlen ausgedrückt, sollten also 650 Kilometer möglich sein.

Auch die Innenarchitektur zeigt sich deutlich modernisiert, Blickfang im fahrerorientierten Cockpit ist ein großformatiges 12,3-Zoll-Display.

Nur Wasserdampf emittiert

Toyota hält die Wasserstofftechnologie traditionell für die sinnvollere Form der Elektromobilität. Der Wasserstoff ist in wenigen Minuten zugetankt; in der Brennstoffzelle wird er in elektrische Energie umgewandelt, die wiederum den Elektromotor antreibt. Aus dem Auspuff quillt letztlich nur Wasserdampf.

Fahrerorientiert: Das Cockpit des Mirai, der zu uns selbstredend als Linkslenker kommt. © Hersteller


Neben dem Mirai betreiben die Japaner auch Fuel-Cell-Gabelstabler und –Busse, der "Sora" soll 2020 im Rahmen der Olympischen Spiele von Tokio als Transportmedium dienen. Der portugiesische Hersteller CaetanoBus hat dieser Tage den Wasserstoffbus „H2.City Gold“ mit Brennstoffzellentechnik von Toyota präsentiert. In den USA testet Toyota Brennstoffzellenantrieb für schwere Lkw. Zudem hat das Unternehmen mit Komponenten des Mirai einen stationären Generator entwickelt, der mit Wasserstoff läuft und im Testbetrieb elektrische Energie für das Werk Honsha in Toyota City erzeugt.

Dünne Infrastruktur

Noch hat die Wasserstoffmobilität allerdings auch ihre Schattenseiten. Der Wirkungsgrad ist relativ gering, die Herstellung von H2 energieintensiv. Ökologisch macht die Technologie nur dann Sinn, wenn der benötigte Wasserstoff mit Hilfe regenerativer Energien erzeugt wird. Und es hapert an der Infrastruktur, derzeit gibt es in Deutschland nur etwa 100 Wasserstoff-Tankstellen.

Dennoch haben auch andere Hersteller die Fuel-Cell-Technologie im Blick. Neben Toyota sind dies vor allem Hyundai (mit dem Crossover Nexo), Kia und Mercedes (GLE Fuel Cell). Im Volkswagen-Konzern widmet sich vor allem Audi der Thematik, bei PSA (Peugeot-Citroen-Opel) soll Opel zum Wasserstoff-Kompetenzzentrum werden. BMW kooperiert beim Thema Brennstoffzelle mit Toyota und will in drei Jahren den X5 I-Hydrogen Next auf den Markt bringen. Und aktuell hat Renault angekündigt, die batterieelektrischen Varianten seiner Nutzfahrzeuge Master und Kangoo zusätzlich mit einer Brennstoffzelle auszustatten, die als reichweitenverlängernder Range Extender tätig wird.

Ulla Ellmer

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