Samstag, 29.02.2020

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Volvo auf Strom-Linie

XC40 als Plug-in-Hybrid – Erstes E-Modell in Sicht – Maximal 180 km/h - 11.02.2020 11:32 Uhr

Kennzeichen E: Das Kompakt-SUV XC40 reiht sich in Volvos Modelle mit Plug-in-Hybridantrieb ein. © Hersteller


Volvo macht ernst: Nur noch wenige Monate soll der Kunde seinen Neuwagen - zum Beispiel bis 210 km/h - ausfahren können. Dann greift laut Markensprecher "die Absicherung", soll heißen, die Höchstgeschwindigkeit wird auf 180 km/h begrenzt. Die einen begrüßen die neue Regelung, weil sie eh nie schneller fahren, die anderen sprechen von Bevormundung. Okay, vielleicht lässt sich die Drosselung für besonders eilige Fahrer doch irgendwie umgehen.

Vor genau zehn Jahren wurde Volvo vom chinesischen Fahrzeugkonzern Geely übernommen. Der Zusammenschluss hat sich offensichtlich bewährt. Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr mehr als 53.000 Volvos verkauft, ein Plus von 17,5 Prozent gegenüber 2018. Damit wächst Volvo zum sechsten Mal in Folge. Topseller sind dabei die Modelle XC60, XC40 und V60.

Kein Modell ohne Elektromotor

Um für die Zukunft gewappnet zu sein, will der schwedische Hersteller das Modellprogramm schrittweise elektrifizieren. Schon bis Ende 2020 soll kein neues Modell mehr ohne einen Elektromotor ausgeliefert werden. Eingerechnet sind freilich schon Fahrzeuge mit Hybridantrieb, bei denen E-Maschine und Verbrenner also kooperieren. Ebenfalls ambitioniert: Relativ kurzfristig, das heißt bis 2025, wollen die Schweden den CO2-Ausstoß bei jedem Modell um 40 Prozent senken.

Unter Strom gesetzt: Der teilelektrifizierte XC40 schafft eine E-Reichweite von knapp 60 Kilometern. © Hersteller


 

Zu den wichtigen Neuheiten 2020 zählt der Volvo XC40 T5 Twin Engine, der jetzt zu ersten Erprobungsfahrten bereitstand. "Twin Engine" steht für Plug-in-Hybrid-Technologie, mit der unter anderem auch der Kombi V60 ausgestattet wird.

Das kompakte SUV XC40, erster auf der Plattform CMA, fährt mit einem komplett neu entwickelten Antriebsstrang vor. Ein Dreizylinder-Turbobenziner, der 132 kW/180 PS leistet, arbeitet mit einem 60 kW/82 PS starken Elektromotor harmonisch zusammen. Als Systemleistung werden 192 kW/262 PS und beachtliche 425 Newtonmeter Drehmoment angegeben.

Die Kraft der beiden unter der Fronthaube installierten Motoren wird über ein Doppelkupplungsgetriebe, das die Gänge sauber sortiert, an die Vorderräder geleitet. Mit voll aufgeladener Batterie kann der Volvo rein elektrisch 42 bis 45 Kilometer weit fahren. Er verbraucht dann (nach WLTP) nur 2,0 bis 2,4 l/100 km Treibstoff - plus Strom.

Langstrecke frisst Strom

Unter günstigen Umständen und auf überschaubaren Landstraßenabschnitten kamen wir durchaus auf diesen Verbrauchswert. Langstrecke mit größerem Autobahnanteil sieht freilich anders aus. Dann schmilzt auch die elektrische Reichweite rapide. Doch in der Stadt oder auf der Fahrt zum nahen Arbeitsplatz kann der Kunde des achten Plug-in-Hybrids innerhalb der sieben Volvo-Baureihen einiges sparen. Aber nicht unbedingt beim Preis, denn da verlangen die Schweden, die sich zu den Premium-Anbietern zählen, für das gut ausgestattete Auto in der ersten von drei Ausstattungsstufen 49.000 Euro. Und da können durchaus noch 10.000 Euro für Extras dazukommen.

Kostenlos Strom für ein Jahr

Im Volvo V60 T6 Twin Engine AWD kommt ein 186 kW/253 PS starker Benziner und eine E-Maschine 65 kW/87 PS zum Einbau. Als jeweiliges Drehmoment werden 350 und 240 Newtonmeter angeben, als Normverbrauch 1,7 bis 2, l/100 km plus rund 16 kWh/100 km Stromkonsum. Wobei Volvo ein verlockendes Angebot macht: "Fürs erste Jahr nach Kauf" übernimmt die Marke die Stromkosten für die elektrisch zurückgelegten Strecken - bei einem durchschnittlichen Strompreis von rund 30 Cent/kWh keine schlechte Sache. 

Plug-in-Kombi mit Allradantrieb: V60 T6 Twin Engine AWD. © Hersteller


Die elektrische Norm-Reichweite beläuft sich auf 50 bis 59 Kilometer. Auf dem präparierten Testgelände in Faistenau, gelegen im verschneiten Berchtesgadener Land, konnte der V60 zeigen, was in ihm steckt. Der Fahrspaß kommt hier nicht zu kurz, auch des Allradantriebs wegen, der die Leistung besser auf den Untergrund /Boden bringt als es beim frontgetriebenen XC40 gelingt. Dank 4WD-Technologie ist der Fahrer bei jedem Wetter, nicht nur bei Eis und Schnee, sondern beispielsweise auch auf regennasser Straße auf der sicheren Seite. Im Grenzbereich erlaubt der V60 AWD mit Plug-in sogar einen kontrollierten Drift auf Schnee, spektakulär gewiss, aber nicht für öffentliche Straßen zu empfehlen. Der für den flotten Kombi aufgerufene Preis mit der Achtgangautomatik (Geartronic) beträgt mindestens 55.850 Euro. 

Mehr Mildhybride

Auch beim Mild Hybrid gibt es Verbesserungen und Erweiterungen im Angebot: XC60 und XC90 bieten das schon bei Dieselversionen praktizierte System. Volvo-Manager betonen die komplette Neuentwicklung mit 48-Volt-Bordnetz im Vergleich zum Vorgänger. Es verringert Verbrauch und CO2-Ausstoß um bis zu 15 Prozent, harmonisiert Start-Stopp-Vorgänge und erlaubt erstmals bis zu 100-prozentige Energierückgewinnung mit dem sogenannten "Brake-by-Wire-System".

Ein vollelektrisches Modell haben viele andere Autobauer schon an den Start gerollt. Auch bei Volvo soll es bald so weit sein - noch in diesem Jahr.

Ingo Reuss  

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