Hochdach-Kombi mit viel Platz

VW Caddy 2.0 TDI im Fahrbericht

10.9.2021, 22:32 Uhr
Die fünfte Generation des VW Caddy nutzt die Plattform des Golf VIII.

Die fünfte Generation des VW Caddy nutzt die Plattform des Golf VIII. © VWN

Wie er aussieht: Technisch hat VW – in diesem Fall die Nutzfahrzeugsparte – den Caddy mit dem Golf VIII verbrüdert. Der durchaus eleganten Front mit den (optionalen) LED-Scheinwerfern sieht man das denn auch an. In Richtung Wagenmitte aber geht es steil bergauf, dann folgt die Form der Funktion eines überaus praktischen Hochdachkombis. Auf 1,83 Meter Höhe bringt es der Caddy, gleichzeitig ist er 1,85 Meter breit – Raumgröße im Quadrat. Ein erfreulicher Anblick ist die voluminöse Heckscheibe mit integriertem VW-Logo, beidseitig flankiert wird sie von den Senkrechten der Rückleuchten.

Wie er eingerichtet ist: Auch was den Armaturenträger betrifft, ist der Caddy ganz Golf. Heißt: Auf Wunsch gibt es das von konventionellen Bedienelementen befreite Digitalcockpit mit frei konfigurierbarem Fahrerdisplay und großem Touchscreen, der eine gestochen scharfe Darstellung übermittelt; links vom Lenkrad befindet sich das fürs Licht zuständige berührungssensitive Tastenfeld. So weit, so schön, so modern und überhaupt nicht nutzfahrzeug-spartanisch. Jetzt das Aber: Auch die unkomfortablen, unbeleuchteten und vielbemeckerten Wisch-Slider für Temperatur und Lautstärke hat der Caddy adaptiert. Das Infotainment lässt sich Zeit zum Hochfahren, einmal ist es ganz ausgestiegen. Und die Sprachsteuerung reagierte nicht immer verständig.

Sehr bequem reist es sich auf den aufpreispflichtigen ErgoComfort-Sitzen, die das Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken (AGR) tragen. Die Verarbeitungsqualität fällt tadellos aus. Und obgleich mehr Hartplastik als im Golf verbaut wurde, so weist der Kunststoff doch eine optisch wie haptisch gefällige Narbenstruktur auf.

Auch das optionale Digital-Cockpit hält Nutzfahrzeug-Ambiente erfolgreich auf Distanz.

Auch das optionale Digital-Cockpit hält Nutzfahrzeug-Ambiente erfolgreich auf Distanz. © VWN

Wie viel Platz er hat: Die Weiten des Raums sind schier unendliche. Dass die Fondpassagiere viel Beinfreiheit vorfinden und dass die hoch aufbauende Kastenform jede Menge Kopffreiheit generiert, gerät angesichts des üppigen Frachtraums – Kofferraum wäre eine Untertreibung – fast schon zur Randnotiz. Es ist uns ohne Mühe gelungen, hinter der großen und folglich raumgreifend öffnenden Heckklappe einen Wäschetrockner unterzubringen, auch unsere Fahrräder hat der Caddy lässig geschluckt, aufrecht, wohlgemerkt, und ohne viel Kraftaufwand einzufordern, denn die Ladekante liegt entgegenkommenderweise niedrig. Mindestens 1213 und maximal 2556 Liter Fassungsvermögen stehen bereit. Ein weites Spektrum, das auf die Variabilität zurückzuführen ist: Die Caddy-Rücksitze lassen sich nicht nur wegklappen und „wickeln“, sondern auch flugs und flexibel ausbauen.

Viele praktische Ablagen gibt es außerdem, ab „Life“-Ausstattung auch Schubladen unter den Vordersitzen sowie fahrerseitig einen kleinen Abfallbehälter, und die Ergo-Komfortsitze sind mit Klapptischen an den Rückenlehnen ausgestattet.

Vor allem Familien dürfte der unkomplizierte Zustieg über die beidseitigen Schiebetüren freuen, der warnende Zuruf an die Kids, beim Ein- und Aussteigen doch auf das benachbart parkende Fahrzeug aufzupassen, wird so obsolet.

Die Raumhöhe macht's: Fahrräder lassen sich aufrecht transportieren.

Die Raumhöhe macht's: Fahrräder lassen sich aufrecht transportieren. © VWN

Die Großfamilie kann das 7-Sitzer-Paket mit dritter Sitzreihe (880 Euro) ordern oder gleich bei der Langversion des Caddy zugreifen, die „Maxi“ heißt und knapp 2900 Euro Aufpreis kostet. Und auch einen Caddy zum Drin-Wohnen gibt es, „California“ heißt er und lässt sich mit Miniküche und Zelt ausstatten.

Was ihn antreibt: In unserem Testwagen arbeitete der Topantrieb im Caddy-Programm: Der 90 kW/122 PS starke und mittels Twindosing-System abgasbereinigte Zweiliter-TDI in Kombination mit einem ebenso passgenau wie schnell schaltenden 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, dessen Fahrstufen sich über einen kleinen Shifter einlegen lassen. Hätten wir es nicht besser gewusst, wäre uns die Diesel-Identität glatt entgangen, denn akustisch gibt sie der laufruhige TDI kaum preis. Fahrtechnisch merkt man dann aber doch, woran man ist, und das ist positiv gemeint – das schon bei 1600 Touren anliegende Drehmoment von 320 Newtonmetern bringt kräftigen Durchzug, auch das Ansprechverhalten und die gleichmäßige Leistungsabgabe stellen rundum zufrieden.

Wie er sich fährt: Fahrwerkstechnisch gehen Golf und Caddy unterschiedliche Wege. Der Kastenwagen verlässt sich hinten nach wie vor auf eine robuste und belastbare Starrachse, die bei der aktuellen, fünften Generation aber längslenkergeführt ist, zudem wurden die bislang verbauten Blattfedern von einer Schraubenfeder-Konstruktion ersetzt. Das führt dazu, dass der Caddy im Vergleich zu seinen Vorgängern einen deutlichen Fortschritt beim Fahrkomfort herausfährt, trotzdem aber nicht die Agilität und das geschmeidige Abrollverhalten des Golf erreicht.

Unterstützung finden Fahrer respektive Fahrerin bei einer Vielzahl von Assistenten. Ab Werk steigen der Spurhalte- und der Abbiegeassistent zu, der Unfälle beim Kreuzen der Gegenfahrbahn vermeiden hilft; die wichtigsten Helfer hat VW im Paket „Travel Assist“ (ausstattungsabhängig ab 2235 Euro) zusammengefasst, die Befähigung zum assistierten Fahren gehört hier beispielsweise dazu. Weitere Optionen sind der Anhängerrangierassistent „Trailer Assist“ (ab 666 Euro), eine Rückfahrkamera (ab 292 Euro) oder die sehr gut funktionierende Fernlichtregulierung (ab 167 Euro).

Was er verbraucht: Der Zweiliter-TDI ist eine sparsame Antriebsquelle; einmal mehr weiß man da wieder, was man an einem Diesel hat. Im Schnitt bescheinigte uns der Caddy 5,6 l/100 km, auch eine Vier vor dem Komma ist einigermaßen problemlos zu erreichen, und selbst bei zügiger Fahrt über die Autobahn wollte die Sieben-Liter-Marke nicht fallen.

Aus der kompakten Länge von 4,50 Meter zaubert das Hochdach-Konzept reichlich Raum.

Aus der kompakten Länge von 4,50 Meter zaubert das Hochdach-Konzept reichlich Raum. © VWN

Was er bietet: Das einfach ausgestattete Basismodell „Caddy“ bringt unter anderem den Abbiege- und Spurhalteassistenten mit, ferner Müdigkeitserkennung, Radio mit kleinem Touch-Farbdisplay und USB-Typ-C-Schnittstelle, Klimaanlage sowie elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel

Was er kostet: Ab 32.398 Euro, Mehrwertsteuer inklusive.

Was wir meinen: Aus einer Länge von 4,50 Metern holt der Caddy ein Optimum an variablem Platz heraus. Ein praktischeres und geräumigeres Fahrzeug ist für Familien und überhaupt Kunden mit hohem Platzbedarf kaum vorstellbar – immer vorausgesetzt, sie wollen nicht mit einem XXL-Van durch die Lande fahren. Das vom Golf adaptierte Bedienkonzept führt den Hochdachkombi in die digitale Moderne, hat aber auch seine Schwächen. Lob verdient der sparsame Diesel. Preislich zeigt sich der Caddy selbstbewusst – es bedarf nicht viel, um den 122-PS-TDI mit DSG über die 40.000-Euro-Grenze hinaus zu konfigurieren.

Die Daten des VW Caddy 2.0 TDI

Hubraum 1968 ccm, Zylinder 4, Leistung 90 kW/122 PS bei 2750 - 4250/min, max. Drehmoment 320 Nm bei 1600 - 2500/min, Spitze 186 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h in 11,4 sec, Normverbrauch (NEFZ) innerorts 5,6, außerorts 4,0, kombiniert 4,6 l S/100 km, Testverbrauch 5,6 l S/100 km, CO2-Emission 122 g/km, Schadstoffklasse Euro 6d-ISC-FCM, Energie-Effizienzklasse A, Länge 4,50 m, Breite 1,85 m ohne, 2,10 m mit Außenspiegeln, Höhe 1,83 m, Kofferraum 1213 bis 2556 l, Kraftstoff-Tank 50 l, AdBlue-Tank 15 l, Leergewicht 1688 kg, zulässiges Gesamtgewicht 2250 kg, Zuladung 375 - 562 kg, Anhängelast 1500 kg (gebremst), 750 kg (ungebremst). 7-G-Doppelkupplungsgetriebe, Frontantrieb. Versicherungs-Typklassen 17 (KH), 20 (VK), 20 (TK). Preis ab 32.398 Euro.

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