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Einmal um die Welt auf dem Christkindlesmarkt

Markt der Partnerstädte sorgt für internationales Flair - 16.12.2013 07:00 Uhr

Berto Otilio Hernandez bringt mit seinen Rasseln exotische Klänge auf den Markt der Partnerstädte.

© Michael Matejka


Die Hirschwurst geht weg wie anderswo die warmen Semmeln. Am Stand der Gemeinden Montan und Klausen baumelt sie meistens nur kurz an der Decke, bevor sich wieder ein Abnehmer findet. Die Vorliebe für eine Region, sie geht bei vielen gerne durch den Magen. Doch Richard Giovanelli hat nicht nur Kulinarisches im Gepäck, wenn er aus seiner Heimat Südtirol nach Norden reist. Auch handgeschnitzte Engel und Tiroler Hüte sind bei seinen Kunden gefragt. Der 31-Jährige ist im siebten Jahr dabei, er kommt längst nicht nur der Geschäfte wegen. Nürnberg sei eine schöne Stadt, schwärmt er. „Und ich habe mittlerweile viele Freunde hier.“

Auch andere möchten den Abstecher ins vorweihnachtliche Nürnberg längst nicht mehr missen. Tatjana Frkovic zum Beispiel bezieht bereits zum achten Mal eines der städtischen Apartments im Heilig-Geist-Spital, um Handgefertigtes aus Skopje zu verkaufen. Kuschelige Schals, mit Lammfell gefütterte Hausschuhe, bunte Mützen - die Mathematiklehrerin, die im mazedonischen Skopje ein eigenes Geschäft führt, sieht sich als Vertreterin des Handwerks ihrer Stadt.

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Mitarbeiter aus aller Welt auf dem Markt der Partnerstädte

Aus Spanien, Frankreich, Polen und vielen weiteren Ländern reisen Buden-Mitarbeiter eigens für den Markt der Partnerstädte nach Nürnberg und verbringen den Advent in der Frankenmetropole.




Vor allem am Wochenende gehen ihre Geschäfte gut, unter der Woche sei es teilweise „sehr ruhig“, sagt die 36-Jährige. „Leider entdecken uns nicht alle Gäste“, bestätigt Birgit Birchner vom Amt für Internationale Beziehungen, die den Markt betreut. „Wir können ruhig noch bekannter werden.“ Schließlich sollen die 21 Buden nicht nur für die jeweiligen Partnerstädte werben, etliche werden ehrenamtlich betrieben und finanzieren soziale Projekte mit. Das gilt zum Beispiel für die Stände von Kalkudah (Sri Lanka) und San Carlos (Nicaragua). Auch Ljubo Dabovic schenkt im Dienst der guten Sache seinen heißen Sljivac, einen Pflaumenlikör, aus. Der Vorsitzende der fränkisch-montenegrinischen Gesellschaft lebt seit 47 Jahren in Nürnberg, auf dem Markt rührt er die Werbetrommel für seine Heimat und sammelt Geld für die Behindertenarbeit. Seine Bude ist selten leer, der 70-Jährige verwickelt Besucher gerne in ein Gespräch.



Nicht an jedem Stand ist die Verständigung so leicht. Bei Barbara Zodzinska etwa müssen es die Kunden mit Gesten probieren, wenn sie nicht zufällig polnisch sprechen. Doch die Händlerin aus Krakau, die unter anderem putzige Holzengel und Bernsteinschmuck mitgebracht hat, gleicht derlei Kommunikationsprobleme locker mit ihrem Charme aus.

Kulinarische Reise

Mit zwei Kolleginnen wohnt sie im Hotel, Nicoló Caldari dagegen ist mit seinen Eltern bei Freunden zu Gast. Aus Verona hat die Familie Käse, Salami und Olivenöl mitgebracht, der Glühwein, so verspricht sein Vater, sei „ein echter Merlot“. Konfitüren aus dem Limousin, Honig aus der Provence, Schafskäse aus Kavala - vor allem kulinarisch lässt sich die Weltreise fortsetzen. Wer Kunsthandwerk sucht, wird etwa bei Berto Otilio Hernandez Gutierrez aus Kuba oder bei Nikita Zinkovskiy aus Charkiv fündig. Der junge Ukrainer tritt gerne die weite Reise an, weil ihm Nürnberg gut gefällt. „Und außerdem bekomme ich hier ein richtiges Weihnachtsgefühl.“

SILKE ROENNEFAHRT

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