Montag, 11.11.2019

|

zum Thema

"After the Wedding": Tränen und Glück

Tolle Schauspieler mildern in "After the Wedding" den Schmalz - 17.10.2019 09:00 Uhr

Isabel (Michelle Williams) und Ziehkind Jai (Vir Pachisia) in "After the Wedding". © Kevin Nunes/Telepool


Diesmal also ist es Isabel (Michelle Williams), eine Waisenhauschefin in Kalkutta, die von der New Yorker Medienunternehmerin Theresa (Julianna Moore, Gattin des Filmemachers und Co-Produzentin) ein unmoralisches Angebot bekommt: Für eine dringend nötige Geldspritze für die Waisenkinder muss Isabel in Theresas Firma persönlich erscheinen.

Die Not macht’s unumgänglich und weil die Wahl-Inderin schon mal da ist, muss sie auch mit zur Hoch-zeit von Theresas Tochter Grace (Abby Quinn), wo sie ihren Ex-Geliebten Oscar (Bill Crudup) als den Papa der Braut wiedererkennt. Wenig später steckt ihr der ebenso aus allen Wolken fallende Oscar, dass Tochter Grace ihr gemeinsames Kind ist, das sie damals, mittellos, vernünftig und im beiderseitigem Einverständnis zur Adoption freigegeben hatten.

Isabel war danach nach Indien verschwunden, um Gutes zu tun, während der Künstler Oscar das Baby Grace wieder zu sich genommen und Theresa geheiratet hatte. Hinter dem Schicksal, das hier so familienzusammenführend zuschlägt, steckt selbstverständlich das clevere Business-Weib Theresa, deren Pläne zum Wohle aller noch viel weiter gehen, als man verraten dürfte...

Susanne Bier ist dieser soap-tauglichen Vorlage mit inszenatorischer Kargheit Herr geworden, Bart Freundlich versucht dem Schmalz mit der Zurückhaltung seiner tollen Schauspielerinnen zu begegnen. Und tatsächlich klappt das auch, niemand braucht sich zu genieren, wenn die Träne quillt. Das Kameraauge darf dann auch mal an einem Schmuck-Rehlein im Millionärsgarten hängen bleiben, oder beziehungsreich an zerbrochenen Vogeleiern im Nestchen. Gleich zaubert sich wieder ein Grinsen auf ’s Gesicht des Zuschauers, der etwas Heiterkeit zu schätzen weiß.

Was das moralische Fehlverhalten anbelangt: Außer der New Yorker Heimlichtuerei ist niemandem ein Vorwurf zu machen. Etwas anderes als das Original von Susanne Bier mit Männern ist das schon. (USA/110 Min.)

Michael Wunderlich

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Kino