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"Blinded By the Light": Mit dem "Boss" raus aus der Tristesse

Der Film ist oft ziemlich kitschig, total übertrieben und doch sehr unterhaltsam - 22.08.2019 09:00 Uhr

Jay (Viveik Kalra) und seine Flamme Eliza (Nell Williams). © Warner


Hoffnungslosigkeit, Rassismus und die Konflikte mit dem streng patriarchalischen Vater prägen seinen Alltag.

Doch Jay träumt von einer Karriere als Schriftsteller. Für die Band eines Kumpels schreibt er die Texte. Aber seine Lebensrealität hat mit der fröhlichen Synthie-Pop-Musik kaum etwas gemeinsam. Nur das College bietet eine Flucht aus der Tristesse. Die Lehrerin zeigt Interesse an Jays Gedichten. Und er hat ein Auge auf die rebellische Eliza geworfen.

Der entscheidende Moment kommt für ihn, als er sich mit Roops anfreundet. Der glühende Bruce-Springsteen-Fan steckt Jay schnell mit seiner Begeisterung an. Die Musik und die Texte des "Boss" wirken wie eine Befreiung für den Teenager und ermutigen ihn, seinen eigenen Traum zu verwirklichen.

"Blinded By The Light" basiert lose auf der Autobiografie des Journalisten Sarfraz Manzoor. Die indisch-britische Regisseurin Gurinder Chadha ("Kick It Like Beckham") kennt sich mit der Materie bestens aus. Sie zeichnet mit viel Lokalkolorit und Nostalgie ein glaubhaftes Bild jener Zeit. Ohne gängige Klischees veranschaulicht sie die Probleme, die Jugendliche mit Migrationshintergrund nicht nur in Großbritannien erleben. Jays Konflikt mit dem Vater zeigt sie, ohne Partei zu ergreifen.

Hauptdarsteller Viveik Kalra muss man als Jay einfach gern haben – genauso wie Aaron Phagura, der seinen vor Lebensfreude sprühenden Freund Roops spielt. Kulvinder Ghir als verzweifeltes Familienoberhaupt und Meera Ganatra als liebevolle Mutter sind ebenfalls toll besetzt.

Natürlich lebt der Film von seinem fantastischen Soundtrack. Anfangs wummern die 80er-Hits der Pet Shop Boys, von Level 42 und a-ha aus den Lautsprechern, später zahlreiche zeitlose Springsteen-Klassiker, deren Texte wie Gedanken auf der Leinwand erscheinen. Obendrein sind diverse schmissige pakistanische Popsongs zu hören.

Das ist oft ziemlich kitschig, total übertrieben und doch sehr unterhaltsam – so wie zwei musicalhafte Szenen, in denen Jay zu den Springsteen-Krachern "Born to Run" und "Thunder Road" singt, mit Freunden und wildfremden Menschen durch Luton tanzt, bis der ganze Marktplatz rockt. Wunderbar charmant und selbstironisch inszeniert, entlässt dieses Feelgood-Movie den Zuschauer mit einem Lächeln im Gesicht. (GB/117 Min.)

Philip Dethlefs (dpa)

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