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Doris Dörrie verschenkt in "Freibad" ein spannendes Thema an zu viel Klischees

1.9.2022, 12:00 Uhr
Szene mit Maria Happel (li.) und Andrea Sawatzki als Freundinnen Gabi und Eva.

© Mathias Bothor/Constantin Szene mit Maria Happel (li.) und Andrea Sawatzki als Freundinnen Gabi und Eva.

Bestes Badewetter – und dazu der passende Film. In "Freibad" seziert Doris Dörrie die Befindlichkeiten einer Gruppe weiblicher Stammgäste in einem Schwimmbad, in dem Männer keinen Zutritt haben. Die Spanne reicht von Freundschaft über Eifersüchteleien, kleine Streitigkeiten und Berührungsängste bis hin zu Vorurteilen, Rassismus und Ausgrenzung.

Ein spannendes Thema, das die renommierte Regisseurin mit Wortwitz, Einfallsreichtum und Tempo angeht. Die Fragen, die sie aufwirft, sind aktuell. Etwa die Debatte um eine Verschleierung. Die Überlegung, was eine Frau zur Frau macht. Das Verhältnis zum eigenen Körper oder innerfamiliäre Beziehungen. Doch die in München und Umgebung gedrehte Geschichte bleibt über weite Strecken in Stereotypen und Klischees haften, viele Witze zünden nicht oder wirken platt.

Vorurteile bis hin zum Rassismus

So kann sich das satirische und gesellschaftskritische Potenzial kaum entfalten, das darin steckt, wenn unterschiedlichste Charaktere im Mikrokosmos Freibad zusammenkommen. Ernsthaft Trainierende, junge Mädchen zwischen Selbstbewusstsein und Selbstzweifeln, Mütter mit kleinen Kindern oder ratschende ältere Damen, die ihren Stammplatz beanspruchen. Es gibt Fat Shaming ("Da geht er, der Wackelpeter"), Altersdiskriminierung ("FKK-Oma"), simples Mobbing und jede Menge Vorurteile bis hin zum Rassismus ("Burkinischlampe").

Dass diese Schicksale nur oberflächlich gestreift werden, liegt auch daran, dass Dörrie zu viel in die 100 Minuten gepackt hat. In unzähligen Begebenheiten geht der rote Faden buchstäblich unter, plätschert vieles sommerlich träge dahin.

Deutlich wird das vor allem am Schicksal Yasemins, die nur mit Burkini ins Wasser geht. "Ganzkörperkondom" muss sie sich anhören. Nilam Farooq spielt sehr einfühlsam und überzeugend, ihre Figur bleibt dennoch blass. Was Yasemin will, warum sie mit ihrer Mutter hadert und sich in einer tiefen Identitätskrise befindet, bleibt lange unklar und wird dann in aller Kürze abgehakt.

Julia Jendroßek (rechts) als Paula und Nilam Farooq als Yasemin in einer Szene des Films "Freibad".

Julia Jendroßek (rechts) als Paula und Nilam Farooq als Yasemin in einer Szene des Films "Freibad". © Mathias Bothor/Constantin

Yasemin ist nicht die einzige, die ihren Körper nicht halbnackt zeigen will. Eines Tages taucht eine Gruppe verschleierter Frauen auf, was vor allem bei den Freundinnen Gabi (Maria Happel) und Eva (Andrea Sawatzki) zu heftigen Diskussionen führt. Haben diese Frauen im weitgehend hüllenlosen Bad etwas verloren? Die Situation eskaliert und es wird offenbar, dass sich auch in vermeintlich harmlos witzigen Sprüchen oft krasser Alltagsrassismus verbirgt.

Befremdlich wirkt die Szene, in der zum ersten Mal ein Mann das Bad betritt – als neuer Bademeister, denn wegen des Fachkräftemangels fehlen Bewerberinnen. Als Nils (Samuel Schneider) mit nacktem Oberkörper auftaucht, ist es um die meisten Besucherinnen geschehen. Reihenweise erliegen sie seinem unbeholfenen Charme, als wäre er die Erfüllung all ihrer Wünsche: Seufz, schmacht, stöhn: ein Mann!!! (102 Min.)

In diesen Kinos läuft der Film.

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