Bissig und entlarvend

"Eingeschlossene Gesellschaft": Neue Schul-Komödie von Sönke Wortmann

14.4.2022, 09:09 Uhr
Frau Lohmann (Anke Engelke) weiß, dass sie allseits verhasst ist, während ihr Kollege (Florian David Fitz, li.) glaubt, sich bei der Schülerschaft einschleimen zu können.

© Martin Rottenkolber/Sony Pictures Frau Lohmann (Anke Engelke) weiß, dass sie allseits verhasst ist, während ihr Kollege (Florian David Fitz, li.) glaubt, sich bei der Schülerschaft einschleimen zu können.

Schule ist für Sönke Wortmann ein Reizthema. Das oft angespannte Verhältnis zwischen Eltern und Lehrern untersuchte er schon in der Komödie "Frau Müller muss weg!" – in der er amüsant den Wahnsinn rund um den Übertritt von der Grundschule aufs Gymnasium karikierte.

In seinem neuen Film "Eingeschlossene Gesellschaft" geht es nun um einen Vater, der für die Abiturzulassung seines Sohnes bereit ist, bis ans Äußerste zu gehen. Die bitterböse Abrechnung mit dem System Schule ist prominent besetzt mit deutschen Stars wie Florian David Fitz, Anke Engelke und Justus von Dohnányi.

Ein Vater rastet aus

Ein Notenpunkt in einer Klausur fehlt Fabian für die Abiturzulassung, sonst muss er die Schule ohne Abschluss verlassen. Verzweifelt stürmt der Vater (Torsten Merten) am Freitagnachmittag das Lehrerzimmer, wo sich noch sechs Männer und Frauen aufhalten. Erst will er nur Druck machen, doch dann gerät alles außer Kontrolle und der Vater nimmt die Lehrer als Geiseln, um sie zu einer Konferenz über Fabians Noten zu zwingen.

Wortmann ("Deutschland. Ein Sommermärchen") zeichnet verschiedene Lehrertypen, die jeder aus seiner Schulzeit kennen dürfte. Die frustrierten Zyniker, die junge Leute nicht ausstehen können. Die Coolen, die auf einem schmalen Grat zwischen Beliebtheit und Anbiederung balancieren. Die Netten, die keiner ernst nimmt. Oder die Entspannten, die bei den Schülern beliebt sind und deshalb von den Kollegen missgünstig beäugt werden.

Vorlage für die Komödie war das Hörspiel von Jan Weiler, der auch das Drehbuch schrieb. Die Verfilmung strotzt vor bissigen Dialogen und wahnwitzigen Wortgefechten und reiht ein Klischee ans andere. Das ist oft lustig, zumal die Lehrertypen gut getroffen sind. Auf die Dauer ermüdet es aber auch, weil die Figuren vor allem um sich selbst kreisen.

Als unterhaltsamer Beleg für das oft uninspirierte, konservative deutsche Schulsystem taugt "Eingeschlossene Gesellschaft" aber allemal, und sei es auch nur, um solche entlarvende Sätze wie diesen zu hören, den die allseits gefürchtete Frau Lohmann (Anke Engelke) ausspricht: "Ich hasse die Jugend nicht. Ich kann sie nur nicht ausstehen." (97 Min.)

In diesen Kinos läuft der Film.