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"Geheimnis eines Lebens": Spionin mit Gewissen

"Geheimnis eines Lebens" verschenkt seinen spannenden Stoff - 04.07.2019 09:00 Uhr

Judi Dench als greise Joan Stanley, die des Hochverrats beschuldigt wird. © Entertainment One


Joan Stanley heißt ihre Figur in "Geheimnis eines Lebens" – eine hochbetagte, ganz unbescholten wirkende Dame, die der Spionage und des Hochverrats bezichtigt wird.

Angelehnt an die wahre Geschichte der englischen Sekretärin Melita Norwood (1912–2005) hat sich Regisseur Trevor Nunn einen tollen Stoff vorgenommen. Norwood spionierte jahrzehntelang für Russland, erst 1999, mit 87 Jahren, wurde sie überführt. Dass Nunn aus der Sekretärin eine Physikerin und Cambridge-Absolventin macht – geschenkt. Ärgerlich aber ist, dass ihm gar nichts einfällt für seine filmische Adaption: Bieder inszeniert, voll hölzerner Dialoge erzählt er die Geschichte in einer braven Abfolge von Rückblenden, für die Dench nur Stichwortgeberin ist.

Durch eine Kommilitonin lernt Joan (Sophie Cookson) in den 30er Jahren den smarten Kommunisten Leo (Tom Hughes) kennen, der vom Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung träumt. Die junge Physikerin sympathisiert schnell mit den Ideen ihres Geliebten und arbeitet nach Kriegsausbruch zugleich als Assistentin des Nuklearforschers Max (Stephen Campbell), der sie, beeindruckt von ihrer Kompetenz, in ein geheimes Atomprojekt einweiht. Als Leo sie zur Preisgabe der Pläne drängt, um sie an die Sowjets weiterzugeben, gerät Joan in Gewissensnöte.

Fragen nach der Verantwortung von Wissenschaft und Forschung, die der Film durchaus aufwirft, interessieren Regisseur Nunn kaum, umso mehr aber das problematische Liebesleben der zwischen Leo und Max hin- und hergerissenen Joan. Immerhin gesteht der Film ihr als einziger in einer blass bleibenden Figurenriege einen echten Reifeprozess zu. Hübsch sind auch die gegen das damalige Frauenbild lancierten feministischen Statements.

Am lauen Eindruck ändert das wenig. Sie sei keine Verräterin, erklärt die alte Joan, sie habe angesichts von Hiroshima und Nagasaki nur gewollt, dass alle über das gleiche Wissen verfügen, weil man nur so den Weltfrieden sichern könne. Eine kluge Erkenntnis, die hier wie eine Floskel klingt. (GB/102 Min.) 

Regina Urban

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