Sonntag, 17.11.2019

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"Ich war noch niemals in New York": Einmal richtig auf den Putz hauen

Trotz seiner schlichten Story macht das Musical "Ich war noch niemals in New York" Spaß - 17.10.2019 09:00 Uhr

Hier leuchtet alles in knallbunten Farben: Moritz Bleibtreu (2. von links) und Heike Makatsch (mit Federboa) in „Ich war noch niemals in New York“. © Universal Pictures Germany


Aber Totgesagte leben länger. Besonders das Musical feiert seit dem Erfolg von "La La Land" eine fröhliche Wiederauferstehung.

"Ich war noch niemals in New York" ist nun der deutsche Beitrag zu dieser Welle, basierend auf einer Bühnenrevue nach den Ohrwürmern von Udo Jürgens. Die Story dazu geht so: Die eingebildete TV-Moderatorin Lisa (Heike Makatsch) hat nie Zeit für ihre alte Mutter (Katharina Thalbach). Bis die Seniorin eines Tages in der Küche ausrutscht und sich den Kopf anschlägt.

Das einzige, woran sie sich danach erinnern kann, ist die Titelzeile des Liedes, das gerade im Radio lief: "Ich war noch niemals in New York". Prompt beschließt die alte Dame, das zu ändern, und entert den nächsten Ozean-Dampfer in die USA. Beim Versuch, sie zurückzuholen, bleiben auch Lisa und ihr schwuler Maskenbildner Fred (Michael Ostrowski) auf dem Schiff hängen. Da sie keine Tickets haben, werden sie vom Kapitän zur Arbeit verdonnert. Was aber nicht weiter schlimm ist, denn unter Deck, wo viel griechischer Wein getrunken wird, geht es lustig zu.

Vor allem die Mama blüht richtig auf: "Es ist großartig, nicht mehr zu wissen, wer man ist – denn dann kann man sein, wer man will." Und zum Glück wartet auf jeden der drei blinden Passagiere ein Kandidat für die große Liebe: Der schwule Zauberer Costa (Pasquale Aleardi), der alternde Gigolo Otto (Uwe Ochsenknecht) und der spröde Stochastiker Axel (Moritz Bleibtreu), der eigentlich mit seinem Sohn nach New York fährt, um die Asche seiner Frau in den Wind zu streuen.

Das Tempo stimmt

Klar, die drei parallelen Liebesgeschichten verlaufen wie auf dem Reißbrett, und zwei Stunden sind eine etwas zu epische Laufzeit für solch eine schlichte Story. Aber dennoch macht der Film von Philipp Stölzl richtig Spaß. Das Tempo stimmt, die Gags sind zahlreich, und das völlig aus der Zeit gefallene Kostüm- und Set-Design ist eine wahre Augenweide: Von den 30ern bis heute trug man alles zusammen, was ins Farbschema passt – sogar die Container am Hamburger Hafen leuchten in hellblau, gelb und rosa.

Und man merkt, welchen Spaß die Stars daran hatten, hier richtig auf den Putz zu hauen. Wobei besonders Ochsenknecht und Bleibtreu intime Momente liefern, die immer wieder vergessen lassen, dass man hier eine Nummernrevue absitzt. Die Gassenhauer von Udo Jürgens sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Dieses New York ist eine Reise wert. (D/A/129 Min.)

Peter Romir

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