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"Late Night": Ein Star muss sich neu erfinden

Die Medienkomödie packt mit feinem Witz und einer großartigen Emma Thompson brisante Themen an - 29.08.2019 09:00 Uhr

Mit neuen Witzen ist es nicht getan: Katherine Newbury (Emma Thompson) mit ihrer noch rein männlichen Gag-Schreiber-Runde. © Entertainment One


Was genau das Problem damit sei, will sie von einer Mitarbeiterin wissen. "Ich denke, Sie sind ein bisschen zu alt und ein bisschen zu weiß", so die ehrliche Antwort.

Die das sagt, ist jung, farbig, eine indische Migrantin und die einzige Frau im Autorenteam der Show. Just aus diesem Grund wurde Molly (Mindy Kaling) am Tag zuvor eingestellt: weil Katherines Witze-Lieferanten alles weiße Männer sind und ihr Showrunner Brad (Denis O’Hare) findet, dass mehr Diversität dem Team guttäte.

Mit "Late Night" packen Regisseurin Nisha Ganatra und Mindy Kaling, die auch das Drehbuch schrieb, mehrere brisante Themen unserer Zeit an: Es geht um Geschlechtergerechtigkeit, Hautfarbe, um den Wandel des Showbiz in digitalen Zeiten, um Glaubwürdigkeit und Macht.

Eigentlich interessiert sich die erfolgsverwöhnte Katherine herzlich wenig für ihre Autoren, im Writer’s Room hat sie sich seit Jahren nicht blicken lassen. Als sie ihre Gag-Schreiber dann doch aufsucht, weil die neue Produzentin ihr den baldigen Rauswurf angedroht hat, gibt sie ihnen Nummern. Ihre Namen könne sie sich eh’ nicht merken.

Die forsche Molly, die zwar null Ahnung vom Medienzirkus hat, aber ein glühender Fan von Katherine ist, wartet zu ihrem Einstand gleich mal mit einigen Kritikpunkten an der Show auf: Völlige Ignoranz der sozialen Medien, zu wenig Biss und vor allem der fehlende Mut, die eigenen Überzeugungen auf der Bühne zur Sprache zu bringen.

Klar, dass Katherine das nicht hören will und ebenso klar, dass sie ihre Show, von der sie insgeheim weiß, dass sie nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist, getreu Mollys Empfehlungen aufpeppt. Die Einladung einer Hundevideo-Bloggerin gerät noch zum Desaster. Doch ihre eingespielten witzigen Straßen-Videos, in denen sie nebenbei den Alltagsrassismus aufdeckt, sind der neue Hit der Show. Und wenn sie auf der Bühne ihr persönliches Dilemma öffentlich macht, läuft Emma Thompson zur Hochform auf. Da hält man fast den Atem an, so ehrlich wirken diese Szenen.

Meisterhaft legt die britische Top-Schauspielerin die widersprüchlichen Schichten ihrer Figur frei: Ob in den dramatischen Momenten, als Vollblut-Komikerin oder als beinharte, zickige Diva – Thompson zuzuschauen, ist ein großartiges Vergnügen. Drehbuchautorin Kaling hat der berühmten Kollegin mit dieser Rolle eine Steilvorlage geliefert und spielt ihre Molly selbst als frisch-freche, aber empfindsame Frohnatur.

Man merkt, dass Kaling weiß, wie es hinter den Kulissen des Showbiz zugeht. 2004 kam sie als einzige Frau zum Autorenteam der erfolgreichen TV-Serie "The Office". Dass hier die Rollen umgekehrt werden, die Frauen in den entscheidenden Positionen sitzen, ist letztlich nur ein hübscher Seitenhieb. Vielmehr blickt "Late Night" auf sehr unterhaltsame Weise auf die Härten eines Geschäfts, in dem allein Erfolg und Quoten zählen. (USA/102 Min.)

Regina Urban

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