Mittwoch, 23.10.2019

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"Leberkäsjunkie": Für Eberhofer ist Schluss mit lustig

In "Leberkäsjunkie" setzt die Provinzkrimireihe auf Bewährtes und wartet mit leisen Tönen auf - 01.08.2019 08:00 Uhr

Sebastian Bezzel als Dorfpolizist Eberhofer, der als frischgebackener Vater mit neuen Herausforderungen fertig werden muss. © Constantin


Waren die Provinzkrimis nach den Romanen von Rita Falk am Anfang nur südlich des Weißwurstäquators Kino-Hits, so lacht inzwischen ganz Deutschland über die skurrilen, manchmal ekligen und doch stets irgendwie liebenswerten Bayern. Man merkt, dass sich hier über die Jahre ein Team zusammengefunden hat, das diese Filme mit Herzblut angeht.

"Leberkäsjunkie" bietet erneut all das, was die Reihe groß gemacht hat: Staubtrockenen Humor, Schauspieler mit Mut zur Hässlichkeit, einen genauen Blick auf das Leben in der Provinz. Und nicht zu vergessen: Jene überraschenden Momente, wenn die eigentlich als Karikaturen angelegten Figuren über ihre Klischeehaftigkeit hinauswachsen und einem unerwartet nah gehen. Etwa, wenn Eberhofer und sein Vater (Eisi Gulp) sich über die verstorbene Mutter unterhalten oder ganz nebenbei Themen wie Fremdenfeindlichkeit und Homophobie eingestreut werden.

Wer also die Reihe bisher mochte, kann auch bei "Leberkäsjunkie" beherzt zugreifen. Für Einsteiger ist die Folge dagegen weniger geeignet, da es diesmal vor allem um die behutsame Weiterentwicklung des bekannten Figurenensembles geht. Der Mordfall ist eher Nebensache: Bei einem Hausbrand wird eine völlig verkohlte Leiche gefunden. Hauptverdächtiger ist der farbige Fußballstar des Dorfvereins Buengo – "Der Fuß Gottes" (Castro Dokyi Affum). Doch Eberhofer glaubt nicht an die Schuld des Angolaners. Seine Spur führt ihn zu einem umstrittenen Neubaugebiet am Rande des Dorfes...

Und endet schon fast dort, denn plötzlich fällt Eberhofer auf offener Straße um: Folge seiner schlechten Ernährung. Die vegane Diät von Oma will dem Leberkäsjunkie nicht recht schmecken. Und dann ist da auch noch die stets prekäre Beziehung zu seiner Susi (Lisa Maria Potthoff), die nach der Geburt des Sohnes Paul vollends in die Brüche zu gehen droht. Die Szenen mit dem Baby gehören zu den komödiantischen Highlights des Films: Wenn Eberhofer den Bub mit in die Pathologie nimmt oder selbst einen Ausflug ins Kugelbad unternimmt, bleibt kaum ein Auge trocken.

Inszeniert ist das von Regisseur Ed Herzog mit gewohnt gutem Timing und dem richtigen Gespür dafür, wann Schluss mit lustig sein muss. Auch die Besetzung ist durchweg wieder großartig. Naja, mit einer Ausnahme: Klaus Augenthaler als Trainer des Dorfvereins zu besetzen klingt witzig, scheitert aber daran, dass bei ihm jeder Satz wie abgelesen wirkt. Da merkt man erst, was die echten Schauspieler leisten, die diese "ganz natürlichen" Typen derart glaubhaft zum Leben erwecken. (D/96 Min; Sebastian Bezzel, Lisa Maria Potthoff und Autorin Rita Falk kommen am 10. August zur 17-Uhr-Vorstellung ins Nürnberger Cinecittà.)

Peter Romir

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