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"Once Upon a Time...": Abgerechnet wird zum Schluss

Quentin Tarantinos Film "Once Upon a Time... in Hollywood" entführt in das Los Angeles von 1969 - 20.08.2019 10:35 Uhr

Der abgehalfterte Western-Star und sein Stuntdouble: Leonardo DiCaprio (re.) und Brad Pitt bilden als Rick Dalton und Cliff Booth ein großartiges Kontrastpaar. © Sony


Die Eindringlinge ermordeten die hochschwangere Tate sowie vier weitere Besucher des Hauses auf brutalste Weise.

In der US-Zeitgeschichtsschreibung gelten die Morde als Wendepunkt, an dem die Flower-Power-Bewegung ihre Unschuld verloren hat, auch wenn sie nur sieben Tage später beim Festival in Woodstock noch einmal ihre Friedfertigkeit demonstrierte.

Nun hat sich Quentin Tarantino in seinem neuen Film "Once Upon a Time . . . in Hollywood" des Vorfalls angenommen, aber er spielt das historische Ereignis nur über Bande an. Zunächst einmal geht es dem bekennenden Filmenthusiasten um eine Liebeserklärung an die blühende US- Fernsehkultur jener Jahre. Es ist die Zeit der großen Western-Serien, von denen es damals nur bescheidene Ableger wie "Bonanza" oder "Shilo Ranch" in die deutschen Flimmerkisten schafften. In den USA war das Genre-Spektrum deutlich weiter gefächert.

Im Zentrum der Erzählung steht der (fiktive) Schauspieler Rick Dalton (Leonardi DiCaprio), der es als Star der Kopfgeldjäger-Serie "Bounty Law" zu Ruhm, Reichtum und Alkoholabhängigkeit gebracht hat. Als die Serie abgesetzt wird und Ricks erster Kinoauftritt floppt, wird der erfolgsverwöhnte Schauspieler nur noch als Schurke für einzelne Folgen engagiert, in denen andere Hauptdarsteller in der Gunst des Publikums stehen.

Sein Manager (Al Pacino) versucht Rick zu einem neuen Karrierestart in den aufkommenden Spaghetti-Western zu motivieren. Aber italienische Western? Das ist unter seiner Würde. Ricks einziger Freund ist sein Angestellter Cliff Booth (Brad Pitt). Der Kriegsveteran arbeitete früher als Stuntdouble, wenn es für Rick zu gefährlich wurde. Heute kutschiert er den Auftraggeber, der seine Fahrerlaubnis versoffen hat, durch die Gegend und übernimmt die Hauswartstätigkeiten im großzügigen Anwesen am Cielo Drive. Nebenan wohnen Sharon Tate (Margot Robbie) und der berühmte Polanski (Rafal Zawierucha), dessen Bekanntschaft Rick nur zu gerne machen würde.

In lässigem Erzähltempo folgt Tarantino dem Alltag von Rick und Cliff, die sich auf sehr unterschiedlichen Stufen in der Hollywood-Hierarchie bewegen. DiCaprio, der die weinerliche Egozentrik des kriselnden Stars lustvoll mit großen Gesten ironisiert, und Pitt, der so überzeugend wie immer den supercoolen Hund spielt, ergeben ein wunderbares Kontrastpaar. Tarantino weiß mit den Image-Profilen seiner beiden Stars zu spielen. Da wird Brad Pitt auch schon mal ohne erkennbare Plotrelevanz zur Antennen-Reparatur aufs Dach geschickt. Lässig schlingt er den Werkzeuggürtel um die Hüften, entledigt sich angesichts der Hitze seiner Obertrikotage und darf zeigen, dass er auch unter dem T-Shirt immer noch tadellos in Form ist.

Souverän tragen DiCaprio und Pitt die scheinbar episodische Erzählstruktur, die im Verlauf der 160 Kinominuten fast unmerklich Fahrt aufnimmt und auf den zugrunde liegenden Kriminalfall zuläuft. Allmählich driftet die Hommage an das Hollywood der späten 60er Jahre in eine fiktionalisierte Rekonstruktion der Ereignisse, die mit eruptiver Gewalt den entspannten Grundton des Filmes in der letzten halben Stunde aushebeln.

Wie des öfteren bei Tarantino ist die Drastik dieser Szenen schwer auszuhalten, zumal sie hier nicht als Genrespielerei ausgewiesen sind, sondern reale Ereignisse spiegeln. Dennoch widersetzt sich Tarantino mit einer überraschenden Schlusswendung der Wirklichkeit – ähnlich wie er es schon in "Inglourious Basterds" getan hat, wo seine amerikanische Undercover-Truppe Adolf Hitler samt Entourage im brennenden Kino ins Jenseits beförderte.

Auf den extremen Gewaltausbruch folgt ein geradezu zartes Happy End, das in guter, alter Western-Tradition zeigt, dass anders als in der Realität zumindest im Kino die Gerechtigkeit wieder hergestellt werden kann. (USA/161 Min.)

Martin Schwickert

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