Ende eines Pornostars

"Red Rocket": Independent-Kino made in USA

14.4.2022, 14:55 Uhr
Mikey (Simon Rex) tut sich schwer, in Texas City wieder Fuß zu fassen.

© Universal Pictures Mikey (Simon Rex) tut sich schwer, in Texas City wieder Fuß zu fassen.

Mikey ist pleite. "Ich weiß, dass dies überraschend ist...", erklärt er, als er völlig unerwartet vor der Tür seiner Ehefrau in Texas steht. Gesehen haben sich die beiden lange nicht – die letzten Jahre hat sich Mikey "Saber" Davies (Simon Rex) als Pornodarsteller in Los Angeles verdingt.

Er ist um die 40, ein paar Spuren hat das Leben schon in seinem Gesicht hinterlassen. Und ob all das stimmt, was der muskulöse Typ so von sich erzählt, ist nicht ganz sicher. War er wirklich so etabliert im Sex-Business, als "adult film actor", wie er selbst das nennt? Nun jedenfalls will er zurück in die kleinen Südstaatengemeinde Texas City.

Die Jobsuche gestaltet sich schwierig

Ehefrau Lexi, die sich längst von ihm trennen will, gibt schließlich nach: Ein paar Tage darf Mikey auf ihrer Couch nächtigen – vorausgesetzt, er zahlt dafür. Wo aber soll der abgebrannte Ex-Porno-Mann das Geld herbekommen? Die Jobsuche gestaltet sich schwierig: Wie erklärt man den Leuten, dass man 15 Jahre im Sexgeschäft tätig war? Als er die nicht einmal volljährige Strawberry kennenlernt, will er mit ihr in seinem alten Gewerbe Fuß fassen.

Der 1971 geborene US-Regisseur Sean Baker hat in seinen bislang sieben Filmen stets gezeigt, welche Menschen und Milieus ihn am meisten interessieren. Die Helden sind Kleingauner ("Prince of Broadway"), Pornodarstellerinnen ("Starlet"), Transgender-Sexarbeiterinnen ("Tangerine L.A.") sowie zuletzt – in dem hinreißenden Film "The Florida Project" – die Langzeitbewohner einer Motel-Landschaft am Rande von Disney World.

"Red Rocket" nun spielt zur Zeit des US-Präsidentschaftswahlkampf 2016, und Bakers Anspielungen auf Donald Trump sind unübersehbar. Mikey verhält sich der Welt gegenüber ähnlich moralfrei wie der 2021 wieder abgewählte "America First"- Präsident. Gleichwohl verurteilt Baker seinen Protagonisten nicht. Sympathisch allerdings wird einem dieser Mikey bis zum Ende nicht. (130 Min.)

In diesen Kinos läuft der Film.