Dokumentarfilm

"Speer goes to Hollywood": Als sich Hitlers Architekt reinwaschen wollte

Regina Urban

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11.11.2021, 15:11 Uhr
Szene aus dem Film 

Szene aus dem Film "Speer Goes to Hollywood" © Salzgeber

Im Winter 1971 reiste der junge britische Drehbuchautor Andrew Birkin im Auftrag von Paramount Pictures für mehrere Monate zu Albert Speer nach Heidelberg, um Hitlers einstigen Leibarchitekten und Rüstungsminister für die Verfilmung seiner "Erinnerungen" zu interviewen. Speers 1969 erschienene Memoiren waren ein Weltbestseller und machten ihn drei Jahre nach seiner Entlassung aus dem Kriegsverbrechergefängnis Spandau zum Medienstar.

Dass vieles in dem Buch gelogen war, konnte Birkin nicht wissen. Er trifft 1971 auf einen Mann ohne jedes Schuldbewusstsein, der alle Verantwortung für den Tod von Millionen für die Rüstungsproduktion rekrutierten Zwangsarbeitern von sich weist. Der bestreitet, Antisemit gewesen zu sein und Hitler bewunderte, weil ihn "Macht" grundsätzlich beeindruckte.

Birkins Produzent Carol Reed lehnt die erste Drehbuchfassung als schönfärberisch ab, auch die zweite, für Speer ein "Meisterwerk", wird zurückgewiesen, der Film "Inside the Third Reich" nie realisiert.

Verdrängungsstrategien der Täter

Die Regisseurin Vanessa Lapa hat aus den bislang unveröffentlichten Aufzeichnungen der Gespräche, Archivaufnahmen vom Leben Speers und vom Nürnberger Prozess 1946 einen faszinierenden Film montiert. "Speer Goes to Hollywood" zeigt, wie Speer, der Französisch und Englisch spricht, sich selbst als "guten Nazi" stilisierte. Auf Birkins einfühlsame, aber drängende Fragen weiß er stets eine Rechtfertigung oder täuscht Unwissen vor.

Die Zeugenaussagen vor dem Internationalen Militärtribunal sowie die Bilder, die Speer bei der berüchtigten Rede Heinrich Himmlers zur Auslöschung der Juden 1943 und im KZ Mauthausen zeigen, überführen ihn zugleich der Lüge. Lapas Film entlarvt Speer so als prominentes Beispiel für die Verdrängungsstrategien der Täter und warnt eindrücklich vor der Gefahr, Geschichte umzuschreiben. (97 Min.)

In diesen Kinos läuft der Film.

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