Mittwoch, 23.10.2019

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"Über Grenzen": Margots Trip um die halbe Welt

Der Film zeigt die grenzenlose Neugier auf andere Landschaften, Menschen und Lebensbedingungen - 12.09.2019 08:00 Uhr

Margot Flügel-Anhalt unterwegs. © streetsfilm


Bei dem Wahnsinnstrip, den sie gemacht hat, wären allerdings auch Jüngere ins Schleudern gekommen. Daran lässt die Dokumentation "Über Grenzen" von Johannes Meier und Paul Hartmann keinen Zweifel.

Früher fuhren Omas bestenfalls im Hühnerstall Motorrad. Heute kann man sich problemlos vorstellen, wie Senioren auf einer Harley gemütlich die Route 66 entlangtuckern. In eine ganz andere Richtung führte der Traum, den sich Margot Flügel-Anhalt erfüllte, als sie die Rente erreicht hatte: Sie, die vorher noch nie auf einem Motorrad gesessen hatte, schwang sich auf eine geländetaugliche Honda Enduro und fuhr "gen Osten"; damit meinte sie nicht etwa Jena, sondern die Grenze zu China. Das sind rund 7000 Kilometer. Hin. Und zurück auf einer anderen Route wollte sie ja auch wieder.

Helm auf, Handschuhe an – im Frühsommer 2018 fährt sie von ihrem nordhessischen Heimatdorf los. Die ersten Pannen hat sie noch in Deutschland und Polen. Schon hier erfährt sie etwas, worüber sie tausende Kilometer von zuhause entfernt sehr oft staunen wird: die Hilfsbereitschaft wildfremder Menschen, die sie auch immer wieder braucht.

In der Ukraine wird sie von Mücken attackiert, in Kasachstan hat sie einen Unfall, im Nirgendwo geht ihr bei 35 Grad das Wasser aus. Später kämpft sie sich durch Schlamm und Schneetreiben. Mitunter ist es so kalt, dass sie die Hände am Motor wärmen muss; da ist sie auf fast 5000 Metern Höhe auf dem Pamir-Pass zwischen Kirgisien und Tadschikistan. Und es kommt noch schlimmer. "Nicht ganz easy, so ’ne Reise", sagt sie, als sie sich eine heftige Knöchelverletzung zuzieht – und lacht. Vier Monate dauert ihr Trip, rund zwei Wochen davon wird sie vom Kamerateam begleitet. Die meiste Zeit aber sind da nur Margot und das Motorrad, streunende Hunde, winkende Kinder. Viel filmte sie selbst, mit Handy und Helmkamera.

Schön ist: Margot will keinen Rekord brechen. Sie glaubt auch nicht, dass 60 das neue 30 ist. Was sie antreibt, ist eine grenzenlose Neugier auf andere Landschaften, andere Menschen, andere Lebensbedingungen – all das, was es auf dem Kontinent gibt, auf dem auch sie lebt. Fit ist diese bemerkenswerte Frau nicht nur physisch, sondern auch im Kopf. "Der Aufbruch ist das Schwierigste", sagt sie, "aber das Unterwegssein ist schön und leicht". Auch wenn es manchmal gar nicht so aussieht . (D/109 Min.)

Margot Flügel-Anhalt kommt am 21. September nach Erlangen (Manhattan, 15.30 Uhr) und Nürnberg (Cinecittà, 19.30 Uhr).

Tamara Dotterweich

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