Mittwoch, 23.10.2019

|

zum Thema

"Und der Zukunft zugewandt": Jenseits der Wahrheit

Drama über ein übles DDR-Kapitel - 05.09.2019 08:00 Uhr

Alexandra Maria Lara als Antonia. © Neue Visionen


Dann thematisierte Florian Henckel von Donnersmarck in "Das Leben der Anderen" die erbarmungslosen Methoden der Stasi. Zuletzt spiegelte Andreas Dresens Drama über den Liedermacher "Gundermann" sehr lebensecht die Widersprüchlichkeiten im Arbeiter-und-Bauern-Staat.

Mit dem Historiendrama "Und der Zukunft zugewandt" nähert sich Regisseur und Drehbuchautor Bernd Böhlich nun einem wenig bekannten, aber umso haarsträubenderen Kapitel der DDR-Geschichte. Auf der Basis von Zeitzeugenberichten erzählt er von der fiktiven deutschen Kommunistin Antonia Berger (Alexandra Maria Lara), die 1938 in Moskau unschuldig verhaftet und wegen angeblicher Spionage in Stalins Gulag nach Sibirien gebracht wurde. Erst 1952 – nachdem ihr Mann im Lager kaltblütig erschossen worden war – wird sie gemeinsam mit ihrer Tochter und zwei weiteren Frauen in die DDR entlassen.

Die SED-Funktionäre wissen über Antonias Schicksal Bescheid, von der Partei gibt’s Wohnung, Geld, medizinische Hilfe und einen leitenden Job im "Haus des Volkes". Doch der Preis ist hoch. Antonia muss per Unterschrift versichern, dass sie ihre furchtbare Vergangenheit für sich behält. Die junge DDR sei noch zu instabil, als dass sie die Wahrheit – nämlich die Verbrechen von Genossen an den eigenen Leuten – verkraften könne. Und im Westen würden sich nur die verbliebenen Nazis freuen, warnt der Propaganda-Chef.

Das Drama kommt mit seinem konventionellen Strickmuster und den biederen, wenig überraschenden Szenen wie fürs Fernsehen gemacht daher. Und lieber als in Graustufen zeichnet der Regisseur schwarzweiß. Doch Alexandra Maria Lara spielt in diesem engen Rahmen überzeugend eine Frau, die inmitten des übergriffigen Staates beharrlich an eine glücklich kommunistische Zukunft glaubt. Die identitätszerstörende Kraft des Schweigens spiegelt sich eher in ihren einstigen Lager-Genossinnen. Und als 1989 die Mauer fällt, ist die gealterte Antonia, eine von denen, die sich nicht darüber freuen. (D/108 Min.)

Birgit Nüchterlein

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Kino