Dokumentarfilm

"Wagner, Bayreuth und der Rest der Welt": Auf den Spuren Wagners und seiner Verehrer

28.10.2021, 13:50 Uhr
Eine Szene aus dem Dokumentarfilm 

Eine Szene aus dem Dokumentarfilm "Wagner, Bayreuth und der Rest der Welt". © Filmwelt Verleihagentur/dpa

Katharina Wagner gibt ein Mitarbeiter-Gartenfest mit Bier und Blasmusik. Christian Thielemann führt durch die Technik im Orchestergraben, kann sich im Meisterkurs nicht zurückhalten und verscheucht den Pianisten: "Lass mich mal!" Er zeigt auch "das magische Telefon": "Da ist man ja fast mit Wahnfried verbunden." Der Dokumentarfilm "Wagner, Bayreuth und der Rest der Welt" gibt ungewohnte Einblicke in einen fast mystischen, mindestens aber sagenumwobenen Ort: den Grünen Hügel von Bayreuth.

Es gibt kaum ein Musikfestival in Deutschland, das so viele Menschen kennen – und über das so wenige Menschen wirklich etwas wissen: Die Bayreuther Festspiele sind ebenso ein Phänomen wie Richard Wagner selbst und seine verzückten Anhänger.

All dem widmet sich Regisseur Axel Brüggemann in seinem Film, der sich mit genau diesen drei Themen befasst: dem Komponisten, seinen glühenden Verehrern und den Zaungästen, die Jahr für Jahr einigermaßen staunend hinaufschauen auf den Grünen Hügel.

Einblicke in die Proben

Brüggemann hat Festivalchefin Katharina Wagner und ihre "verwöhnteste Bulldogge der Welt" besucht. Die Liebe zu Hunden zieht sich durch vom Meister, dessen Tiere in unmittelbarer Nähe zu ihm im Garten von Villa Wahnfried begraben liegen, bis zur Urenkelin, die im Film sagt: "Das Vergnügen, ein Wagner zu sein, hält sich manchmal tatsächlich in Grenzen. Weil es natürlich vorurteilsbeladen ist, größtenteils klischeebeladen."

Brüggemann zeigt Einblicke in die Proben und spricht ausführlich mit dem Bayreuther Metzger-Ehepaar Ulrike und Georg Rauch, das viel erzählen kann über die seltsame Welt, in die sich die oberfränkische Stadt für einen Monat im Jahr verwandelt.

Schon allein das ist ein ungeheuer unterhaltsames Unterfangen – vor allem für diejenigen, die sich schon immer für Bayreuth interessierten. Doch die Doku geht noch weit über die Stadt hinaus, so wie die Wagner-Begeisterung auch: 125 Wagner-Verbände mit 30 000 Mitgliedern gibt es weltweit, heißt es im Film, der in Venedig beginnt, der Stadt, in der Wagner 1883 starb und wo seine Anhänger sich heute noch regelmäßig treffen.

Der kleinste Verband existiert in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit nur zwei Mitgliedern. Auch den besucht Brüggemann. "Wir Wagnerianer sind das Heavy-Metal-Ende der Klassik", sagt eine Anhängerin beim Treffen in Venedig. Ein anderer meint mit unerschütterlichem Ernst: "Wagners Musik ist eine Religion für sich. Sie verbindet sich mit dem Kosmos und mit dem Wort Gottes." (98 Min.)

In diesen Kinos läuft der Film.

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