Kulturhauptstadt 2025: Jury-Report ist ein Ärgernis

Birgit Ruf
Birgit Ruf

Feuilleton Nürnberger Nachrichten

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28.11.2020, 16:36 Uhr

Die Jury gibt es uns Schwarz auf Weiß: Wir haben Europa nichts zu sagen, wir haben unser Programm nicht ordentlich entwickelt, wir wissen nicht, wie wir mit der Metropolregion zusammenarbeiten sollen, uns fehlt der Dialog, wir haben unsere Budgets mangelhaft ausgearbeitet, wir waren viel zu sparsam bei der Personalplanung, und, und, und.

Nicht mal eine Fünf

Wer dieses "Zeugnis" des zwölfköpfigen Gremiums liest, der muss zu dem Schluss kommen: Das ist allenfalls eine 5, eher eine 5-. Da hilft es auch wenig, dass die anderen Unterlegenen ähnlich viel einstecken müssen an diesem rabenschwarzen "Zeugnistag".


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Pädagogisch ist das – um im Bild zu bleiben – alles andere als wertvoll. Da wird seit Jahren mantraartig wiederholt, wie gewinnbringend und fördernd so eine Bewerbung für Städte ist. Und jetzt, wenn der Drops gelutscht ist, wird nochmal richtig reingehauen. Motivation sieht anders aus.

Votum wasserdicht machen

Was dahintersteckt, ist schon klar: Die Jury versucht ihre Entscheidung für Chemnitz und gegen die anderen wasserdicht und unangreifbar machen – auch um Gerüchten den Nährboden zu entziehen, es sei nicht alles transparent und nachvollziehbar gewesen. Schließlich ist mit dem europäischen Titelgewinn auch eine Stange Geld verbunden.

An der ein oder anderen Stelle ist die Kritik am Nürnberger Konzept sicherlich nachvollziehbar. Aber der Vorwurf, dass etwa die Universitäten zu wenig beteiligt wurden oder Nürnberg nicht genug auf seine eigene Geschichte referiert hat, ist schlichtweg nicht nachzuvollziehen.

Einfach mal nachfragen

Und wenn der Jury offenbar so vieles unklar geblieben ist, dann wundert man sich, warum sie in den vielen Präsentationsterminen, zu denen die Städte antreten mussten, nicht einfach dezidiert nachgefragt hat.

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