Safari-Park und ein Louvre

Abu Dhabi verpasst sich mit Natur und Kunst ein neues Image

Irini Paul
Irini Paul

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20.11.2021, 07:21 Uhr
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Im "Arabian Wildlife Park" leben unter anderem Gazellen, Antilopen, Giraffen und Geparden, denen man bei einer Safari im Morgengrauen ganz nah kommen kann. © Irini Paul

Und plötzlich ist da diese Stille. An diesem endlos erscheinenden breiten Strand. Nach monatelangen Reisebeschränkungen wegen der Corona-Pandemie wähnt man sich in diesem Moment im Paradies. Sand, Meer, ein paar Palmen und blauer Himmel, während nur ein paar Gazellen auf Wanderschaft den Blick in die Ferne kreuzen.

Die Insel "Sir Bani Yas" ist eine Überraschung für Besucher Abu Dhabis. Denn während in der Stadt viel Verkehr, zahlreiche Hotels, schillernde Einkaufscentern und vor allem ungezählte Baukräne das Bild dominieren, ist man auf dieser kleinen Insel in die Natur katapultiert.

Alles wurde künstlich angelegt

Das rund 87 Quadratkilometer große Eiland steht unter Naturschutz und ist das Zuhause von rund 10000 Wildtieren. Im "Arabian Wildlife Park" leben unter anderem Gazellen, Antilopen, Giraffen und Geparden, denen man bei einer Safari im Morgengrauen ganz nah kommen kann.

Und doch passt die Insel, auf der einst die Scheich-Familie gerne residierte und dort auch Gäste empfing, gut zu dem Emirat, in dem vor allem viel Geld zuhause ist. Denn das steckt auch auf der Insel in jedem Winkel: Jeder einzelne Baum musste hier gepflanzt werden, jedes Tier wurde angesiedelt, das Meerwasser wird in mehreren Anlagen aufbereitet, um den enormen Wasserverbrauch der Bäume zu gewährleisten. Nicht zuletzt ist auf der "Sir Bani Yas" ein exklusives Ressort zu Hause, das viel Luxus, feinste Küche in den Restaurants und Erholung am schönen Sandstrand mit unverdauten Blick bietet.

Die reichste Stadt der Welt

Abu Dhabi ist der größte und erdölreichste Teilstaat der sieben Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), der von der Fürstenfamilie "Al Nahyan" regiert wird. Abu Dhabi ist aber auch eine Stadt, die als reichste der Welt gilt. Wer in ihr mit dem Auto unterwegs ist, zu Fuß geht man hier höchstens in den schillernden und exklusiven Einkaufscentern, dem schlägt schier grenzenloser Wohlstand entgegen.

Prachtbauten, wie etwa die "Sheikh Zayed Moschee", Skylines nobler Hotels mit einem Komfort der Superlative, die in Europa nur für Superreiche erschwinglich wäre, und ungezählte SUVs, die hier unterwegs sind, bestimmen das Stadtbild. Letzteres muss nicht verwundern: Im Emirat kostet ein Liter Benzin zuweilen nur ein Drittel wie ein Liter Wasser.

Seit 2017 ist auf

Seit 2017 ist auf "Saadiyat Island" ein Ableger des berühmten französischen Museum "Louvre" zuhause, das schon aufgrund seiner Architektur selbst als Kunstwerk gelten darf. © Irini Paul

Kaum zu glauben, dass die Bevölkerung am persischen Golf hier noch Mitte der 1950er Jahre ein eher rückständiges Leben führte, der Großteil der Häuser nicht einmal über Wasser und Strom verfügte. Doch der Fund von Öl Anfang der 1960er Jahre katapultierte das Volk, das bis dahin vom Fischfang und dem Verkauf von Perlen und Datteln gelebt hatte, in ein feudales und von Konsum geprägtes Leben. Mit einem Vermögen von 13,5 Milliarden Euro gilt Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan als viertreichster Monarch der Welt.

Lange galt das Land, das mit 67340 Quadratmetern kleiner als Bayern ist, nur als Luxus-Destination. Doch Abu Dhabi will sich längst nicht mehr nur auf sein Öl verlassen, dessen Quellen ohnehin irgendwann versiegen werden, sondern konzentriert sich auch auf den Tourismus. Ganz wie seine kleine Schwester Dubai. Die Konkurrenz ist groß zwischen all dem Luxus, den beide Emirate ihren Gästen bieten können.

Mehr als nur ein Luxusressort

Also versucht Abu Dhabi mehr als nur ein Luxusressort zu sein und setzt dabei auch auf Kunst und Kultur. Seit 2017 ist auf "Saadiyat Island" ein Ableger des berühmten französischen Museum "Louvre" zuhause, das schon aufgrund seiner Architektur selbst als Kunstwerk gelten darf. Es ist ein wahrlich teurer Ableger: Für rund eine Milliarde Euro darf Abu Dhabi den Namen 30 Jahre lang nutzen und bekommt zudem bedeutende Leihgaben aus 13 französischen Museen. Auch hat die Herrscherfamilie bisher etwa 600 Exponate aus eigenen Mitteln für das Museum erworben.

Zimmer mit Ausblick. Abu Dhabi bleibt eine exklusive Destination mit vielen äußerst luxuriösen Hotels.

Zimmer mit Ausblick. Abu Dhabi bleibt eine exklusive Destination mit vielen äußerst luxuriösen Hotels. © Irini Paul

Wer durch die Ausstellungshallen streift, dem zeigt sich ein weltoffenes Abu Dhabi: Kunstwerke aus verschiedenen Kulturen und Religionen werden gleichwertig nebeneinander gezeigt. Man gibt sich modern und offen. Dazu passt auch, dass seit März 2019 ein Teil des Präsidenten-Palastes "Quasr Al Watan" für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Bis dahin war der Einblick dieser Welt aus 1001 Nacht nur Staatsgästen vorbehalten.

Per Kanu durch den Mangroven-Park

Daneben will das Emirat als Wahrer der Natur für sich werben: 30 Prozent der Erdöleinnahmen fließen inzwischen in die Pflege der Natur - so will es ein inzwischen erlassenes Gesetz. So kann man in Abu Dhabi nicht nur auf Safari gehen, sondern auch etwa durch den "Mangrove National Park" per Kajak oder Kanus durchstreifen. Und im "Umm Al Emarat Park", einer 14 Hektar großen grünen Lunge, findet man einen botanischen Garten, viele Tiere und Platz zum Entspannen im Grünen.

Das ehrgeizigste Projekt bleibt "Masdar City": Eine Stadt, die CO2 neutral sein will. Alles dort soll recycelt werden, die benötigte Energie ausschließlich aus erneuerbaren Quellen stammen. 13 Jahre nach dem Spatenstich erweist sich die erste Öko-Stadt der Welt heute allerdings als nur schwer realisierbar. Berechnungen haben inzwischen ergeben, dass die Stadt niemals komplett emissionsfrei sein wird. Nur ein Teil der geplanten Gebäude wurden bis heute fertiggestellt. Es bleibt ein Projekt, das gut zu den Ambitionen Abu Dhabis passt, sich ein neues Gesicht zu geben.

Man würde Abu Dhabi also Unrecht tun, es auf seinen Reichtum zu reduzieren - auch wenn dieser die ungeahnte Vielseitigkeit dieses Teilstaates und seinen besonderen Reiz erst möglich macht. Die Stille auf "Sir Bani Yas" ist dabei nur eine von vielen Überraschungen, die man dabei erlebt.

Mehr Informationen:
bei FTI-Touristik
www.fti.de
und Etihad Airways
www.etihad.com
die diese Reise unterstützt haben.
Anreise/Einreise
ab Deutschland nach Abu Dhabi unter anderem ab Frankfurt und München per Direktflug

Reisende nach Abu Dhabi müssen sich rechtzeitig vor Abflug auf dem Portal ICA Smart Travel Service registrieren. Ausgenommen sind Transitreisende. Auf dem Portal können auch ausländische Impfzertifikate zwecks Anerkennung hochgeladen werden.

Vollständig geimpfte Flugreisende müssen beim Check-in am ausländischen Abflughafen einen negativen PCR-Test vorlegen. Das Testergebnis ist ausgedruckt in englischer oder arabischer Sprache oder der Sprache des Abflugorts mitzuführen. Kinder unter 12 Jahren und Personen mit Behinderungen sind von dem Testerfordernis ausgenommen.

Bei Einreise am Flughafen Abu Dhabi findet verpflichtend ein weiterer PCR-Test statt. Abhängig von Impfstatus und Einreiseland sind in den Folgetagen ein oder zwei weitere PCR-Tests erforderlich. Die aktuell geltende Regelung kann am Flughafen erfragt werden. Kinder unter 12 Jahren und Personen mit Behinderungen sind von den Testerfordernissen ausgenommen.
Beste Reisezeit:
Als Reisezeit eignen sich am besten die Monate November bis Ende März. Dann herrschen angenehme Temperaturen von durchschnittlich 20 bis 25 Grad. In den Sommermonaten erreichen die Temperaturen hingegen oft über 40 Grad.

Tagesaktuelle Informationen zu ihrem Reiseland finden Sie beim Auswärtigen Amt

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