Winter-Abenteuer im Naturpark Karwendel

Achensee: Mit Schneeschuhen auf eiskalter Spurensuche

Nuernberg , 20.06.2016..Ressort: Politik Fotografie: Stefan Hippel..Chefredakteuere der Nürnberger Nachrichten , Michael Husarek , Portrait
Michael Husarek

Chefredakteur Nürnberger Nachrichten

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20.11.2021, 07:29 Uhr
Rodelpartie überm See.

Rodelpartie überm See. © Michael Husarek

Eine Tierspur im Schnee? Sieht eher aus wie ein mit einem Pinsel gezogener Strich. Die Schneeschuh-Geher hätten ihm jedenfalls keine besondere Bedeutung beigemessen. Dank Marina Hausberger wissen die Teilnehmer der winterlichen Almwanderung, wer hier seine Spur in den frisch gefallenen Schnee gezogen hat: Es war der Fuchs, "wenn sein Schwanz am Boden schleift, sieht es so aus."

Die Tierspuren sind nur eine Erkenntnis, die die zehnköpfige Touristengruppe quasi im Vorbeigehen mitnimmt. Etwas später, nahe eines Bachbettes, zieht die Rangerin des Naturparks Karwendel Anschauungsmaterial aus ihrem Rucksack. "Das ist ein Gemsenschädel mit den Hörnern", erklärt Marina Hausberger und zückt zum Vergleich ein ungleich größeres Hirschgeweih. Das Geweih fällt einmal im Jahr ab, die Hörner nicht. Wieder was gelernt.

So geht es eine gute Stunde immer tiefer ins Gerntal weiter, ehe die Pletzachalm zumindest kurzzeitig der Lernbegierde einen süßen Riegel vorschiebt: Kaiserschmarren statt Flora und Fauna. Doch kaum ist der letzte Bissen vertilgt, folgt auf die Theorie eine praktische Lektion. Durch das Spektiv können die Gämsen in ihrer natürlichen Umgebung beobachtet werden. Denn anders als die Steinböcke kommen sie im Winter auch in die tieferen Lagen der Almgebiete, um die nahrhaften Trieben von den Bäumen und Büschen abzuknabbern - oft die einzige Nahrung während der kalten Jahreszeit.

Mit dem Wanderführer auf Tour durch den Winterwald

Die Almwanderung ist nur eine von fünf Schneeschuh-Wanderungen, die der Achensee Tourismus werktags im gut gebuchten Programm hat. Am Ende jeder Tour ist das Verständnis für eine ganz besondere Gegend, den Naturpark Karwendel, gewachsen. Das mit 727 Quadratkilometern größte Tiroler Schutzgebiet, das an den Rändern auch Deutschland erreicht, besticht durch ursprüngliche Landschaft.

Dass Langläufer ebenso wie die Schneeschuh-Geher in den Genuss dieses außergewöhnlichen schönen Areals kommen können, zählt zweifelsohne zu einem weiteren Pluspunkt der Region. In Pertisau, einem kleinen 500-Einwohner-Ort am Ufer des Achensees, beginnen 100 Kilometer herrliche Loipen, die die Langläufer auch tief ins Gern- und Falzthurntal hineinführen.

Damit übersteigt das nordische Angebot das alpine bei weitem. Rein zum Alpin-Skilaufen lohnt eine der Achensee-Gemeinden nur für Familien - wenn der Nachwuchs einen Anfänger-Skikurs besucht und die Eltern etwa gern Langlaufen gehen. Denn die Pisten der Karwendelbergbahnen sind für bessere Skifahrer rasch abgefahren. Eine Seilbahn und zwei Schlepplifte umfasst das Angebot. Unten an der Talstation warten noch weitere Übungslifte auf den Nachwuchs.

Rodeln mit grandiosem Ausblick

Anders sieht es für Schlittenfahrer aus: Immerhin 4,5 Kilometer Länge hat die Rodelbahn, die von der Bergstation der Standseilbahn bis ins Tal führt. Ein großer Spaß mit grandiosen Ausblicken auf den Achensee. Ob aus dem Skigebiet oder am Rodelhang, ob beim Spazierengehen oder beim Planschen im Freizeitbad Atoll, das auf der anderen Seeseite in Maurach liegt - das bis zu 133 Meter tiefe Gewässer ist omnipräsent.

Den Achensee kennen auch all diejenigen, die mit dem Auto in andere Regionen unterwegs sind - viele Wintersportler nutzen den Weg entlang des Sees als pickerlfreie Alternative zur mautfreien Anfahrt etwa ins Zillertal. Urlaubermassen machen in den Seegemeinden Achenkirch, Maurach und Pertisau oder in den Nachbarorten Steinberg und Wiesinger allenfalls kurz Station - für die Tourismusregion ist das eher Segen denn Fluch.

Schneeschuh-Wanderung mit der Rangerin des Naturparks Karwendel Marina Hausberger.

Schneeschuh-Wanderung mit der Rangerin des Naturparks Karwendel Marina Hausberger. © Michael Husarek

Massentourismus hätte die dörfliche Struktur der Achenseegemeinden wohl längst zerstört, hätte Plänen nach größeren Skigebieten Vorschub geleistet und somit den besonderen Charme gefährdet. Christoph Leithner, Skischulbeitreber, Sportgeschäftinhaber und einer der Motoren des Tourismusgeschäfts in Pertisau beschreibt das so: "In Zeiten, in denen alle in Superlativen denken, ist das, was wir hier zu bieten haben, kein Superlativ - oder eben doch."

Denn die wunderbare Mischung aus verschiedensten Wintersportangeboten - vom Wandern übers Langlaufen, dem Skifahren bis zum Rodeln - macht das Besondere dieser Region aus. Einer Gegend, in der nicht nur die Tierspuren erst auf den zweiten Blick entdeckt werden. Und einer Gegend, die durch ihre "kompakte Breite" besticht, wie es Christoph Leithner formuliert. Für jeden etwas - das ist deutlich mehr, als man im Vorbeifahren erahnen kann.

Mehr Informationen:
Achensee Tourismus, www.achensee.com oder Tel.: 00 43 / 595 / 3000.

Anreise:
mit dem Auto dauert von Nürnberg aus knapp drei Stunden, mit dem Zug geht es bis nach Jenbach ins Zillertal und von dort mit dem Bus weiter (je nach Verbindung kann die Anreise bis zu sechseinhalb Stunden dauern).

Unterkunft:
Als günstigere und gut gelegene Unterkunft für Familien bietet sich ein Appartment in Pertisau an. Beispielsweise im Haus All Suite Hotel Garni & Appartments Leithner.

Luxuriös kann im Hotel Travel Charme Fürstenhaus am Achensee logiert werden.

Beste Reiszeit:
Januar bis März

Österreich im zeitlich beschränkten Voll-Lockdown: Das gilt

VON MATTHIAS NIESE

Lange schien Winterurlaub in Österreich zumindest für Geimpfte, Genesene und Getestete möglich (3G). Nun gilt dort 2G und bis 20.12. sogar ein Lockdown für alle, danach für Ungeimpfte. Am 13.12. soll evaluiert werden, ob der Voll-Lockdown die Inzidenzen spürpar senkt. Seit Montag, 22. November, benötigen Personen, die bei der Einreise nach Österreich weder eine Impfung noch eine Genesung nachweisen können, zwingend einen PCR-Test. Schnelltests reichen nicht mehr. Alle benötigen eine Einreiseanmeldung.
Diese Notbremse soll den Inzidenzwert von knapp 1000 (Stand 18.11. - Österreich ist RKI-Risikogebiet) so schnell wie möglich senken und auch die Wintersaison retten.

Die Gondeln der Karwendel-Bergbahn.

Die Gondeln der Karwendel-Bergbahn. © Michael Husarek

Geimpfte und Genesene etwa aus Deutschland können aber langfristig weiterhin Skiurlaub planen –, falls die Regeln nicht noch verschärft werden. Ungeimpfte müssen nach der Rückkehr in Deutschland in Quarantäne, auch ungeimpfte Kinder (also i.d.R. unter Zwölfjährige) –, was Familien vor Probleme stellt, selbst wenn die Eltern geimpft oder genesen sind. Zumal sie bei Rückkehr etwa am Ende der Ferien im Quarantänefall die Schulpflicht der Kinder verletzen.

Ninja-Pass stellt Kinder nach Test mit 2G gleich

Um auch Schulskilager zu ermöglichen, sind in Österreich Kinder „bis zum Ende der Schulpflicht“ von 12 bis 15 Jahren von 2G ausgenommen. Das Land verhandelt bereits mit wichtigen Touristen-Herkunftsländern wie Deutschland und verweist auf seinen „Ninja-Pass“: Durch regelmäßiges, kostenloses Testen werden damit Kinder dem 2G-Nachweis gleichgestellt.

Wien will sogar erreichen, dass Kinder mit einem PCR-Test unmittelbar vor Heimreise in Deutschland nicht in Quarantäne müssen – bislang ohne Erfolg, weitere Verhandlungen folgen.
Und so setzt Österreich darauf, mit harten Corona-Maßnahmen ganz bald von der RKI-Liste der Risikogebiete gestrichen zu werden – Zeitpunkt und Ausgang ungewiss.

Kinder machen Pause vom Skilaufen in Österreich.

Kinder machen Pause vom Skilaufen in Österreich. © Matthias niese

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