12°

Mittwoch, 23.10.2019

|

zum Thema

Achtung, Absturzgefahr: Selbstportrait für Lebensmüde

Immer mehr Destinationen weisen Verbotszonen für Selfie-Sticks aus - 24.05.2019 11:29 Uhr

Todesmutig balanciert dieser japanische Geschäftsmann auf der Brüstung – Hauptsache, es gibt ein tolles Foto. © iStock.com/petriartturiasikainen


Ein Selfie vom Ende der Welt wurde einer 35-jährigen deutschen Touristin im letzten Jahr zum Verhängnis, als sie die World's End genannte Klippe im Horton-Plains-Nationalpark in Sri Lanka hinabfiel.

Sie hatte längst nicht so viel Glück wie der Niederländer, der erst drei Jahre zuvor am gleichen Ort beim Fotografieren abgestürzt war, aber nach 45 Metern an einem Baum hängen blieb und so gerettet werden konnte.

Erst Mitte 2018 hatte ein indisches Wissenschaftlerteam die weltweiten Selfie-Unfälle genauer beziffert. In der Zeit von Oktober 2011 bis November 2017 starben demnach 259 Menschen beim Aufnehmen eines fotografischen Selbstportraits, die meisten davon in Indien.

Männer nahmen darunter mit 72,5 Prozent den größten Anteil ein sowie mit 182 Fällen jüngere Menschen unter 30 Jahren. In der Altersgruppe von 50 bis 69 waren lediglich fünf Personen betroffen.

Ertrinken vor Verkehrsunfällen

Die Forscher fanden bei der Auswertung englischsprachiger Zeitungsartikel auch heraus, dass die Haupttodesursache auf Reisen das Ertrinken war, gefolgt von Verkehrsunfällen und Stürzen sowie Feuer. Es dürften allerdings viel mehr Unfälle sein, denn nicht jeder wird mit den entsprechenden Informationen gemeldet.

Was kann man tun, um Selfie-Unfälle zu verhindern? Das russische Innenministerium hat schon im Jahr 2015 einen Ratgeber für sichere Selfies herausgebracht. Darin wird vor den größten Unfallrisiken nach Art eines Verbotsschildes gewarnt.

Die Behörden sahen sich zu diesem Schritt veranlasst, als sich die Unfälle durch Selfies deutlich häuften. Erst im Januar 2015 hatten sich zwei junge Männer aus dem Uralgebirge in die Luft gesprengt, als sie für ein Selfie mit einer entsicherten scharfen Handgranate posierten.

Die Klippe könnte einstürzen

Und an manchen Touristen-Hot-Spots werden inzwischen sichere Standorte ausgewiesen, an denen Selfies gemacht werden können, ohne dabei in Gefahr zu geraten. Es entstehen aber auch immer mehr No-Selfie-Zonen, in denen auf die besondere Gefährdung durch das Aufnehmen eines Selbstportraits an diesem Ort hingewiesen wird.

Doch auch das hilft nicht immer. Eine Sicherheitsüberprüfung des australischen Wedding Cake Rock, der von Touristen gern für Selfies genutzt wird, hatte vor einigen Jahren ergeben, dass der Felsvorsprung aus Kalkstein jederzeit einstürzen könnte.

Die Behörden verboten daher das Betreten des Felsvorsprungs und sperrten die Gefahrenzone mit einem 1,6 Meter hohen Zaun ab. Zuwiderhandlungen wurden mit 300 Dollar Strafe belegt. Doch vielen Touristen scheint das völlig egal zu sein. Seit Mitte 2016 sind schon über ein Dutzend Selfie-Fotografen über den Zaun geklettert – und das sind nur die, die dabei erwischt wurden. Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein.

Christian Satorius

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Reise