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Ägypten: Kairo und Oase statt Rotes Meer und Ruinen

Das Land hat viel mehr zu bieten als Pyramiden und Strände - 08.02.2020 07:44 Uhr

Obst und Gemüse werden in Kairo in Geschäften, häufig aber auch einfach an den Straßenecken verkauft. © Silke Roennefahrt


So schnell wird man also zum Fotomodell! Als wir in einer kleinen Gruppe deutscher Touristen durch den Chan el Chalili-Basar von Kairo schlendern, kommen wir nicht weit. Nicht nur, weil in den engen Gassen mit ihren vielen kleinen Geschäften und den um Käufer buhlenden Händlern ohnehin kaum ein Durchkommen ist, sondern weil wir – vor allem die blonden Frauen unter uns – hier offenbar ein nicht alltäglicher Anblick sind. Kaum eine Familie, die nicht schnell das Smartphone zückt und nach einem gemeinsamen Foto fragt. Nette Begegnungen, die aber auf Dauer doch etwas anstrengend sind. Unser Reiseführer Aladyn Kotb setzt dem Treiben irgendwann energisch ein Ende.

Ein Besuch der ägyptischen Hauptstadt mit ihren rund zehn Millionen Einwohnern empfiehlt sich ohnehin nur in fachkundiger Begleitung, denn die Metropole und zugleich größte Stadt Afrikas macht es Besuchern nicht leicht.

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Zeitreise durch das unbekanntere Ägypten

Von der Megacity Kairo bis ans Rote Meer: Wer durch Ägypten reist, der lernt ein Land der Gegensätze kennen. Während Kairo mit orientalischem Flair und der jahrtausendealten Pharaonen-Kultur punktet, warten in der Wüste Stille und Entspannung. Am Roten Meer darf dann gebadet und gefeiert werden.


Das fängt schon mit der Fahrt vom Flughafen ins Zentrum an. Mehrspurig schiebt sich der Verkehr in die Stadt hinein, die Fahrer wechseln die Spuren ohne erkennbares System und hupen sich den Weg irgendwie frei, wenn sie nicht gerade im Dauerstau stehen. "Die Stadt ist eine einzige große Garage geworden", stöhnt Kotb. "Und das größte Problem ist das Benehmen der Autofahrer."

Kotb, der unter anderem in Innsbruck studiert hat, lässt trotz dieser Kritik keinen Zweifel daran, dass diese chaotische Stadt mit ihrer Mischung aus heruntergekommenen Wohnblocks, prächtigen Villen im Kolonialstil und mächtigen Moscheen für ihn auch eine sehr schöne ist. Und diese schönen Seiten zeigt er auch uns.

Zum Beispiel, als er uns durchs koptische Viertel lotst, das für den Autoverkehr teilweise gesperrt ist. Hier geht es ruhiger zu, und statt des Rufens eines Muezzins hören wir als Erstes vertrautes Glockengeläut. Kein Wunder, schließlich sind die Kopten eine christliche Gemeinschaft. Sie haben hier unter anderem die berühmte "Hängende Kirche" erbaut, die so heißt, weil sie im dritten Jahrhundert auf dem Torhaus der römischen Festung Babylon errichtet wurde — ein Stück gläserner Boden gibt den Blick darauf frei.

Die eigentlichen Sensationen warten noch

Wir sehen auch die Sergios-und-Bakchos-Kirche, in der einst angeblich die Heilige Familie auf ihrer Flucht nach und durch Ägypten Zuflucht gesucht hat. Gleich nebenan erinnert die Ben-Esra-Synagoge an eine weitere Legende: Hier wurde Moses in seinem Körbchen entdeckt.

Die Al-Hakim-Moschee ist eine der schönsten in Kairo. © Silke Roennefahrt


Man könnte noch viel mehr dieser Geschichten hören, doch die eigentlichen Sensationen warten ja noch auf uns — zum Beispiel das ebenfalls etwas chaotische Ägyptische Museum. Menschenmassen pilgern durch das Haus, das seine größten Schätze in unscheinbaren, an Apothekerschränkchen erinnernden Vitrinen präsentiert.

Wer sich vorher gefragt hat, warum es eines rund 900 Millionen Euro teuren Neubaus im Stadtteil Gizeh bedarf, der dieses Jahr eröffnet werden soll, kennt jetzt die Antwort: Keine Spur von moderner Museumspädagogik, scheinbar willkürlich reihen sich die Exponate aneinander. Und doch ist der Besuch ein Erlebnis — "Jedes Mal wieder", findet Kotb, der seit 30 Jahren Touristen durch das Haus begleitet.

Er führt uns ein in die faszinierende Welt der Pharaonen, zeigt uns die Statuen von Chephren, Nofret und Rahotep und natürlich die goldene Totenmaske von Tutanchamun. Ein weiterer Höhepunkt wartet rund 15 Kilometer entfernt, auch wenn der Anblick zunächst eine kleine Enttäuschung ist: Die Pyramiden von Gizeh liegen nicht etwa idyllisch in der Wüste, wie die meisten Fotos vermuten lassen, sondern direkt am Rand der Großstadt. Doch das nimmt dem einzigen bis heute erhaltenen Weltwunder der Antike nichts von seinem Zauber.

Besonders beeindruckend ist die Erkundung der Cheops-Pyramide von innen – empfehlenswert aber nur für Menschen, die keine Angst vor engen Räumen haben, denn der Weg führt zunächst durch einen schmalen Gang mit einer Höhe von nur rund 1,20 Meter. Danach geht es noch eine steile Stiege hinauf, die Luft ist feucht und riecht modrig. Und dann öffnet sich der Raum plötzlich zur Grabkammer mit ihren Wänden aus Granit. "Das ist kein Bauwerk, sondern ein Kraftwerk", sagt Kotb. "Manche glauben, der Energiefluss sei hier besonders stark." Ob das nun stimmt oder nicht: Ein unvergessliches Erlebnis ist das Eintauchen in das 5000 Jahre alte Monument in jedem Fall.

Ein Bad in einem Wasserfall in der Oase Fayun. © Silke Roennefahrt


Das gilt auch für den anschließenden Abstecher in die Oase Fayoum, genau wie Kairo Teil einer Rundreise des Reiseveranstalters FTI. Knapp zwei Autostunden von der Hauptstadt entfernt liegt der "Gemüsegarten Kairos", der von einem Arm des Nils gespeist wird. Hier werden unter anderem Oliven und Obst angebaut, zwei künstlich angelegte Seen dienen als Wasserreservoir.

Geprägt wird die Landschaft durch den 50 Kilometer langen Quarun-See und durch die Wüste mit dem Naturschutzgebiet Wadi al Rayan — der ideale Ort, um nach dem Trubel in Kairo wieder etwas auszuspannen.

Zum Beispiel bei einem Bad im "Magic Lake", der seine Farbe je nach Tageszeit und Lichteinfall wechselt, zum Beispiel bei einer Jeep-Tour durch die karge Dünen-Landschaft. Wobei die Berg- und Talfahrt nichts für schwache Nerven ist, denn unser Fahrer Sobhy Elagyza muss das Gaspedal kräftig durchtreten, um die Sandhügel zu erklimmen. Zum Abschluss holt der 37-Jährige noch ein paar Holzbretter aus dem Kofferraum und lässt uns auf diesen "Sandboards" die Dünen herunter rutschen. Eine Art Schlittenfahrt mitten in der Wüste — mehr Gegensatz geht kaum.

Mehr Informationen:
FTI Touristik
www.fti.de
Anreise:
Hurghada wird z.B. von Tuifly täglich ab Nürnberg in knapp viereinhalb Stunden angeflogen, von dort geht es per Inlandsflug weiter nach Kairo.
Luxuriös wohnen:
Byoum Lakeside Hotel
www.byoumhotel.com
Günstig wohnen:
Auf der Rundreise stehen einige günstige Quartiere zur Auswahl.
Beste Reisezeit:
Ägypten ist ein Ganzjahresziel, für Rundreisen sind Frühjahr, Herbst und Winter optimal, im Sommer ist es dafür zu heiß.

Redaktioneller Hinweis:
Die Recherche für manche Artikel in dieser Ausgabe wurde von Reiseveranstaltern, Hotels, Fluglinien oder Tourismusverbänden unterstützt. ​Informationen des Umweltbundesamts über die Möglichkeit, den CO₂-Ausstoß Ihrer Reise zu kompensieren:
www.umweltbundesamt.de/themen/freiwillige-co2-kompensation

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