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Alte Riesen auf Kuschelkurs

Ein Besuch bei den Schildkröten der Seychellen - 22.06.2019 08:00 Uhr

Dieses Schildkrötenmännchen lässt sich nur allzu gerne von Touristenführer Brandon Laruex kraulen. © Claudia Beyer


Sein Hals ist faltig, er fühlt sich weich, fast zerbrechlich und angenehm kühl an — immerhin herrschen auf den Seychellen das ganze Jahr um die 30 Grad. Behutsames Kraulen, mit jeder Berührung wird der Hals länger. Mit seinem Kopf schabt er leicht an meiner Wade. Spontan habe ich die geschätzt 250 Kilo schwere und 45 Jahre alte Schildkröte No-Name getauft. Bis auf eine Ausnahme sind hier alle der rund 300 Aldabra-Riesenschildkröten namenlos.

Auf den ersten Blick monströse Tiere, faszinierend in ihrer Gelassenheit. Sie müssen den Menschen nicht mehr fürchten. Vor allem für Seeräuber waren die sanften Riesen in den letzten Jahrhunderten eine leichte Beute. Ihr Fleisch war beliebt, zumal man die Tiere problemlos als "lebende Konserven" auf langen Reisen mitnehmen konnte. Die Menschen jagten sie außerdem wegen ihres Panzers.

Auf der Insel Curieuse, ein mit hoch aufragenden Granitfelsen, herrlichen Stränden und dichten Mangrovenwäldern beliebtes Ausflugsziel, laufen die Riesenschildkröten frei herum und tummeln sich zwischen den Touristen. Nur von Track fehlt jede Spur, "er ist mit seinen 110 Jahren hier der Älteste seiner Art", erzählt Brandon Laruex, der die Besucher übers Eiland führt. Track sei wohl gerade im dicht bewaldeten Inselinneren unterwegs. Dort vergraben die Tiere auch ihre Eier.

Die Insel Curieuse war früher Leprakolonie

Um den Nachwuchs vor hungrigen Vögeln und Krabben zu retten, gibt es auf Curieuse auch eine Aufzuchtstation, die "Tortoise Nursery". Ehemals war hier eine Leprakolonie. Heute leben keine Menschen mehr auf der fünftgrößten Seychellen-Insel vor der Ostküste Afrikas.

Eine Touristin hält No-Name saftige Blätter hin, die er mit kraftvollen Bissen verschlingt. Aldabra-Riesenschildkröten sind immer hungrig, so scheint es. Sie haben vertikal geschlitzte Nasenlöcher und die Fähigkeit, durch die Nase zu trinken. Die Touristen haben Respekt vor diesen Giganten, die auch fauchen können, wenn ihnen etwas nicht gefällt.

Und so posiert mancher Urlauber fürs Foto lieber mit sicherem Abstand neben den Kolossen. Dabei lauert auf den Seychellen die eigentliche Gefahr in der Luft, davon zeugt auch eine Delle im mächtigen Panzer von No-Name: herabfallende Kokosnüsse.

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Seychellen mal anders: Bei den Riesenschildkröten

Zwischen Traumstränden, tierischen Erlebnissen und Natur: Die Inselgruppe vor der Ostküste Afrikas hat bis heute dem Massentourismus entsagt. Die Seychellen wurden im späten 18. Jahrhundert besiedelt, erst kamen die Franzosen, dann die Engländer. Gleich nach der Unabhängigkeit 1979 wurden viele Gebiete unter Naturschutz gestellt. Inzwischen ist über die Hälfte (!) der Fläche geschützt. Der eigentliche Luxus auf den Seychellen ist die nahezu unberührte Natur.


Noch viel gewaltigere Früchte wachsen auf Curieuse und vor allem auf der Nachbarinsel Praslin. Die einzigartige Coco-de-Mer-Palme produziert die größte "Nuss" der Welt. Ihre Frucht wiegt über 18 Kilo. Auf Praslin können Touristen dieses Wunder der Natur im Nationalpark Vallée de Mai bestaunen, ein nahezu unberührter Urwald, in dem auch Flughunde und die seltenen Schwarzpapageien leben. Der Eintritt, der umgerechnet bei 20 Euro liegt, fließt in den Naturschutz. Das gehört zum Konzept. Umweltschutz und Tourismus sollen vereint werden.

Kulisse unzähliger Werbefilme

"Die älteste Palme im Vallée de Mai ist 25 Meter hoch und über 300 Jahre alt", weiß Frauke Fleischer-Dogley. Als Geschäftsführerin der Seychelles Islands Foundation betreut sie die beiden Unesco-Weltkulturerbestätten: neben Vallée de Mai auch das Aldabra-Atoll, auf dem sich mit rund 150 000 Tieren die weltgrößte Population von Riesenschildkröten befindet. Wer hätte gedacht, dass es auf den Seychellen fast doppelt so viele Aldabra-Exemplare wie Einwohner gibt? Und dass von den 115 Inseln lediglich 21 von Menschen bewohnt sind und nur 17 touristisch genutzt werden?

Die Inselgruppe wurde im späten 18. Jahrhundert besiedelt; erst kamen die Franzosen, dann die Engländer. Gleich nach der Unabhängigkeit des Inselstaates 1979 wurden viele Gebiete unter Naturschutz gestellt; inzwischen ist über die Hälfte der Fläche geschützt.

Wie von einem Riesen hingeworfen wirken die Granitfelsen. © Claudia Beyer


Der eigentliche Luxus ist die nahezu unberührte Natur. Es gibt spezielle Vogelschutzinseln wie Cousin. Einst eine einzige Kokosnussplantage, ist das Eiland heute ein wichtiges Rückzugsgebiet für seltene Tier- und Pflanzenarten. Geführte Ausflüge sind deshalb nur stundenweise möglich.

Um das authentische Inselleben kennenzulernen, sollten Urlauber La Digue besuchen. Auf der heimeligen Fahrradinsel, deren Strände als Kulisse unzähliger Werbefilme dienen, sind Autos die Ausnahme, was ungemein zur entspannten Atmosphäre beiträgt. Rastalocken und Reggae begegnet man hier vielerorts, die harmlose Palmspinne hängt überall zwischen den elektrischen Leitungen.

Bisher hat der Inselstaat erfolgreich dem Massentourismus entsagt, "dafür sorgen nicht zuletzt strenge Bauvorschriften, Auflagen für Landgewinnung, Abwasser- und Müllentsorgung sowie der Schutz der Strände", sagt Fleischer-Dogley. "Wir wissen, dass jegliche Form von Massentourismus unserer Wirtschaft sogar schaden würde. Es ist keine Wahl, sondern die einzige Überlebensstrategie." Die Regierung hat daher ein umfangreiches Umwelt- und Naturschutzkonzept entwickelt, das auch 30 Prozent der riesigen Meeresfläche des Landes einschließt.

Viele Hotels helfen mit – wie Raffles Seychelles auf Praslin. Das Luxus-Ressort macht sich für die heimische Tier- und Pflanzenwelt stark und prodzuiert so wenig Plastikmüll wie möglich. Es gibt Strohhalme aus Bambus, das Wasser aus eigener Quelle wird in Glasflaschen abgefüllt. Auf dem Hotelareal leben elf gerettete Schildkröten. Viele stammen aus einer nicht artgerechten Haltung, andere waren krank.

"Sie sind zwischen 80 und 115 Jahre alt", erzählt Elvis Ogony – und somit allesamt älter als der 35-Jährige, der sie pflegt. "Es sind so faszinierende Tiere", schwärmt er. In der Tat. Allein der Anblick, geschweige denn das Kraulen einer Aldabra-Riesenschildkröte, fühlt sich unvergleichlich an.

Mehr Informationen:

Trauminsel Reisen

www.TrauminselReisen.de,

die die Reise unterstützten.

Anreise:

Direktflug ab Frankfurt / Main oder ab München mit Zwischenstopp in Doha.

Günstig wohnen:

Gästehäuser vermittelt www.seychelles.travel/de

Luxuriös wohnen:

Raffles Seychelles
www.raffles.com/seychelles

Beste Reisezeit:

Ganzjährig Temperaturen um 30 Grad, von Dezember bis März regnerisch. 

Claudia Beyer

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