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Auf dem Pico de Fogo ganz oben

Der Vulkan auf den Kapverdischen Inseln ist der zweithöchsten Punkt im Atlantik - 09.03.2019 08:00 Uhr

Gut 3000 Meter ragt der Pico de Fogo über den Atlantik. Von dort oben bietet sich Wanderern einen fantastischen Blick über die Insel. Allerdings steigt aus dem Krater stinkender Schwefelqualm auf. © Matthias Niese


Kalt und noch finster ist es. Wir sehen den Pico de Fogo nur als Scherenschnitt, tiefschwarz hebt sich die Feuerspitze vor strahlendem Sternenhimmel ab. Den bekommen wir Mitteleuropäer daheim so nie zu Gesicht, weil immer irgendwo eine Laterne leuchtet.

Hier in der Caldera vor diesem höchsten Vulkan der Kapverdischen Inseln gibt es nachts kein künstliches Licht. Die Generatoren der Häuser springen erst um sechs Uhr früh wieder an und speisen fahle Funzeln in schlichten Räumen mit Energie. Dafür strahlen gerade die Milchstraße und die Venus mit dem Rest des Firmaments um die Wette. Was für ein Einstieg in ein kleines Abenteuer auf der Insel Fogo!

Ganz früh brechen wir auf, um der Hitze des Tages zu entgehen, schließlich sind wir schon im tropischen Bereich mitten im Atlantik, 500 Kilometer westlich der Küste des Senegal. Später brennt uns die Sonne steil auf den Kopf, doch jetzt haben wir Stirnlampen aufgesetzt. Sie werfen so früh am Morgen etwas Licht in hellwache Gesichter. Wir sind nicht müde, Adrenalin fließt durch unsere Adern.

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Die Kapverden sind Afrika für Einsteiger. Wie die Kanaren oder die Azoren liegt der Archipel im Atlantik, doch die Bevölkerung ist nicht weiß, sondern bunt bis schwarz. Viel exotischer geht es hier zu, was Wanderer bei wunderbaren Touren durch Dörfer, Städte, tropische Täler und auf Vulkane erleben.


Cecilio zeigt auf die Spitze dieses Stratovulkans, der typischer nicht aussehen kann, weil er sich steil wie ein Kegel aus dem weiten Lavafeld der Caldera eines viel älteren und ehemals noch tausend Meter höheren Vulkans erhebt. Der rutschte allerdings einst ins Meer ab.

"Nach 1100 Metern Aufstieg haben wir 2750 Höhenmeter am Kraterrand erreicht. Dann sind es noch gut 80 Meter bis zum höchsten Punkt auf 2829 Metern überm Meeresspiegel", sagt er. Der Pico de Fogo ist nach dem Teide auf Teneriffa die zweithöchste Erhebung im Atlantik.

Wir verlassen im Gänsemarsch die Casa Danilo, dieses einfache Gästehaus einer liebenswürdigen Familie. Schritt für Schritt knirscht schwarze Asche unter den Stiefeln. Wir queren Lavazungen, die bei mehreren Ausbrüchen zwei Dörfer verschluckt haben — noch immer spitzen Dächer aus dem kantigen Gestein.

Was ein Fluch ist, ist andererseits Segen: Die Vulkanasche ist fruchtbar, hier wachsen Gemüse und sogar Wein, beständig ziehen von Norden Feuchtigkeit bringende Wolken in die Caldera. Also kamen die heimatlos gewordenen Menschen auch nach dem verheerenden Ausbruch vom 23. November 2014 zurück, hackten ihre Häuser mit Pickeln aus der Lava heraus und wagten den Neuanfang.

Nebenbei führen sie Touristen durch die unwirtliche Mondlandschaft bis hinauf auf den Gipfel. Mehrere Gruppen sind am frühen Morgen aufgebrochen und setzen nun ab dem Fuß des Kegels stoisch Schritt für Schritt hintereinander.

In engen Serpentinen wandern wir über Asche und dann hinein in einen Streifen aus Geröll. "Wir gehen ganz langsam, niemand soll außer Atem kommen. Aber achtet immer darauf, wo ihr Euren Fuß hinsetzt, Konzentration!", rät Cecilio.

Wie Astronauten hüpfen wir beim Abstieg die schwarze Aschepiste hinab.


Eine 72-Jährige läuft mit, sie wollte einmal im Leben einen Vulkan besteigen und bestimmt das Tempo, gönnt sich Verschnaufpausen und setzt dann sicher ihren Weg nach oben fort.

Für etwas Geübte ist der Aufstieg leicht zu bewältigen. Erst recht für einen kleinen braunen Mischlingshund. Quasi mit All-Pfotenantrieb flitzt er hinter uns her, überholt schnuppernd und schwanzwedelnd und rennt hechelnd weiter gen Gipfel. "Das ist Lucky, der läuft jeden Tag rauf, begrüßt oben die Wanderer und hofft, etwas vom Proviant abzubekommen. Wenn alle wieder weg sind, steigt er alleine hinab", verrät Cecilio.

Dieses sportliche Hündchen verleiht auch dem Schlappsten wieder Flügel, und als wir nach gut drei Stunden aus dem Schatten des Berges auf die Sonnenseite steigen, machen wir auf einer flacheren Stelle Pause und beißen hungrig in der Morgensonne in unser Ziegenkäsebrötchen.

Beim Blick nach oben scheint der Kraterrand nah zu sein, doch die Entfernungen täuschen. Über eine Stunde liegen noch vor uns, und es wird immer steiler. Höhenangst sollte man jetzt nicht mehr haben, wie beim Blick aus dem Flugzeugfenster breitet sich tief unten die Landschaft aus.

Nun sind alle am Keuchen, in Gedanken zählen wir Schritt für Schritt mit: 1 und 2 und 1 und 2 und 1 und 2 .. .

Ein letzter Griff, ein letzter Schritt und wir blicken über die Felskante hinunter in den Krater. Aus gelben Schwefelfeldern qualmen stinkende Gase empor, doch einige scheinen sich sogar in diesen Schlund der Hölle hinunter gewagt zu haben - aus Steinen legten sie dort unten ihre Namen. Wohl wissend, dass der Pico de Fogo hochaktiv ist und jederzeit wieder ausbrechen kann - allerdings wird er wohl nur noch aus seinen Flanken fauchen, vermuten Wissenschaftler.

Wer noch Kraft hat, klettert die letzten 80 Höhenmeter an einem Stahlseil entlang über steile Abhänge auf den höchsten Punkt. Hier steht man dann — die Arme ausgebreitet, die Inselwelt und den Atlantik zu Füßen — und fühlt sich wie der König der Welt. Ein falscher Schritt und man purzelt hinab, so steil ist es ringsherum.

Auf diese emotionale Belohnung am Gipfel folgt die Belohnung des Abstiegs. Der geht Wanderern normalerweise noch mehr in die Knochen als der Aufstieg, doch wir fühlen uns nach einer knappen Stunde über Fels und Geröll plötzlich wie Astronauten auf dem Mond.

Eine schwarze Piste liegt vor uns, das riesige dunkle Aschefeld des Vulkans. Jubelnd hüpfen wir hinein, landen mit den Stiefeln in den weichen, luftigen Steinchen, die unsere Sprünge abfedern. Fröhlich gleiten und hopsen wir in nur 20 Minuten rasant bis an den Fuß dieses so außergewöhnlichen Berges und stauben uns so richtig ein.

Mehr Informationen:

Wikinger Reisen, Spezialist für Wanderreisen weltweit.

www.wikinger.de, der diese Reise unterstützt hat.

Anreise:

Mit TAP Air Portugal über Lissabon nach Praia, ab Deutschland etwa sieben Stunden.

www.flytap.com/de-de

Günstig wohnen:

Casa Danilo in der Cha das Caldeiras auf Fogo. Saubere, einfachste Zimmer bei einer Bauernfamilie, kein Internet, kein Telefon. Im Programm bei Wikinger oder via Agentur vor Ort.

Stilvoll wohnen:

Pousada Bellavista, charmantes altes Herrenhaus in Sao Filipe auf Fogo.

https://pousadabelavista.cv

Beste Reisezeit:

Ganzjährig bei Temperaturen zwischen 21 und 30 Grad, im August und September eher heiß mit gelegentlichen tropischen Regenfällen.

 

Matthias Niese

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