Achtung, Touristenfallen!

Auf diese Abzocker-Tricks sollten Sie im Urlaub gut vorbereitet sein - kennen Sie alle?

20.7.2021, 13:55 Uhr
Plötzlich fährt in Osteuropa der ADAC vorbei, äh, oder ist´s ein Sattelschlepper der Band ACDC? Auf alle Fälle ist hier was faul.

Plötzlich fährt in Osteuropa der ADAC vorbei, äh, oder ist´s ein Sattelschlepper der Band ACDC? Auf alle Fälle ist hier was faul. © ADAC SE

Man könnte meinen, dass man darauf unmöglich hereinfallen kann: Es kommt ein gelber Pannenabschleppwagen mit dem Logo des ADAC, nur falsch geschrieben. ACDC prangt in großen Lettern darauf. Der ADAC warnt gerade vor solchen Betrügern. Und das sind nicht die einzigen, die Urlauber in die Geldfalle locken.

Der Klassiker, bei dem man nur verlieren kann: Hütchenspieler tauchen fast überall dort auf, wo unbedarfte Touristen in Massen auftreten. Hier auf La Rambla in Barcelona.

Der Klassiker, bei dem man nur verlieren kann: Hütchenspieler tauchen fast überall dort auf, wo unbedarfte Touristen in Massen auftreten. Hier auf La Rambla in Barcelona. © imago images/mm images/Waldkirch, NNZ

Die Nummer mit der falschen Pannenhilfe ziehen Betrüger vor allem in Bulgarien, Kroatien und Slowenien ab, außerdem in der Slowakei, in Litauen und in Polen. Die vermeintlichen Pannenhelfer bieten dort ihre Hilfe an, und in der Hektik fällt der Buchstabendreher nicht auf.

Was viele nicht wissen: Die Betrüger installieren Störsender in ihren Fahrzeugen, die eine Mobilfunkverbindung unmöglich machen. Dann sollten Autofahrer ihr Fahrzeug abschließen, sich einige Meter entfernen und von dort den ADAC-Auslandsnotruf kontaktieren.

Auch in Tschechien sollten Autofahrer auf der Hut sein: Echte wie falsche Polizisten fordern Fahrer auf, anzuhalten. Grund: Bußgelder für kleinere Verkehrsdelikte. Die falschen Polizisten entwenden bei der angeblichen Kontrolle Geld, echte Beamte nötigen Touristen, ein höheres Bußgeld als üblich zu bezahlen. Sie drohen damit, den Führerschein einzubehalten. Wer auf eine ordnungsgemäß ausgestellte Quittung mit Stempel und Unterschrift besteht, kommt vielleicht noch günstiger davon.

Räuber bringen Touristen zum Anhalten

Auch sonst kann man während der Fahrt nicht sicher sein: Mit getürkten Pannen bringen Räuber hilfsbereite Touristen zum Anhalten. Ein brennendes Taschentuch unterm Auto oder ein Wagen, der schräg an der Straße steht – wer da schon mal helfend eingegriffen hat, musste hinterher feststellen, dass Kamera, Handy, Handtaschen und andere Dinge fehlten.

Wenn Sie bei einer Panne helfen, kann es sein, dass ein Komplize Ihre Wertsachen aus dem Auto nimmt.

Wenn Sie bei einer Panne helfen, kann es sein, dass ein Komplize Ihre Wertsachen aus dem Auto nimmt. © imago images/dolgachov, NNZ

Vor allem in südosteuropäischen Ländern sind manchmal Begegnungen mit Polizisten nicht viel wert. Denn die sind oft nicht echt, etwa bei fingierten Geschwindigkeitskontrollen auf der Autobahn. Die Reisenden werden angehalten und aufgefordert, sofort ein Bußgeld zu bezahlen. Tipp: Manchmal reicht es schon, nach dem Dienstausweis zu fragen, um Betrüger in die Flucht zu schlagen. Zahlen ist aber oft sicherer, als sein Bares mit dem Leben zu verteidigen. Die Beträge sind mit 30 oder 40 Euro in der Regel zu verschmerzen. Wer sich das Nummernschild merkt, kann bei der nächsten Polizeidienststelle Anzeige erstatten.

Falsche Polizisten durchwühlen das Gepäck

Etwas komplizierter ist es bei vermeintlichen Drogenkontrollen. Dabei durchwühlen die "Polizisten" das Gepäck. Versuchen Sie, die Wertsachen vor der Wagendurchsuchung an sich zu nehmen. Überhaupt trägt man die Wertsachen besser am Körper, etwa im Brustbeutel oder Geldgürtel. Denn auch wer zu Fuß unterwegs ist, wird Opfer von Motorraddieben, die während der Fahrt die Taschen mitreißen. Auch hier gilt: Auf keinen Fall festhalten. Im ungünstigsten Fall wird man solange mitgeschleift, bis ein Riemen reißt.

Besonders dreiste und geschickte Motorraddiebe sind zu zweit unterwegs: Der erste rammt den Rückspiegel des Wagens, sodass er nach außen kippt. Wer dann aus dem Fenster greift, um ihn wieder in Position zu bringen, muss damit rechnen, dass ein zweiter die Armbanduhr klaut.

Während man zahlt, werden die Räder manipuliert

Auch an Tankstellen ist man vor Betrug nicht sicher: Manchmal ist der Tankwart dreist und bucht von der Kreditkarte einen höheren Betrag ab als den tatsächlich getankten. Andere tauschen freundlich Wischerblätter und anderen Kleinkram aus und verlangen dann horrende Summen für Ersatzteile. Oder man bezahlt ahnungslos seinen Tankbetrag, während sich draußen Ganoven an Autoreifen oder Auspuff zu schaffen machen. Das Ergebnis: Ein paar Kilometer weiter ist eine Zwangspause nötig, die freundlichen Helfer haben auf die Wertsachen im Wagen abgesehen.

Ins Gespräch verwickelt und weggelockt: Wer sein Gepäck derart unbeaufsichtigt stehen lässt, riskiert, ohne Gepäck verreisen zu müssen.

Ins Gespräch verwickelt und weggelockt: Wer sein Gepäck derart unbeaufsichtigt stehen lässt, riskiert, ohne Gepäck verreisen zu müssen. © imago images/Geisser, NNZ

Wer sich im Urlaubsland ein Auto mietet, sollte ebenfalls ganz genau hinsehen: Kleine Firmen bieten Supersparpreise an. Die Extrakosten im Kleingedruckten übersteigen dann oft den Mietpreis renommierter Firmen, bei denen man von Zuhause aus bequem und abgesichert hätte buchen können.

Individualurlauber, die sich ihre Unterkunft vor Ort suchen, verlassen sich am besten auf Reiseführer oder Tourismusämter. Die Empfehlungen Unbekannter, die sich an Bahnhöfen oder vor Flughäfen aufdrängen, entpuppen sich meist als unbewohnbare Zimmer zu überhöhten Preisen.

Oft sind bettelarme Kinder mit dem Auftrag unterwegs, bei Fremden abzusahnen. Sie lenken ab durch Pappschilder, die es zu lesen gilt, oder durch Kleinkram, den sie anbieten. Dabei sind sie geschickte Taschendiebe. Auch der Besuch einer Diskothek oder Bar kann mit einer Pleite enden. Nicht selten sind Urlauber ohne Papiere, Geld und Schmuck in einem Hinterhof aufgewacht, weil jemand K.o.-Tropfen ins Bier oder den Cocktail gemischt hatte.

Touristen bezahlen oft das Mehrfache

Harmlos, aber ärgerlich, ist da die Sache mit den unterschiedlichen Preisen: "Farang have money to much", hörte ein Thailand-Urlauber, der eine Kassiererin darauf ansprach, warum er fünfmal mehr für den Eintritt bezahlen müsse als ein Einheimischer. Überall dort, wo Eintritts- oder Menüpreise überteuert erscheinen, lohnt sich ein zweiter Blick auf eine etwaige Preisliste für Einheimische.

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Immer wieder warten Makler von Ferienanlagen mit Time-Sharing-Angeboten auf. Sie versprechen: Für einen Beitrag X plus Steuer plus Gebühren wird man Anteilseigner und kann zu festgelegten Zeiträumen immer wieder kommen und seine Wohnung auch gegen andere Wohnungen tauschen. Laut Europäischem Verbraucherzentrum sind Beiträge zwischen 1000 und 5000 Euro üblich.

Der Haken: Dass die Clubanlage nie gebaut wird, wird einem erst nach und nach klar, und dann ist es zu spät. Die Betrüger haben das Geld vom Konto geräumt und fangen mit neuen Kunden und neuen Konten wieder von vorn an. In Sachen Time-Sharing sollte man nur auf seriöse Unternehmen setzen - Verbraucherzentren geben dazu Auskunft. Und: Unterschreiben Sie nie etwas unter Zeitdruck!

Der eigene Rechner wird gehackt

Wichtige E-Mails abrufen, Kontostand prüfen, das Rückflugticket buchen – dank WLan, Laptop und Internet-Café ist das alles einfach geworden. Darin liegt die Tücke: Fremde Computer sind oft nicht ausreichend mit Firewalls und Virenschutz gesichert – oder noch schlimmer: Es befindet sich bereits ein Spionageprogramm auf dem Rechner, das Passwörter, Konto und Kreditkarten des Nutzers ausspäht.

Komisch, es scheint sich jemand heute früh im Hotel auf dem Rechner eingehackt zu haben.

Komisch, es scheint sich jemand heute früh im Hotel auf dem Rechner eingehackt zu haben. © imago images / Panthermedia, NNZ

Also: Online-Banking und -shopping am besten vermeiden, am Ende den Verlauf und die Cookies löschen und sich abmelden. Der eigene Computer sollte unbedingt mit einer Firewall und Antivirenschutz gesichert sein.

Verlassen Sie sich auf Ihr Gefühl. Ein Anrempler, eine vergünstigte Eintrittskarte, eine geschenkte Blume, ein kaputtes Taxameter oder gar ein inszenierter Unfall – sobald etwas merkwürdig aussieht, ist es wahrscheinlich so.

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