Kulturhauptstadt mit viel Geschichte

Bad Ischl: Auf den Spuren von Sisi und Franz

28.8.2021, 07:05 Uhr
Bad Ischl wird mit dem Salzkammergut bald Kulturhauptstadt Europas Ein Besuchermagnet ist die Kaiservilla, in der die Kaiserfamilie ihre Sommerfrische verbrachte

Bad Ischl wird mit dem Salzkammergut bald Kulturhauptstadt Europas Ein Besuchermagnet ist die Kaiservilla, in der die Kaiserfamilie ihre Sommerfrische verbrachte © Daniel Leitner, TVB Bad Ischl, NNZ

Nur zwanzig Minuten soll "Sisi" zu Fuß von der Sommerresidenz der Habsburger auf den Hausberg Jainzen gebraucht haben. Geübte Geher laufen fast eine Stunde von der gelb gestrichenen Kaiservilla auf den Gipfel. Wie die Kaiserin mit eng geschnürtem Korsett, vielen Unterröcken und Hofdamen im Schlepptau das wohl geschafft haben mag? Markus von Habsburg-Lothringen (75), Ururenkel des Kaiserpaares, winkt bei Rekordmeldungen wortlos ab. Er bewohnt mit seiner Familie einen Trakt der weitläufigen Villa und führt ab und zu auch noch selbst Besucher durch den als Museum gestalteten Teil des Anwesens.

Diesen Part übernimmt an diesem Tag sein 36 Jahre alter Sohn Maximilian. Mit nahezu unerschöpflichem Wissen über Familien- und Landesgeschichte geleitet der studierte Betriebswirt die Besucher durch das Anwesen, das Kaiser Franz Joseph seiner Braut Elisabeth zur Hochzeit schenkte.

Viele Räume wirken, als wären Sisi und Franz gerade erst abgereist. Das Speisezimmer ist für eine kleine Runde mit edlen Gläsern, Porzellan und Tischschmuck eingedeckt. Im Arbeitszimmer des Kaisers stehen auf einer Anrichte Pfeifen und der Schreibtisch des Monarchen wirkt so, als sei er nur für einen Moment verlassen worden. Anekdoten über die hochprominenten Bewohner lässt er sich der ernsthafte Kaiser-Ahn kaum entlocken.


Im Salzkammergut stehen sie über den Dingen


Aber beim Rundgang erfährt man doch so einiges aus dem Leben des Monarchen-Paares: Während der Kaiser fast jeden Sommer seines immerhin 86 Jahre langen Lebens in Bad Ischl verbrachte, reiste die Kaiserin auch gerne in andere Gegenden: Ungarn, Meran, Korfu, Madeira und auch das fränkische Bad Kissingen hatten es der Kaiserin angetan.

Mit 40 Pferden auf Reisen

Wenn sie aber in Bad Ischl war, dann richtete sie sich nach ihren Bedürfnissen ein: Die sehr sportliche und figurbewusste Herrscherin – ihr Taillenumfang betrug 51 Zentimeter - ließ unterhalb der Villa ein Schwimmbad erbauen. Heute ist an dieser Stelle das kommunale Freibad. Als passionierte Reiterin wollte sie aber auch nicht ohne ihre edlen Rösser sein und holte bis zu 40 Tiere aus Wien. In der Villa gibt es ein Zimmer mit unzähligen Portraits ihrer Liebligspferde.

Kaiser mit intensiver Jagdleidenschaft

Aber auch ihr Gemahl war bis ins hohe Alter sehr aktiv. Und zwar als Jäger: Rund 50.000 Tiere soll er in seinem Leben geschossen haben – einige tausend Trophäen von Gämsen, Hirschen und Rehböcken hängen in den Treppenhäusern und Räumen der Villa. Ansonsten galt Franz Joseph I. als sehr pflichtbewusstes und fleißiges Staatsoberhaupt: Auch in der "Sommerfrische" empfing der Kaiser Minister, Gäste und Abordnungen und arbeitete viele Stunden an seinem Schreibtisch. 1914 unterzeichnete er in Bad Ischl die Kriegserklärung an Serbien, die den Ersten Weltkrieg auslöste.

Der Schreibtisch von Franz Joseph sieht aus, als sei er nur kurz verlassen worden. 

Der Schreibtisch von Franz Joseph sieht aus, als sei er nur kurz verlassen worden.  © Clara Grau, NNZ

Mit Bad Ischl und dem Salzkammergut verband die Habsburger schon viele Jahrhunderte das Salz aus den Bergen. Bis zu einem Viertel des Jahresetats stammten aus dem Handel mit dem "weißen Gold".

"Salzprinzen" sorgten für Ruhm des Kurbads

Salz in Form von Solewasser soll aber auch den Fortbestand der Dynastie gesichert haben: Weil die Ehe von Franz Karl von Österreich und Erzherzogin Sophie lange kinderlos blieb, riet ein Arzt zu einem Kuraufenthalt in Ischl. Der zeigte Erfolg: Die Erzherzogin bekam drei Söhne, die "Salzprinzen" und eine Tochter, die früh verstarb. Fortan kurte nicht nur der Hochadel, sondern alles, was in der Wiener Gesellschaft Rang und Namen hatte, in der oberösterreichischen Kleinstadt. Prachtvolle Gebäude und eine Flaniermeile an der Traun, die Esplanade, entstanden. Künstler ließen sich nieder. Darunter Franz Lehár, der in Bad Ischl seine bekanntesten Operetten, darunter die "Lustige Witwe" schrieb.


Kulturhauptstadt-Verfahren: Intransparentes Millionenspiel


An die glanzvolle musikalische Vergangenheit knüpfte auch die Kulturhauptstadtbewerbung an: Zahlreiche Konzerte und Musikfeste sind für 2024 geplant. Die 14.000 Bewohner zählende Stadt und die sehr ländlich geprägte Region will aber auch noch andere Themen angehen, wie der frühere Bürgermeister, heutige SPÖ-Europaabgeordnete, Hannes Heide, erzählt. So leidet das Salzkammergut unter dem Bedeutungsverlust der industriellen Salzgewinnung – das "weiße Gold" ist heute ein Billigprodukt, dass in der Chemieindustrie und zum Streuen glatter Straßen verwendet wird. Und auch der zwei Jahrhunderte lang boomenden Tourismus läuft mancherorts nicht mehr von allein. "Investitionsstau" nennt das Heide. Dafür haben einige Orte, etwa Hallstatt, mit kaum noch lenkbaren Besucherfluten vor allem aus China zu kämpfen. Bad Ischl beklagt sich bislang noch nicht über Besuchermassen. Der Kurort, der 2022 auch noch das 200. Jubiläum als Bäderstadt feiert, ist vorwiegend bei österreichischen Gästen beliebt. 2024 könnte sich das freilich ändern.

Mehr Informationen: Tourismusverband Bad Ischl, Auböckplatz 5, 4820 Bad Ischl, Österreich, Tel.: 0043 6132 27757

Anreise: Etwas über vier Stunden und gut 370 Kilometer ab Nürnberg. Mit Bahn und Bus über Salzburg oder über Passau und Linz in fünf Stunden.

Wohnen: Hotel Goldenes Schiff Tel.: 0043 6132 - 24241 Beste Reisezeit: ganzjährig

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