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Bayerischer Wald: Brücke in die gute alte Zeit

Auf der Via Nova und beim Eselwandern kommen die Gäste wieder zu sich - 25.05.2019 07:48 Uhr

Der Pilgerweg Via Nova führt auch über diese Hängebrücke an der Buchberger Leite.


"Hier verweilen wir, was für ein schöner Platz an der Ilz", schlägt Rosina vor. Sie holt ein Büchlein aus ihrem Rucksack und liest eine kurze Geschichte vor. Sie handelt vom Innehalten, vom Genießen des Augenblicks, von Dankbarkeit, in dieser schönen Gegend besondere Momente zu erleben, gerade bei guter Witterung.

Zwischendurch wird schweigend gewandert. Dadurch werden die Eindrücke aus der Natur noch intensiver. Zuletzt geht es steil bergauf zur Schlossgaststätte Fürsteneck. Nach so viel geistiger Nahrung laben sich die Pilger allzu gerne an Rehbraten oder selbst gebackenem Kuchen.

Der Naturpark Bayerischer Wald erstreckt sich im Südosten Deutschlands von der Donau bis zu den Hochlagen mit seinem markantesten Punkt, dem Großen Arber mit 1456 Metern, höchster Berg dieses Mittelgebirges. Der Nationalpark Bayerischer Wald liegt in direkter Nachbarschaft und setzt sich auf der tschechischen Seite fort. In einem riesigen Areal können die Besucher Bär, Luchs, Wolf und Elch in ihrer natürlichen Umgebung beobachten.

Und sie sehen dabei etwa, wie schwierig es für einen Bären ist, mit seiner Tatze samt den langen Krallen einen Stein zu drehen. Doch der Halbwüchsige gibt nicht auf. Ein anderer Bär schaut interessiert zu. Es ist ein Glücksfall, auf die gesamte Bärenfamilie in ihrem weiträumigen Gehege im Nationalpark zu treffen. An manchen Orten im Park ist das undurchdringliche Chaos, einst typisch für den Bayerischen Wald, wieder zu finden. Hier soll sich über die Jahre ursprüngliche Natur entwickeln ohne wesentliche Eingriffe des Menschen.

Ein Esel mit eigenem Kopf

Wer früher im Bayerischen Wald siedeln wollte, stand vor beinahe unlösbaren Herausforderungen. Eine der ältesten Siedlungen ist Rinchnach, das auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblickt. Beim St-Guntherfest wird an den Ortsgründer – den mächtigen Reichsgrafen – erinnert. Ein besonderes Kleinod ist die Seitenkapelle der sehenswerten Barockkirche, die einzige Kapelle in Bayern mit einer Verzierung aus echten Flussperlenmuschelschalen.

Mensch und Wildnis wieder miteinander vertraut machen möchte die Initiative WaldZeit. Zum Beispiel mit Wanderungen in Begleitung von Eseln. "Nun komm schon Jim Knopf. Stell dich nicht so störrisch an!" Der kleine Graue hat seinen eigenen Kopf. Aber ist das nicht eines der Merkmale von Eseln? Und wer möchte schon an diesem heißen Tag den schattigen Platz unterm Baum verlassen?

"Dort drüben haben Biber eine Burg errichtet." Eva Weiß, heute in Funktion einer Eselsmutter, deutet auf einen Hügel von übereinandergestülpten Holzstücken. Bald finden Mensch und Tier eine gemeinsame Gangart auf ihrem Weg durch blühende Wiesen.

Der Natur besonders nahe kommen Wanderer bei einer Tour in den benachbarten tschechischen Nationalpark Šumava, der um ein Vielfaches größer ist als der deutsche Teil. Auf deutscher Seite stürzt tosend das Wasser der Großen Ohe in die wildromantische Steinklamm bei Spiegelau. Hier haben sich aufgrund der besonderen klimatischen Gegebenheiten seltene Pflanzen angesiedelt. Das Naturspektakel ist nur eine kurze Gehzeit vom Ort entfernt, der im Nationalpark und an der Glasstraße liegt.

Es nieselt. Die Wolken haben sich in den hohen Bäumen verfangen. Am Abend wird es ruhig im Nationalpark. Noch ein letzter Gang durchs Freigehege. Tatsächlich haben sich die Luchse aus ihrem Versteck gewagt. Mit geschmeidigen Bewegungen durchstreifen sie ihr Gelände. Für den späten Wanderer Grund zum Innehalten und Staunen.

Mehr Informationen:
TVB Ostbayern
www.ostbayern-tourismus.de
und Nationalpark Bayerischer Wald
www.ferienregion-nationalpark.de,
die die Reise unterstützten.
Anreise:
Ab Nürnberg per PKW nach Spiegelau 250 Kilometer, per Bahn alle zwei Stunden in gut drei Stunden. Vor Ort weiter mit der Ilztalbahn.
Günstig wohnen:
Gasthof Mühle Rinchnach
www.gasthof-muehle.de
Luxuriös wohnen:
Wellnesshotel Jagdhof
www.jagdhof-roehrnbach.de
Beste Reisezeit: ganzjährig.

Rainer Hamberger

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