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Bequem die Alpen queren

Eine neue Tour von der Zugspitze bis nach Südtirol für Einsteiger - 15.06.2019 08:00 Uhr

Mächtige Wände und blühende Alpenrosen am Wetterstein-Massiv. © Georg Pawlata


Meterhoch türmten sich lange die Schneemassen auf der Zugspitze, mit 2962 Metern der höchste Berg Deutschlands. Nasse und kalte Füße müssen die Wanderer, die sieben Tage lang auf der "Alpenjuwelen"-Tour von Bayern bis nach Südtirol wandern wollen, aber nicht befürchten.

Die nostalgische Zugspitzbahn zuckelt zunächst ganz gemächlich von Garmisch-Partenkirchen auf die Aussichtsplattform. Von hier ist das Gipfelkreuz zum Greifen nah und über 400 Alpengipfel sind bei schönem Wetter zu sehen. Die eigentliche Wanderung startet eine Etage tiefer: Mit der Seilbahn geht es zur Station Riffelriß und dann zu Fuß etwa acht Kilometer leicht bergab auf guten Wegen durch Bergwald und über Wiesen.

Das erste Etappenziel Ehrwald ist ein Tiroler Dorf wie aus dem Bilderbuch: Umgeben von blühenden Wiesen und vor der Kulisse des mächtigen Wettersteingebirges wirken die bauchig-barocke Kirche Maria Heimsuchung und geraniengeschmückte Häuser besonders pittoresk.

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Alpenjuwelen: Eine bequeme Fernwanderung von der Zugspitze nach Südtirol

Auf dieser Tour erleben Sie einige der schönsten Regionen der Berge - in bequemen Quartieren, mit Halbpension und Gepäcktransport. Ideal für Einsteiger und nicht so trittsichere Menschen.


"Ich will Wanderern, die es ruhiger angehen lassen möchten, verschiedene alpine Landschaften und ihre Höhepunkte zeigen, sagt Georg Pawlata, der Erfinder der "Alpenjuwelen". Der studierte Geograf konzipierte auch die seit vielen Jahren sehr beliebten Alpenüberquerung vom Tegernsee nach Sterzing. Bei diesem Angebot werden den Gästen ebenfalls keine sportlichen Höchstleistungen abverlangt, es gibt Gepäcktransport sowie komfortable Quartiere im Tal.

Aber dennoch: "Bei der Alpenüberquerung sind immer wieder Gäste an ihre Grenzen gekommen", so die Erfahrung des 45 Jahre alten Innsbruckers. Er hat deshalb vier Jahre in den Bergen recherchiert und nun eine noch gemütlichere Variante zusammengestellt.

Seilbahnfahrten statt knackiger Aufstiege

Nun sind 76 Wanderkilometer auf sechs Tage verteilt, knackige Aufstiege und schwere Wegpassagen werden durch Seilbahnfahrten oder Kleinbus-Transfers umschifft. Mehr als 400 Höhenmeter im Auf- und 800 Höhenmeter im Abstieg sind nicht zu bewältigen. Unterwegs gibt es Einkehrmöglichkeiten. Alle Wege lassen sich auch von Menschen, die noch nie vorher in den Bergen waren, gut gehen. "Man muss nicht schwindelfrei sein", so Pawlata.

Auch mit Kindern sind die Etappen nach Einschätzung des Innsbruckers gut zu bewältigen. Das Gepäck wird von einem Begleitfahrzeug von Hotel zu Hotel gefahren, und wenn man einmal nicht wandern möchte, kann man sich von diesem ebenfalls zur nächsten Unterkunft bringen lassen.

Der Erfinder der Strecke, Georg Pawlata, hat die Strecke mit schwarzem „J“ auf den Tafeln markiert. © Clara Grau


Eine Etappe verpassen wollen die Wanderer, die zum Saisonstart im Juni unterwegs sind, auf keinen Fall. Denn am zweiten Tourentag wartet ein längerer Spaziergang durch eine Region, die als "Kanada Tirols" bezeichnet wird. Wildromantisch, entlang eines immer breiter werdenden Gebirgsbaches, quetscht sich das Gaistal durch einen Einschnitt zwischen Wettersteingebirge und Mieminger Kette. Auf den 15 Kilometern bis in die Gemeinde Leutasch gibt es mehrere Almen, die müden und hungrigen Wanderern Speckknödel und Apfelstrudel servieren.

Ob man auf der Almterrasse länger verweilt, zwischendurch die Füße in den Gebirgsbach hält oder flott durchmarschiert, bleibt jedem selbst überlassen. "Jeder Gast bekommt für jeden Tourentag eine genaue Wegbeschreibung, eine Karte und GPS-Daten", erklärt Georg Pawlata. Gewandert wird also auf eigene Faust. Ziel ist jeweils das Hotel am Zielort.

Schwieriger Weg zurück in die Zivilisation

An den folgenden Tagen wird die Landschaft wilder – auf den Etappen in den Zentralalpen hat man zum Beispiel die gletschergekrönten Dreitausender der Stubaier- und Zillertaler Alpen vor Augen. Bereits am fünften Tag erreicht man Südtirol und lernt im Meraner Land wieder neue Bergwelten kennen: Entlang von Waalwegen, die zur Bewässerung angelegt wurden, geht es durch sanfte Weinberge.

Ein echtes Juwel ist die letzte, etwa zwölf Kilometer lange Wanderetappe von Mölten nach Jenesien. Auf dem Bergrücken Salten stehen Lärchenbäume locker verteilt auf saftigen Weiden mit Haflingerpferden. Rundherum bietet sich ein atemberaubendes Panorama auf die Dolomiten, die Brenta-Gruppe und das Adamello-Massiv.

Nach einer Woche gemächlichen Gehens in der ruhigen Bergwelt ist die Rückkehr in die Zivilisation nicht ganz so einfach. Aber auch dafür hat sich Georg Pawlata etwas überlegt: Mit einer 80 Jahre alten Gondelbahn geht es ganz langsam von Jenesien durch die Weinberge hinab nach Bozen. Bei einem Stadtbummel kann man sich langsam wieder an eine urbane Umgebung gewöhnen.

Mehr Informationen:
ARGE Weitwandern
www.alpenjuwelen.com, die die Reise unterstützte.
Anreise:
Mit dem Auto oder der Bahn von Nürnberg nach Garmisch rund 260 Kilometer.
Günstig wohnen:
Im Matratzenlager auf der Gaistalalm in Leutasch
www.gaistalalm.at
Luxuriös wohnen:
Sporthotel Schönruh
www.hotel-schoenruh.com
Im Paket gebucht beinhaltet die Reise komfortable Quartiere mit Halbpension und Gepäcktransport.
Beste Reisezeit:
Zwischen Juni bis September, sonst Schnee möglich. 

Clara Grau

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