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Bordeaux mit dem Wohnmobil: Schlösschen auf Rädern

Der Südwesten Frankreichs lässt sich prima im Camper erkunden - 02.03.2019 07:04 Uhr

Prächtiges Bordeaux: An diesem Wasserspiel im Zentrum erfrischen sich Große und Kleine. © Matthias Niese


Austern sind nicht jedermanns Sache. Jedenfalls wird die salzig-glibbrige Spezialität in Frankreich weit stärker geschätzt als in Deutschland. Doch der Abstecher zur Cité de l'Huître lohnt sich selbst für Kostverächter. In diesem Museum wird nicht nur erklärt, wie diese Meeresfrüchte angebaut und geerntet werden. Die Besucher sind mittendrin: In vier Originalhütten von Züchtern werden Biologie, Land und Leute und Geschichte der Austernkultur vorgestellt.

Und wenn Sie eine Führung mit Aline Pauwels erwischen, haben Sie besonderes Glück. Denn die Museumsleiterin hat die Austernzucht von der Pike auf gelernt und lange selbst praktiziert. Zur Demonstration steigt sie in einer Gummihose, die bis zur Brust reicht, in ein Schaubecken, steckt lange Stäbe in den glibberigen Boden und beschreibt, wie die Tiere an den Metallgitterkörben festwachsen.

Die Kinder dürfen derweil Krabben fischen, Goldbrassen füttern oder Austernschalen bemalen. Und was wäre eine solche Präsentation ohne dégustation? Für Gruppen tischt der Küchenchef schon mal eine seiner besonderen Kreationen auf: mit verschiedenen Zutaten überbackene Austern frisch aus dem Ofen. Kochkurse gibt es auch – und alljährlich ermitteln hier die Köche ihren Meister im Öffnen von Austern.

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Bordeaux erfahren - mit dem Wohmobil

Felder mit Weinreben soweit das Auge reicht, Dünen und Strände mit feinstem Sand, ausgedehnte Pinienwälder und eine pulsierende Metropole: Bordeaux mit der Gironde, das Weinparadies Médoc und die angrenzende Region am Fluß Charente sind mehr als eine Reise wert. Und ideal für ebenso ausgedehnte wie individuelle Erkundungstouren mit dem Wohnmobil oder ganz sportlich mit dem Fahrrad. Wir haben es ausprobiert.


Zum Einstieg dürfen wir uns selbst an der Kunst versucht, die oft fest verschlossenen Schalen kunstgerecht aufzubiegen. Es kommt darauf an, das speziell geformte Messer richtig anzusetzen – und die Auster so zu halten, dass man sich nicht verletzt, falls die Schneide einmal abrutscht.

Am großen Verkehrskreisel von Marennes drehen wir dann eine Extrarunde – so schwer fällt die Wahl der Route: Reicht die Zeit noch für einen Abstecher über die große Brücke auf die malerische Ile d’Oléron? Oder drehen wir ab Richtung Süden? Auf dem Weg an der (eigentlich gar nicht) "wilden Küste" entlang, einer von mehreren mit diesem Etikett, gönnen wir uns eine sportliche Einlage am Leuchtturm von La Coubre. Die 300 Stufen nach oben gehen in die Beine, aber die Aussicht entschädigt für die Mühe. Ein kleines Museum lässt die aufregende Geschichte der Sicherung der Seefahrt und der technischen Fortschritte Revue passieren.

Wer noch eins draufsetzen will, entscheidet sich für eine Bootstour zum Leuchtturm von Cordouan, elf Kilometer weit draußen im offenen Meer. Er gilt als ältester in Europa und hat, neben grandiosem Ausblick, ein königliches Appartement und eine Kapelle zu bieten.

Endlich in die Weinregion

Ehe wir mit der Fähre die Girondemündung hinüber zum Médoc überqueren, nehmen wir uns Zeit für eine Pause in Royan: Mit ihrer modernen Architektur ist die Stadt ein Mahnmal des Friedens, allen voran die futuristische, einem Schiff nachempfundene Kirche Notre-Dame. Bei der Befreiung von den NS-Besatzern war die einstige Belle-Epoque-Herrlichkeit des Seebades im Bombenhagel der Alliierten untergegangen.

Jetzt beginnt der "anstrengendste" Teil der Tour – jedenfalls für Weinfreunde. Was für eine Qual der Wahl: Auf dem knapp 100 Kilometer langen Landstrich bis hinunter nach Bordeaux erstrecken sich schier endlose Weinlagen mit mehr als 200 Gütern. Aber schon die kleinste Verkostungsrunde zwingt dazu, das Wohnmobil stehen zu lassen. Im Prinzip kein Problem: Plätze gibt es genug, und der weite Landstrich lässt sich, freilich nur in Etappen, perfekt per Rad erkunden. Allerdings: Die Entfernung zwischen der östlichen, vom Weinbau geprägten Hälfte und der Atlantikküste mit den Kiefernwäldern und den Sandstränden um Orte wie Hourtin oder Lacanau im Westen darf nicht unterschätzt werden. Dafür locken dort noble Campingplätze wie Les Grands Pins – der wegen Deutsch sprechender Mitarbeiter viele Stammgäste aus Deutschland hat.

Neben Chateau Margaux oder Lafite und Mouton Rothschild und weiteren Häusern mit klangvollen Namen, die schwer erschwingliche Nobeltropfen erahnen lassen, gibt es Adressen für weniger betuchte Kundschaft. Qualität hat jedoch ihren Preis – mit Billigprodukten könnte sich in dieser Region kein Winzer behaupten.

Ein Wohnmobil vor Schloss Palmer © Wolfgang Heilig-Achneck


Ein Stopp lohnt sich oft nicht nur wegen der Gaumenfreuden: Mit Parks und Alleen sind viele der historischen Landsitze Sehenswürdigkeiten für sich, nicht selten wie das Chateau de Pédesclaux geschmackvoll ergänzt um Neu- und Anbauten mit viel Glas.Wie eine dicke Handvoll weiterer Häuser von Rang ist es mit Leihrädern leicht von der zentral gelegenen Weinhauptstadt Pauillac erreichbar.

Allein schon der aufregenden Architektur wegen sollten sich Urlauber – und erst recht Städtetouristen - den Abstecher zur Cité du Vin in Bordeaux nicht entgehen lassen. Der von einem Pariser Architektenbüro entworfene und 2016 eröffnete Bau wirkt wie eine moderne Kathedrale der seit Jahrtausenden gepflegten Rebenkultur. Hier wird nicht nur das hohe Lied auf die Region im französischen Südwesten gesungen, sondern es werden Kultur und Geschichte des Weinbaus in verschiedenen Weltregionen präsentiert – inszeniert mit ausgewählten, markanten Schaustücken und vielen interaktiven Stationen. Die Eintrittskarte beinhaltet auch einen Gutschein für einen kleinen Schoppen aus einer täglich wechselnden Auswahl von Weinen in der Aussichtsetage.

Das Ausstellungshaus ist mit der Straßenbahn perfekt erreichbar, Wohnmobilreisende können deshalb beispielsweise bequem am Stadtrand im "Village du Lac" vor Anker gehen. Gerade für deutsche Touristen gewöhnungsbedürftig sind allerdings die Sicherheitskontrollen wie an Flughäfen in vielen französischen Museen: Schon Taschenmesser oder Trinkflaschen im Tagesrucksack können zum Problem werden, Schließfächer sind ebenfalls oft abgeschafft.

Mehr Informationen:
Comité Régional du Tourisme,  www.nouvelle-aquitaine-tourisme.com, das diese Reise zusammen mit dem Caravansalon Düsseldorf und den Départments Gironde, Charente und Charente Maritime unterstützt hat.

Wohnwagen und Wohnmobile von fast 50 Marken können Sie an diesem Wochenende (2. und 3. März 2019) auf der Nürnberger Freizeitmesse begutachten. Nächster Caravan-Salon in Düsseldorf: 31. August bis 8. September. www.caravan-salon.de

  

Wolfgang Heilig-Achneck

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