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Cowgirl statt Pistensau - so ist Aspen im Sommer

Wer den Namen des Ortes hört, denkt an Wintersport - ein überholtes Klischee - 31.08.2019 08:00 Uhr

In Colorado gehört das Rodeo zum Leben, in Snowmass gibt es echte Wildwest-Atmosphäre, selbst unter Ladies. © Peter Ehler


Noch lebt das im viktorianischen Stil errichtete Bergwerks-Städtchen vom Ruf des "Champagner-Schnees" in den Rocky Mountains, den hippen Starlets und den Promis, die sich rund um den "Milliardärshügel" Villen leisten. Aspen gilt längst als reichste Stadt der USA, und die Start- und Landebahn des kleinen Flughafens reicht bis an die Skipiste. Die Privatjets stehen dann geparkt wie in den Alpen die Autos an der Talstation der Gondel. Mehrmals täglich schweben Regionaljets aus Denver oder Chicago im Skiparadies ein.

Doch auch in der Bergwelt Colorados werden die Winter kürzer. Der Klimawandel in den "Rockies" lässt die Temperaturen steigen, während es gleichzeitig weniger regnet und schneit. Hoteliers und Touristiker vermarkten daher nun auch den Sommer. Aspen sei die Outdoormetropole der USA und ein Paradies für Adrenalin-Junkies, die sich im günstigeren Nachbarort Snowmass auf dem Bike die Trails hinabstürzen, am Seil hängend durch Bäume zischen und mehr Herausforderung im neuen Abenteuerpark "Lost Forest" suchen.

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Aspen und Snowmass - Die Rocky Mountains im Sommer

Aspen und der Nachbarskiort Snowmass in den "Rockies" wollen kein reiner Wintersportort mehr sein. Die reichste Stadt Amerikas und das Base Village in Colorado werben mit bezahlbaren Outdoor-Aktivitäten, Erholung und Natur pur.


Traditioneller geht es dagegen beim Rodeo zu. Es ist eines der ältesten in Amerika, Fans und Reiter zelebrieren hier die Freiheit der Cowboys. Einer von ihnen ist Twirp Anderson. Er kam 1966 als Rodeo-Cowboy nach Aspen, war lange Jahre Ansager und Hufschmied und singt mit seiner Jukebox am Rücken noch als über 80-Jähriger auf dem Rodeoplatz, während sich nebenan Urlauber und Einheimische an schweren Ribs und Hamburgern zu schaffen machen. Normalverdiener können sich das Vergnügen auch leisten.

Gegründet wurde Aspen 1880. Abenteurer waren damals auf der Suche nach Silber in das obere Tal des Roaring Fork River gekommen, dem Sommerjagdrevier der Ute-Indianer. Dort stießen sie auf eine der größten Silberadern der Welt. In den 1930er Jahren wurden hier die ersten Skipisten angelegt, auf denen dann vor allem ehemalige Soldaten fuhren, die nach dem Krieg in den Alpen das Skifahren erlebt hatten. Mit Aspen hatten die USA ihren ersten alpinen Wintersportort.

Trails, die an Schmuggler erinnern

Auch Snowmass im benachbarten Brush Creek Valley liegt in einem alten Jagdrevier der Indianer. Das Resort ist gerade einmal 50 Jahre alt und hat schon einen zweiten Frühling vor sich. Am Fuß des Skiberges entsteht das "Base Village". Hier werden 600 Millionen Dollar in den größten Skigebietsausbau Nordamerikas investiert.

Der soll auch im Sommer Profit und Touristen bringen. Denn wenn ab April der Schnee zu schmelzen beginnt, sprießen schon die ersten Blätter an den Bäumen, Wildblumen überziehen die Landschaft mit einem bunten Teppich und die Flusspegel erreichen mit dem Schmelzwasser ihren Höchststand. Die ideale Zeit, über einen der vielen Trails zu wandern, die mit ihren Namen an die Bergarbeiter und Schmuggler erinnern. Die Aspen Trees (amerikanische Zitterpappeln), die der Stadt den Namen gegeben haben, wachsen über 20 Meter hoch. Wenn man am Stamm reibt, sondern sie ein Puder ab, das man jederzeit als Sonnenschutz im Gesicht verreiben kann.

Wanderer auf einem der vielen Schmugglertrails bei Aspen. © Peter Ehler


Das Angebot an Sommeraktivitäten ist groß. Selbst Yoga wird hier regelrecht zelebriert, etwa am Ende des Rim Trails. Wanderer und Biker stoßen dort auf die Yin-Yang-Plattform – der ideale Ort für befreiende Yoga-Sessions. Am Aspen Mountain rollen sie auf 3417 Metern Seehöhe sogar auf dem Gipfel die Matten zum Hatha Yoga aus.

Wer noch etwas über die Wildnis und ihre Bewohner lernen will, findet im Aspen Center for Environmental Studies (ACES) ein Angebot geführter Nature Walks. Auf jeden Fall sollte man die Maroon Bells besuchen. Die Zwillingsgipfel mit ihren kastanienbraunen Glocken zählen zu den meistfotografierten Motiven Amerikas. Die Bilder der Berge hängen hier in nahezu jedem Hotel und jeder Bar.

Am schnellsten geht es von Aspen aus mit dem Bus zu den über 4000 Meter hohen Bergspitzen, da die Fahrt mit dem Auto nicht möglich ist. An den Aussichtspunkten ist daher oft viel los. Wer mag, kann die Tour auch mit einem Guide buchen, die Rückfahrt durch die wunderschöne Landschaft auf dem Fahrrad genießen und über die Murmeltiere staunen, die sich frech bis an den Straßenrand vorwagen.

Skurril und bunt

Übrigens: Ein Bier in der Woody Creek Tavern ist prima für den Tagesabschluss. Mit dem Fahrrad geht es von Aspen aus eine alte Eisenbahntrasse den Roaring Fork River entlang. Dann stößt man auf eine unscheinbare rustikale Kneipe mit hölzernem Eber über der Eingangstür. Hier haben sich an den Wänden Urlauber, Millionäre und Promis auf Polaroidbildern verewigt. Wer Glück hat, trifft in der skurrilen Bar auf eine Hollywoodlegende.

Souvenirs zieren den Rücken, hunderte von Bildern die Wände in der coolen Taverne bei Aspen. © Peter Ehler


In die Kneipe hatte es vor 50 Jahren den Schriftsteller Hunter S. Thompson verschlagen, als er sich vor dem Rockerclub Hell’s Angels verstecken musste. Später wollte das verrückte Genie sogar Sheriff im Bezirk werden, ehe es sich 2005 eine Kugel in den Kopf schoss. Hollywoodstar Johnny Depp pustete mit einer Kanone die Asche seines Freundes in die Luft, erzählt man am Tresen.

Im Sommer sitzen die Gäste gern draußen im Sonnenuntergang und wer sich nach saftigen Rindersteaks und dem lokal gebrauten Bier nicht mehr sicher im Sattel fühlt, für den geht es unkompliziert per Taxi zurück in die Stadt.

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Aspen und Snowmass: Auch im Sommer eine Reise wert

Im Winter ziehen die Skifahrer ihre Spuren in den Champagner-Powder von Aspen. Im Sommer können sich hier in den Rocky Mountains die Fahrradfahrer und die Wanderer austoben.


Mehr Informationen:
Aspen und Snowmass
www.aspenchamber.org
www.gosnowmass.com
die die Reise unterstützten.
Anreise:
Lufthansa und United Airlines ab München und Frankfurt über Denver 13 Stunden. Alternativ ab Denver 3 1/2 Stunden per Auto.
Günstig wohnen:
Timberline Condominiums.
www.thetimberline.com
Luxuriös wohnen:
Hotel Jerome.
www.aubergeresorts.com/hoteljerome
Reisezeit: Juni-September
Kneipe:
www.woodycreektavern.com

Bilderstrecke zum Thema

Aspen: Das Ski-Dorado in Colorado

Wer von Champagne-Pulver und knackigen Hängen in den Rocky Mountains träumt, wird in Aspens vier Skigebieten fündig.


 

Peter Ehler

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