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Dalarna in Schweden feiert Midsommar

Ende Juni finden in der Provinz wieder viele ausgelassene Feste statt - 11.05.2019 08:00 Uhr

Freudensprung am späten Abend in den Siljansee. Dalrna, dieses "Miniatur-Schweden" mit gerade einmal neun Einwohnern pro Quadratkilometer, bietet auf kleinem Raum alles, was das nordische Leben ausmacht. Kleindörflichen Strukturen zwischen ausgedehnten Wäldern, Wasserfälle und Flüsse, weite Ackerflächen und zahllose rot gestrichene Holzhäuser an glitzernden Seen. Wir haben dort mit den Schweden Mittsommer gefeiert, ein unvergessliches Fest. © Tilmann Grewe


Bis in die 1950er Jahre diente das grasreiche Areal zwischen den verstreuten dunkelbraunen Holzhäuschen als Sommerweide, erzählt Sid Jansson, der sich mit seinen 79 Jahren für die Kultur der Region engagiert. Das Futter nahe der Bauernhöfe rund um den Siljansee wurde als Wintervorrat gebraucht, weshalb das Vieh zwischen Mai und September umziehen musste. Mit schmalen Holzbooten wurden Tiere und Hüterinnen, meist die jungen Töchter der Bauern, über das Wasser gebracht. Heute dienen die Häuschen in Mångberg und in den anderen Sommerweide-Weilern meist als Urlaubsdomizil.

Urlaub mit der Familie oder mit Freunden ist den Schweden heilig. Bis zu sechs Wochen am Stück gönnen sich viele Arbeitnehmer zwischen Ende Juni und Anfang September. In größeren Städten müssen dann Restaurants und Hotels mitunter wegen Personalmangels kurzzeitig schließen. Die Häuser der Urlaubsregionen sind dafür oft ausgebucht. Doch es verläuft sich im weitläufigen Land der Tausenden Seen – auch in der unter schwedischen Urlaubern beliebten Provinz Dalarna.

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Dalarna: Mittsommerfest im "Mini-Schweden"

Dieses "Miniatur-Schweden" mit gerade einmal neun Einwohnern pro Quadratkilometer bietet auf kleinem Raum alles, was das nordische Leben ausmacht. Kleindörflichen Strukturen zwischen ausgedehnten Wäldern, Wasserfälle und Flüsse, weite Ackerflächen und zahllose rot gestrichene Holzhäuser an glitzernden Seen. Wir haben dort mit den Schweden Mittsommer gefeiert, ein unvergessliches Fest.


Dieses Miniatur-Schweden mit gerade einmal neun Einwohnern pro Quadratkilometer bietet auf kleinem Raum alles, was das nordische Leben ausmacht. Kleindörfliche Strukturen zwischen ausgedehnten Wäldern, Wasserfälle und Flüsse, weite Ackerflächen und ungezählte rot gestrichene Holzhäuser an glitzernden Seen. Falunrot nennen die Schweden diesen Farbton seit dem 16. Jahrhundert, als die Blütezeit der Kupfermine von Falun begann, aus deren Abraum die eisenoxid-haltigen Farbpigmente seit dieser Zeit gewonnen werden.

Wer die rund 400 Holzstufen hinabsteigt, die heute Touristen in das 1992 stillgelegte Bergwerk – ein Unesco-Welterbe – führen, mag erahnen, was die harte Arbeit unter Tage dort einst bedeutete. Zwölf-Stunden-Schichten in feuchten, oft niedrigen, eiförmigen Stollen waren bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts normal, erzählt Bergführerin Johanna. Genauso wie der Feuerabbau: Um den harten Stein ein wenig poröser zu machen, wurden nachts Feuer an die Stollenwände gelegt. Trotzdem schaffte ein Arbeiter bestenfalls einen laufenden Meter im Monat – bei 40 bis 45 Grad Hitze unter Tage. Denn die Abwärme der nächtlichen Flammen konnte kaum aus den Stollen entweichen.

Witwen dürfen Kneipen eröffnen

Unfälle, nicht selten mit tödlichem Ausgang, waren an der Tagesordnung. Als Ausgleich bekamen die Witwen der Opfer häufig die Erlaubnis, eine Kneipe zu eröffnen. Die Basis fürs Überleben: Die meisten Arbeiter-Wohnungen waren zu eng für eine Küche – gegessen und getrunken wurde oft in diesen Lokalen, die in der Schwefel geschwängerten Region Falun zahlreich waren.

Zurück am Siljansee besuchen wir eine Wiege des Dalapferdes: In dem Örtchen Nusnäs produzieren gleich zwei Manufakturen das Wahrzeichen der Region Dalarna. Zwei Brüder revolutionierten 1928 die Herstellung des geschnitzten Holzspielzeugs, das seit dem 17. Jahrhundert an langen Winterabenden in den Bauernstuben entstand. Der Einsatz der Bandsäge für die Herstellung der Rohlinge bildete die Grundlage für die Massenproduktion des Pferdchens, das heute in 20 Variationen hergestellt wird.

Blumen vor roten Häusern - typisch Dalarna. © Tilmann Grewe


Die Brüder entzweiten sich und gründeten je ihre eigene Werkstatt in Nusnäs. Dort entstehen heute die Rohlinge und der grundsätzliche Farbauftrag. Das Schnitzen und die Muster-Bemalung übernehmen rund 60 Frauen in Heimarbeit. Die Provinz macht aber noch weit mehr aus: Die in Schweden verehrten Künstler Carl Larsson und Anders Zorn wirkten hier. Anfang März findet jedes Jahr der traditionsreiche Wasa-Skilanglauf über 90 Kilometer statt. Die Freiluft-Arena Dalhalla, die 1994 in einem alten Kalksteinbruch nahe Rättvik eröffnet wurde, gehört zu den besten Open-Air-Bühnen weltweit. Während des Dalhalla-Festivals geben sich alljährlich von Juni bis September internationale Künstler mit rund 25 Konzerten die Ehre.

Und natürlich der Mittsommer. Eigentlich fällt das Fest in Schweden immer auf das Wochenende zwischen dem 20. und dem 26. Juni – per Gesetz. In Dalarna ist das anders. Jedes Dorf möchte seine eigene Feier haben. Also begehen die Menschen den Midsommar von Mitte Juni bis gegen Ende Juli immer wieder. Rund 60 dieser sehr familiären Feste sind es allein um den Siljansee, mehr als 100 in der Region Dalarna. Mit traditioneller Volksmusik, zu der Kinder und Erwachsene um den gerade errichteten Maibaum tanzen. Mit gegrilltem Hering und neuen Kartoffeln, mit Sackhüpfen und Tauziehen. Im Hochsommergras. Unter dem tiefblauen Himmel.

Das müssen Sie in Dalarna auch probieren:

Mit dem Kirchboot fahren die Siljansee-Anwohner seit Jahrhunderten sonntags zur Messe. Touristen dürfen mitfahren, wenn Plätze frei sind. www.visitdalarna.se/en/siljan/contact/the-siljan-district/rattvik

Touren zu Kulturstätten und in die Natur bietet Lotta Backlund von "Green Owl Travel". Ihre Radtouren führen häufig an einer Hütte vorbei, die abgeschieden im Wald nahe der Dalhalla-Freilichtbühne liegt. Dort wird am offenen Feuer gegrillt. www.greenowltravel.com

Den Brauch des Maibaumaufstellens haben sie hier aus Deutschland übernommen, sie machen es nur etwas später. Schön ist der Brauch allemal. © Tilmann Grewe


Der Mittsommer-Baum heißt in Dalarna Maibaum. Und tatsächlich haben sich die Schweden diese Tradition von den Deutschen abgeguckt. Der oft weiß und blau gestrichene Baumstamm ist hier Fruchtbarkeitssymbol. Die Natur hat in der zweiten Junihälfte ihren Jahreshöhepunkt erreicht, man feiert den kurzen schwedischen Sommer und das Licht. Das vermutlich größte Midsommar-Fest mit fast 15 000 Besuchern findet alljährlich in Leksand statt. www.leksand.se

Essen gehen ist in Schweden nicht so teuer, wie häufig befürchtet – es sei denn, man besucht Lokale in den größeren Städten und/oder genießt Alkohol. Sehr empfehlenswert ist das Restaurant Solgardskrogen oberhalb des Siljansees mit verfeinerter schwedische Küche aus regionalen Produkten. www.solgardskrogen.se

Anders Åkerberg stellt handwerklich Knäckebrot her, inzwischen hat das Unternehmen (mit stylischem Restaurant und Lebensmittel-Verkauf) 19 Mitarbeiter und produziert sechs Tonnen Knäckebrot jährlich. www.skedvibrod.se

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Im Camper durch Südschweden

Verträumte Häfen, idyllische Ferienhäuser und unberührte Natur: Süd-Schweden ist definitiv eine Reise wert. Im Camper lassen sich ganz neue Facetten der skandinavische Halbinsel entdecken.


Mehr Informationen:
VisitSweden
https://visitsweden.de
www.visitdalarna.se/de,
die diese Reise unterstützt haben.
Anreise:
Rund 1600 km Anreise mit Pkw; Flüge z. B. Lufthansa Nürnberg–Frankfurt–Stockholm–Arlanda, von da aus weiter per Zug (ca. 4,5 Std.).
Günstig wohnen:
Mora Vandrarhem
www.moravandrarhem.se
Luxuriös wohnen:
Fryksås Hotell
www.fryksashotell.se
Beste Reisezeit:
Anfang Mai bis Ende September 

Tilmann Grewe

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