16°

Dienstag, 20.08.2019

|

zum Thema

Das bedeuten Econonomy-Plus, Premium, First-Class

Wir bringen Ordnung ins Sitzplatzklassen-Wirrwarr im Flieger - 20.07.2019 08:00 Uhr

In diesem Teil der Economy-Class ist die Beinfreiheit größer - dafür bezahlt man schnell 100 Euro und mehr extra. © colourbox.com


Frankfurt Flughafen. Es ist ein sonniger Junitag. Ich bin auf dem Weg nach Abu Dhabi und blicke durch die Fenster auf das Rollfeld, diesmal allerdings aus der Business Class. Ich bin seit Jahren nicht Business geflogen, denn ich mache mir eigentlich nichts daraus. Aber es ist schön, mal wieder Flugkomfort zu genießen.

Das denke ich mir, als der Dreamliner der Etihad Airways, der nationalen Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, abhebt. Doch was ist eigentlich der Unterschied von der Economy- zur oft doppelt so teuren Business-Class?

Letztere bietet nicht nur ein besseres Angebot an Getränken, Speisen und Service-Leistungen, sondern vor allem mehr Sitzkomfort. Ich habe heute quasi mein eigenes Zimmer. Ein Sichtschutz schirmt meinen Platz vom Nachbarn ab. Der Sitz lässt sich zu einem Bett mit völlig flacher Liegefläche ausfahren. Die Fenster kann ich je nach Lust und Tageszeit dimmen.

Nur der Vorhang trennt die Klassen

Auf Inlandsflügen sind Economy- und Business-Class-Plätze oft nur mit einem Vorhang voneinander getrennt und unterscheiden sich hinsichtlich des Sitzabstands kaum. Meist wird in der Business-Class nur der Mittelplatz einer Dreierreihe freigehalten. Auf Mittel- und Langstreckenflügen dagegen ist der Unterschied riesig.

Gerade auf dem Weg in den Osten ist ein regelrechter Wettbewerb um Komfort entstanden. Und auch in der Economy-Class gibt es große Unterschiede, denn nicht alle Flugzeuge haben denselben Sitzabstand. Je nach Airline und Flugzeugtyp variieren sie teils stark – laut dem Internet-Flugportal www.Seatguru.com zwischen 76,2 Zentimetern wie auf vielen Boeings 737-800 der Ryanair und fast 89 Zentimetern in den Airbus A320 der Air Canada.

In diesem Labor in Hamburg testet Airbus neue Sitzplatzklassen. © Reuters Photographer / Reuter


Manche Airlines haben eigene Zwischenklassen wie Condor mit ihrer „Premium Class“. Dort gibt es etwas mehr Platz durch einen freien Mittelsitz, erhöhte Freigepäckmengen sowie Essen und Getränke inklusive. Andere verkaufen die attraktiven Sitzplätze an den Notausgängen, hinter dem Cockpit oder direkt an den Einstiegstüren extra. Das Zauberwort lautet „Sitze mit mehr Beinfreiheit“ wie bei Lufthansa oder „Sitzplatz Plus“ wie bei Air France. Bei Lufthansa beispielsweise zahlt man pro Strecke zwischen zehn und 100 Euro mehr – und bekommt dafür deutlich mehr Raum für die Beine.

Mein Flug nach Abu Dhabi verläuft an diesem Tag ruhig. Von der Business Class kann ich beim Start auch einen Blick in die First Class erhaschen. Das wahre Plus der exklusivsten Klasse über den Wolken, die meist nur auf Mittel- und Langstrecken angeboten wird, sind neben dem Zugang zu komfortablen Lounges mehr Freigepäck, Gourmet-Küche und hochwertige Kosmetikprodukte an Bord. Und vor allem Sitzkomfort und Privatsphäre.

Fliegendes Appartement mit Butler

Während Lufthansa ihre First Class eher reduziert, bauen gerade in der arabischen Welt, wo Privatsphäre geschätzt wird, viele Airlines ihre First Class aus. Etihads teuerstes Produkt heißt „The Residence“, ein fliegendes Apartment mit Wohnzimmer, Schlafzimmer samt Doppelbett und Dusche. Die Türen können zum Gang hin verschlossen werden. Selbstredend kümmert sich ein Butler um das Wohl der Passagiere.

Groß sind allerdings auch die Unterschiede bei den Preisen. Ein Platz in der First Class ist in der Regel zwei bis viermal so teuer wie in der Business Class und zehn bis 15 Mal so teuer wie in der Economy. Für die Strecke von Frankfurt nach Abu Dhabi verlangt Etihad zu einem Vergleichsdatum im Oktober in der Economy derzeit ab knapp 300 Euro pro Strecke, in der Business ab 1100 Euro, in der First ab 4600 Euro. „The Residence“ ist, wo sie überhaupt angeboten wird, noch teurer.

Hier sprechen viele von der Holzklasse. © Mediventravel/dpa


Lohnt es sich also, für mehr Platz deutlich mehr Geld zu bezahlen? Auf europäischen Kurzstrecken sicher nicht. Signifikant ist der Leistungsunterschied auf der Langstrecke. Mein Tipp: Wer für wenig Aufpreis ausgeruht ankommen möchte, für den sind die Sitzplätze mit mehr Beinfreiheit eine gute Alternative zur engen Economy Class.

Trotz des exklusiven Reiseerlebnisses in der Business Class muss übrigens auch ich mein Bett zurück in die Sitzposition fahren, als Etihad-Flug EY2 in den Landeanflug geht. Ich habe traumhaft geschlafen. Als die Reifen des Flugzeugs nach sechs Stunden Flug den Boden berühren, bin ich völlig ausgeruht. Und das ist vielleicht auch gut so, denn draußen warten 38 Grad. Willkommen in Abu Dhabi.

Mehr Informationen:
Wer wissen will, wie ein Flugzeug bestuhlt ist, wie groß die Sitzabstände sind und welchen Komfort es in welcher Klasse gibt, der sieht bei Portalen wie www.Seatguru.com, www.Seatexpert.com und www.Seatmaestro.com nach. Sie bieten neben aufschlussreichen Übersichten auch jede Menge Erfahrungsberichte von Vielfliegern. 

Fabian von Poser

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Reise